Treffen Bayerisch-württembergische Politiker: „Wir sind alle Mammut“

Stetten ob Lontal / Klaus-Dieter Kirschner 03.05.2013
Die 78. Veranstaltung des Bayerisch-württembergischen Kommunalstammtischs begann am frühen Donnerstagabend mit einem Besuch in der Schatzkammer und einer anschließenden Wanderung durch den Archäopark. Dort staunten die Gäste, je länger sie zu Fuß unterwegs waren.

Die „Stammtischler“ von beiderseits der weißblauen Landesgrenze kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Was hier am Fuße der Vogelherdhöhle in den letzten zwölf Monaten entstanden ist. Heidenheims Landrat Thomas Reinhardt fasste das in diese Worte in der Cafeteria des Archäoparks bei der Begrüßung: „Eine Herkulesaufgabe, nein, eine Mammutaufgabe ist hier geschultert worden. Der eigentliche Star ist keine vier Zentimeter groß... Wer selber in seiner Jugend als Junge schnitzte, weiß, wie anspruchsvoll die Arbeit der Eiszeitmenschen zu bewerten ist.“

Im Archäopark werde auch die Vorstellung aus Kindertagen korrigiert, dass Eiszeitmenschen keulenschwingend durch die Gegend rannten und Tiere erlegten. Die Eiszeitfunde im Alb-Donau-Kreis und im Landkreis Heidenheim seien von solch großer Bedeutung, dass man zu Recht den Antrag auf Ausweisung eines Weltkulturerbes gestellt habe. Frühestens 2016, eher im Jahr 2018, werde dieses Prädikat verliehen, zeigte sich Reinhardt zuversichtlich und schloss mit der Feststellung: „Das Herz der Eiszeit schlug am Vogelherd. Wir sind alle Mammut.“

Bürgermeister Gerhard Kieninger hieß die Besucher „in der ältesten Kunstwerkstätte der Menschheit willkommen“. 2,8 Millionen Euro seien investiert worden. Die Sicherheitstechnik sei so aufwendig wie im BMW-Museum in München.

Kein Museum althergebrachter Art

Der Archäopark wolle kein reales Museum mit vielen Ausstellungsstücken sein, wohl aber ein Erlebnispark, der auf 3,5 Hektar die Eiszeit erlebbar mache.

„Die Hauptrolle spielt nicht das Mammut, sondern das Erlebnis der Eiszeit und des Vogelherds“, bekräftigte Kieninger. Mit Blick auf die Cafeteria sagte er: „Hier gibt es keine Pommes, wohl aber Würstchen und Grillfleisch vom Rost.“ Mitten im Atrium brenne immer ein Feuer und dort könnten die Menschen grillen und mit anderen in Kontakt kommen. Des Redners Wunsch: „Ich hoffe, das Feuer der Eiszeit erwärmt uns noch lange.“ Mit knapp 2000 Besuchern am ersten Tag sei wahrlich der Andrang groß gewesen.

Die Archäologin Ewa Dutkiewicz führte die Gäste als Leiterin des Archäoparks als erstes in die Schatzkammer. Dort herrschte andächtige Aufmerksamkeit, als das Mammutle vorgestellt wurde und das Fragment eines Höhlenlöwen.

Die kleine Wanderung hatte zunächst das stählerne Mammut als Ziel, ehe es hinauf auf den Berg und hinein in die Vogelherdhöhle ging. Der heutige Höhlenboden liegt etwa eineinhalb Meter unter der damaligen Kulturschicht. Die bedeutenden Funde in den letzten acht Jahren wurden im Abraum gefunden, den die Ausgräber 1931 unter Leitung von Gustav Riek aus der Höhle herausgeholt und einen Hang hinuntergekippt hatten. Ewa Dutkiewicz: „Die Grabungstechnik war damals eine andere. Heute würde man für solche Grabungen Jahre brauchen.“ Säckeweise wurde der Abraum mitgenommen und wird immer in Tübingen noch ausgewertet. Professor Conard dazu bei der Einweihungsfeier am Dienstag: „Wir haben jede Menge Schmuck aus der Eiszeit und müssen diesen und andere Funde noch sichten. Manches Bruchstück könnte dabei vielleicht noch ein ganzes Teil ergeben.“

Keiner traut sich auf den Parcours

Unterwegs wurde seitens der Besuchergruppe Station an einer elektronischen Zeitnahme gemacht: Mit 40 Kilo Gepäck in einer Schleiftrage kann man auf unterschiedlichen Belägen das Gefühl für den Warentransport in der Eiszeit bekommen. Doch keiner der Stammtischler traute sich an den Selbstversuch.

Dillingens Landrat Leo Schrell war hin und weg nach dem Rundgang: „Das war ein enorm lehrreicher Ausflug in die Eiszeit. Was hier entstanden ist, ist geradezu fantastisch.“

Schrell will „unbedingt den Archäopark hineinnehmen in das Touristikangebot von Donautal aktiv. Dort ist schon Schloss Brenz verankert worden.

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