Fusion Bankenhochzeit zwischen Alb und Brenztal klappt

Heldenfingen / klaus-dieter kirschner 14.06.2015
Selten hat die Hauptversammlung einer Raiffeisenbank dermaßen Zulauf gehabt wie am Freitagabend in der Kliffhalle, als zu vorgerückter Stunde über die Verschmelzung der Raiffeisenbank Heidenheimer Alb mit der Volksbank Brenztal befunden wurde: 95,32 Prozent der gültigen Stimmen waren für die Bankenhochzeit.

Und: Wilhelm Hauff geht als letzter Aufsichtsratsvorsitzender in die Geschichte ein. Später verlor er die Wahl für den Aufsichtsrat der Volksbank.

Die „Micados“ Manfred und Erich umrahmten musikalisch diese Generalversammlung der Mitglieder der Raiffeisenbank von Dettingen bis Gussenstadt. 400 Personen waren im Saal. Deutlich wurde, dass sich viel geändert hat und so kleine Banken mit schwindendem Geschäftsvolumen und immer mehr auferlegter Bürokratie einen großen Partner brauchen. Die Übernahme, nach dem Gesetz Verschmelzung genannt, war seit Monaten eingefädelt worden. Daran erinnerte der Aufsichtsratsvorsitzende Wilhelm Hauff, der diese letzte Generalversammlung der Raiba Heidenheimer Alb leitete.

Der nächstes Jahr in den Ruhestand tretende Bankvorstand Willi Miller führte aus, die Entwicklung im Geschäftsjahr 2014 sei für die Raiba „verhalten“ ausgefallen. Die Niedrigzinsphase habe deutliche Bremsspuren hinterlassen. Die Bilanzsumme wuchs nur um 1,3 Prozent von 106,8 auf 108 Millionen Euro. Die Spareinlagen erhöhten sich um etwa 400 000 Euro auf 86 Millionen Euro. Im Verbundgeschäft ging es nur um 5,2 Prozent voran von 51,5 auf 54,1 Millionen Euro. Die beste Zuwachsrate wurde mit 9,4 Prozent bei den Bausparverträgen erreicht.

Die Summe aller Ausleihungen stieg um 1,6 Prozent von 211,7 Millionen auf 215 Millionen an. Das Eigenkapital bezifferte Miller auf 2,085 Millionen Euro. 109 neue Mitglieder gewann die Genossenschaftsbank dazu: Insgesamt halten die 3304 Mitglieder 13 602 Geschäftsanteile. Die Personalkosten beliefen sich auf 1,469 Millionen Euro. Für Verwaltung und anderes mussten 974 000 Euro ausgegeben werden. Das Bewertungsergebnis erreichte 2014 den Betrag von 142 000 Euro. Im Vorjahr waren es noch 424 000 Euro. Der Bilanzgewinn betrug diesmal 126 000 Euro (oder 36 000 Euro weniger als im Jahr 2013). Miller: „Das Betriebsergebnis liegt damit unter dem Verbandsdurchschnitt uns ist nicht zufriedenstellend.“

Dennoch habe sich die Vermögenslage der Bank weiter verbessert. Sie sei aber dennoch geringer bei gleich großen Banken. Wie Miller ausführte, erhalten die Mitglieder 3,5 Prozent Dividende. Dafür stehen vom Bilanzgewinn 72 609 Euro zur Verfügung. In die gesetzlichen Rücklagen werden 20 000 Euro, in andere Rücklagen 33 590 Euro eingestellt.

Wilhelm Hauff gab den Bericht des Aufsichtsrats, der jederzeit über die Details im Bilde gewesen sei und den Mitgliedern die Verschmelzung mit der Volksbank Brenztal empfehle. Das Prüfungsergebnis des Genossenschaftsverbands fiel „uneingeschränkt“ aus.

Vorstand Frank Renner begründete die Fusion mit Giengen damit, „dass wir heute die Gelegenheit haben, unsere Genossenschaft für die Zukunft gut aufzustellen“. Seit April habe man die Mitglieder bei Informationsabenden ins Bild gesetzt, auf die Niedrigzinsphase, neue knebelnde Gesetze und anderes hingewiesen. Mit der Verschmelzung sichere man die Arbeitsplätze wie die Existenz der vorhandenen Standorte der Bankfilialen: „Nach der Verschmelzung werden wir zwar nicht zur Großbank, aber zu einer Bank, die sich im Wettbewerb gut behaupten wird.“

Das Gutachten zur Bankenhochzeit stellte Wirtschaftsprüfer Kai-Uwe Dienstdorf vor. Dazu gab es aus der Mitte der Versammlung ein paar kritische Anmerkungen. Gerhard Schlumpberger kritisierte, dass im künftigen Bankname zwar – wie bisher - das Brenztal, nicht aber auch noch die Alb vorkomme.

Mit großer Spannung wurde das Ergebnis der geheimen Abstimmung erwartet. Von den gültigen 684 Stimmen entfielen 652 auf Ja und 32 auf Nein. Das waren 95,32 Prozent Zustimmung. Die Versammelten klatschten lange Beifall.

Da bis zum Ende der Raiba noch Monate ins Land gehen, wurden die Aufsichtsräte Mirjam Hechler (Bolheim), Jürgen Pflanz (Heuchlingen) und Jens Seibold (Gussenstadt) einstimmig bestätigt. Im künftigen Aufsichtsrat der Volksbank ist die Heidenheimer Alb mit zwei Personen vertreten: Auf dem Stimmzettel standen Jens Seibold (Gussenstadt), Martin Frey (Dettingen) und Wilhelm Hauff (Langenau). Die Diskussion zeigte, man wollte Personen haben, die örtlich eingebunden und auch im Vereinsgeschehen aktiv sind. Um 23.02 Uhr verkündete der Wahlleiter und Rechtsanwalt Röhricht, dass Seibold und Frey gewählt wurden. Wilhelm Hauff kommentierte seine „bittere Niederlage“ mit den Worten: „Das ist Demokratie.“

Geehrt wurde der Aufsichtsrat Ernst Bührle für 25 Dienstjahre. In seinem Schlusswort dankte Wilhelm Hauff der anwesenden Spitze der Volksbank Brenztal für faire Verhandlungen und manches Entgegenkommen. Den Namen Alb habe man für einen zweiten Aufsichtsratsplatz eingetauscht.

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