Baustelle B 19 nach Herbrechtingen: endlich freie Fahrt

Eine der letzten Arbeiten vor der vollständigen Freigabe der B 19 für den Verkehr: Auf beiden Seiten wurden durchgängig Leitplanken montiert.
Eine der letzten Arbeiten vor der vollständigen Freigabe der B 19 für den Verkehr: Auf beiden Seiten wurden durchgängig Leitplanken montiert. © Foto: Foto: Jennifer Räpple
Herbrechtingen / MICHAEL BRENDEL 28.07.2014
Es ist vollbracht: Sollte nicht in letzter Minute noch etwas dazwischenkommen, dann rollt ab Dienstagabend auf der runderneuerten Bundesstraße 19 zwischen Mergelstetten und Herbrechtingen der Verkehr wieder in beiden Richtungen.

Keine Reden, keine Blaskapelle, kein Feuerwerk: Die Freigabe der sanierten B 19 geht am Dienstag völlig unspektakulär über die Bühne. Nicht anders war's Mitte November 1953. Damals begleitete lediglich ein geselliges Beisammensein diverser Behördenvertreter im Mergelstetter „Lamm“ die offizielle Eröffnung der drei Kilometer langen Verbindung.

Dabei gab es seinerzeit nach 117-tägiger Bauzeit doch eine Premiere zu feiern: die erste Spannbetonstraße auf dem europäischen Kontinent. Weil aber die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs bei Herbrechtingen noch ausstand, wurde von offizieller Seite auf einen großen Bahnhof verzichtet.

Streit um Tempo 30

Jetzt, knapp 61 Jahre später, dürfte sich die Freude erneut eher innerlich breit machen. Zum einen natürlich bei den Verkehrsteilnehmern, die eine auf ganzer Länge bestens präparierte Piste vorfinden, zum anderen bei den lange Zeit staugeplagten Bolheimern. Sie mussten vor allem während des ersten Bauabschnitts ab Mai 2013 mit einem hohen Verkehrsaufkommen auf der mitten durch den Ort führenden Umleitungsstrecke leben.

Dabei spalteten zeitweise unterschiedliche Ansichten darüber die Anwohner, ob aus Lärmschutzgründen durchgängig eine Beschränkung auf 30 Stundenkilometer angeordnet werden sollte. Plädierten die einen uneingeschränkt dafür, machten andere geltend, die Fahrzeugkolonnen benötigten nun noch mehr Zeit um das Ortsschild hinter sich zu lassen.

Unter dem Eindruck dieses Zwists verzichtete die Straßenbauverwaltung darauf, erneut Tempo 30 auszuweisen, als im Zuge der zweiten Bauphase ein Teil des Verkehrs abermals vorübergehend durch Bolheim rollte, während in Richtung Norden der neue Wirtschaftsweg auf der Ostseite der Bundesstraße als Ausweichroute zur Verfügung stand.

Links und rechts hat sich viel getan

Binnen vier Monaten wurde die B 19 nun zwischen dem Herbrechtinger Ortseingang und dem Kreisverkehr am südlichen Ende Mergelstettens auf Vordermann gebracht. Beidseits der Fahrbahn verschwanden die kombinierten Geh- und Radwege, Entwässerung und Asphaltbelag wurden erneuert, die gefahrenträchtigen Abzweige zu den am Hang gelegenen Wochenendgrundstücken beseitigt. Die Zufahrt erfolgt künftig über den Begleitweg, der Fußgängern, Radfahrern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen gleichermaßen zur Verfügung steht.

Als eine der letzten Arbeiten erfolgte in den vergangenen Tagen neben der Fahrbahnmarkierung die Montage der Leitplanken – im korrekten Amtsdeutsch als Stahlschutzplanken bezeichnet. Mit kritischen Stimmen konfrontiert, die mit den durchgängigen Planken auf beiden Seiten die Gefahr verbunden sehen, bei einem Unfall könne ein Fahrzeug in den Gegenverkehr schleudern, verweist Robert Hamm, Pressesprecher des Regierungspräsidiums, darauf, es werde die Richtlinie für passive Schutzeinrichtungen umgesetzt.

Den geltenden Vorschriften zufolge seien solche Planken mittlerweile Standard. „Die Gefahr geht nicht von den Leitplanken aus“, so Hamm. Vielmehr schützten sie weitaus öfter, als dass an ihr abgewiesene Fahrzeuge Unfälle verursachten. Abgestimmt sei ihre Verwendung auch mit Einsatzkräften: „Den Rat der Feuerwehr schätzen wir sehr.“

Hamm nennt als weiteres Argument, dass Leitplanken eine sogenannte Wirkungslänge bräuchten. Um ein Fahrzeug vor dem Sturz in einen Graben zu bewahren, müssten sie über eine längere Strecke im Boden verankert sein. Im Falle der B 19 wären deshalb nur sehr wenige kurze Lücken ohne Planken möglich. Deshalb würden sie gleich auf ganzer Länge angebracht.

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