Dischingen/Wittlisingen Bayerische Gemeinden klagen über Schul-Konkurrenz in Württemberg

Wittislingens Schule: Dass bayrische Schüler die Egauschule besuchen, verärgert hier.
Wittislingens Schule: Dass bayrische Schüler die Egauschule besuchen, verärgert hier. © Foto: Jakob Stadler
Dischingen/Wittlisingen / Jakob Stadler 02.05.2018
In den Nachbargemeinden ärgert man sich über bayrische Schüler, die die Egauschule besuchen.

Dischingen/Wittislingen. Es ist ein Thema, das die bayrische Nachbargemeinde Wittislingen (Kreis Dillingen) seit Jahren beschäftigt: Eltern schicken ihre Kinder in die Gemeinschaftsschule nach Dischingen statt in die örtliche Grund- und Mittelschule.

Aktuell geht es um neun Wittislinger Schüler, drei aus Mödingen und elf aus Ziertheim. Die Zahlen stammen von der Gemeinde Dischingen – Prognosen fürs neue Schuljahr. Aus der bayrischen Verwaltungsgemeinschaft Syrgenstein sind es mehr als 30 Kinder, die in Dischingen unterrichtet werden. Als Problem wird in der Nachbarschaft gesehen: Wer als Kind nach Baden-Württemberg pendelt, tue dies auch beruflich eher, so Wittislingens Bürgermeister Ulrich Müller. Eigentlich wolle man Fachkräfte aber halten.

Schulbus nach Dischingen hält direkt vor dem Schulhof

Angelika Riesner, Schulleiterin der Wittislinger Grund- und Mittelschule, sagt, dass sie täglich beobachtet, wie Schüler aus ihrem Bezirk nach Württemberg fahren. Der Schulbus nach Dischingen hält direkt vor dem Schulhof.

„Für mich ist das eine Frechheit“, sagt sie. „Dass der Bus meine Schüler mitnimmt.“ Wenn Probleme auftauchen, würden Eltern und Schüler diesen ausweichen, erklärt sie den Grund für den Schulwechsel. Immer wieder wird auch der Vorwurf laut, die württembergischen Schulen würden gezielt Schüler aus Bayern abwerben. „Die wollen ihre Schulen füllen, um jeden Preis“, sagt Bürgermeister Müller.

Entgegnung aus der Egauschule

„Nein, das stimmt nicht“, entgegnet Heidrun Abele, Leiterin der Dischinger Egauschule. Sie kennt die Vorwürfe, jedoch habe sich keiner der Kritiker aus dem Landkreis Dillingen bei ihr gemeldet.

Sie sagt: „Klar nehme ich die Schüler. Die Gemeinschaftsschule ist eben offen für alle.“ Genauso sei es mit dem Informationsabend für Interessierte, der an der Schule angeboten wird.

Außerhalb der Schule, gar im Landkreis Dillingen, würden solche Veranstaltungen aber nicht ausgerichtet. Das Einzugsgebiet sei nun einmal groß, es reiche etwa von Heidenheim bis Bissingen.

Protest gegen das bayerische Schulsystem?

In Baden-Württemberg sieht man in der Anzahl der Gastschüler eher einen Protest der Eltern gegen Bayerns Schulsystem. An der Gemeinschaftsschule werden alle Kinder zusammen unterrichtet und können sich entscheiden, ob sie Hauptschulabschluss oder Mittlere Reife anstreben. Und wer das Niveau erreicht, kann sich dort bis zur 10. Klasse vorbereiten und fürs Abitur auf ein Gymnasium wechseln.

In Bayern hält man dieses Schulsystem für schlechter – da sind sich Riesner und Müller einig. Die Eltern würden sich von der Gemeinschaftsschule täuschen lassen. Es gehe nur darum, vielleicht doch die Mittlere Reife zu bekommen.

Die Lösung sei aber in Bayern zu suchen, denn das Thema Mittelschule werde von Eltern wie Staatsministerium falsch eingeschätzt, so Müller. Zusammen mit dem Bezirk Schwaben hat er sich an den Kultusminister gewandt. Es gelte aufzuzeigen, welche Chancen die Mittelschule bietet.