Open Malerei, Collagen, Installationen und eine echte Stewardess

Eine Banane aus Wellpappe von Künstler Albrecht Briz (rechts) wird im Fürstensaal des Torbogenmuseums in Königsbronn zu sehen sein.
Eine Banane aus Wellpappe von Künstler Albrecht Briz (rechts) wird im Fürstensaal des Torbogenmuseums in Königsbronn zu sehen sein. © Foto: Oliver Vogel
Königsbronn / Joelle Reimer 09.05.2018
Neben Malerei, Collagen und Installationen wird auch eine echte Stewardess vor Ort sein.

Irgendetwas stimmt hier nicht. Im barock verzierten Fürstensaal des Königsbronner Torbogenmuseums, wo normalerweise in romantischer Atmosphäre der Bund fürs Leben geschlossen wird, liegt ein großes Spiegelei auf dem Tisch. Ein Spiegelei – und eine Banane.

Bei diesem kargen Mahl handelt es sich freilich nicht um das Hochzeitsessen des nächsten Brautpaares. Vielmehr sind die überdimensionalen Leckereien aus Wellpappe und Farbe zwei Vorboten für das anstehende Wochenende, denn am 12. und 13. Mai findet in den Räumen des Torbogenmuseums und des Langen Hauses die diesjährige „Open“-Ausstellung statt.

Spiegelei-Skulptur im Trauzimmer

Im Fürstensaal hat sich Albrecht Briz ausgetobt – und nimmt dabei Bezug auf die Historie des Raumes: Einst diente das Torbogengebäude den Herzogen von Württemberg als Jagdschloss. „Hier fanden hinterher die großen Schlemmereien statt. Da sind meine zwei Skulpturen naheliegend, oder?“, sagt Briz mit verschmitzem Lächeln. Diese Installation, verrät er noch, sei das Lustigste, was er je geschaffen habe.

In den Räumen nebenan stellen Erich Briz, Günter Schmid und Erika Theilacker aus. Letztere konzentriert sich auf Fundstücke aus dem Meer und der Natur, welche sie in ihren Collagen und den sogenannten Sgraffitos verarbeitet – eine Kratztechnik mit Acryl auf Leinwand. Erich Briz, der längere Zeit nicht bei den „Open“-Ausstellungen dabei war, wollte etwas ganz Neues machen. Abseits der Malerei, abseits des von ihm Gewohnten. Er taucht mit seinen Arbeiten in die digitale Welt ein, besser gesagt: in die Welt der Mehrfachbelichtung. Klassische Fotos und einige Materialscans legt er dafür am Computer übereinander. Günter Schmid hat ebenfalls digital mit Fotos experimentiert: Kleine Module städtischer Räume hat er so oft vervielfältigt, bis ein komplett neues Motiv entsteht.

Einmal durch die Unterführung und unter den Bahngleisen hindurch gelaufen, warten auf der anderen Seite im Langen Haus ein gutes Dutzend weiterer Künstler mit ihren Werken auf. Johanna Bauer, die Vorsitzende des Kunstvereins Schmelzofen, der die „Open“-Ausstellung organisiert, kombiniert Text und Malerei und hat in den alten Räumen allerlei Wortspiele angebracht. Nochmal vertreten ist hier Albrecht Briz: Mit Hilfe eines Tageslichtprojektors schafft er ein interaktives Kunstwerk, bei dem der Besucher Künstler wird.

Fotografie und digitale Bilder

Die sogenannten „Metamorphosen“ aus der Tier- und Pflanzenwelt von Nicoline Koch-Lutz passen sich farblich perfekt dem Untergrund der alten Wände an. Collagen aus antiquarischem Buchmaterial hängen hier neben zwei großen Lehrtafeln. Im Raum nebenan stellt der Fotograf Ignacio Iturrioz aus, der erst seit diesem Jahr Mitglied im Verein ist und mit seinen Bildern die Auswirkungen der Landflucht in Uruguay zeigt.

Johanna Senoner stellt, über zwei Räume verteilt, zwei großformatige Bilder aus: realistische, schwebende und nicht greifbare Figuren. „Ich arbeite mit Übermalungen. Ich male einfach drauf los, ohne Ziel“, erklärt sie. Ebenfalls im ersten Stock stellt Evi Fischer aus. Sie zeigt eine Installation aus neun Marmortafeln, die in Bezug stehen zu computergenerierten Bildern, bei denen ebenfalls die Marmorstruktur erkennbar ist. In einem weiteren Raum sind ihre Malereien zu sehen. Ein paar Schritte davon entfernt geht es mit computergenerierten Bildern weiter: Karl-Heinz Stufft-Fischer zeigt Großformate zum Thema Liebe. Gabriele Schneeweiß zeigt eine ortsbezogene Raumarbeit mit dem Titel „Lineare Verführung“ und greift dabei die vorhandenen Linien des Zimmers auf. Mit Kaffee auf Papier und Zeichnungen direkt auf der Wand überrascht Brigitte Vogel; sie zeigt kleinere Werke aus ihrer Reihe „Coffee Stories“.

„Ein Künstler auf einer Leiter malt seinen Schatten, der von der Leiter stürzt“: So der Titel eines großen Kunstwerkes von Günther Reger, das er im Langen Haus ausstellen wird. Doch Reger kann auch klein: In einem winzigen Raum, dem ehemaligen WC, hat er seine bisher kleinste Lichtinstallation mit Schwarzlicht angebracht. Beate Gabriel, zweite Vorsitzende des Kunstvereins, hat sich ganz an den Formen orientiert, die im Langen Haus vorkommen. Egal ob auf Tapeten oder am Treppengeländer: Sie nimmt die Formen auf und präsentiert sie in ihren Arbeiten aus Holz, Lack und Papier.

War sie vor zwei Jahren zunächst als Gastmalerin dabei, ist auch Carla Chlebarov wieder mit abstrakten Ölbildern, Zeichnungen und Radierungen vertreten. Michael Köpf zeigt Serienmalereien in Öl auf Leinwand. Zu guter Letzt folgt die wohl ungewöhnlichste Präsentation: Jürgen Stimpfig zeigt in seiner Arbeit „décollage“ nicht nur eine lebensgroße Pastellzeichnung einer Stewardess von Air France direkt auf einer Wand, sondern holt diese mit einer Performance sozusagen direkt nach Königsbronn. Eine echte Stewardess soll vor der Zeichnung die typischen Sicherheitsinstruktionen vorführen. Genau darin liegt wohl der Reiz der diesjährigen „Open“: Beim Gang durchs Lange Haus und durchs Torbogenmuseum, die an sich schon Kunstwerke sind, findet man in jeder Ecke eine neue Überraschung.