Dettingen Aus Seefracht-Containern: Häusle bauen mal anders

Dettingen / Christine Weinschenk 13.05.2018
In der Dorfmitte von Dettingen entsteht ein unkonventionelles Doppelhaus – gebaut aus ausgemusterten Seefracht-Containern.

Es ist eine ungewöhnliche Baustelle. Ziegelsteine sucht man vergeblich und auch keine Betonmischmaschine röhrt monoton vor sich hin. Stattdessen stehen auf dem hinteren Teil des Nusser-Areals Seefracht-Container – aufeinander und nebeneinander gestapelt.

Die Bauherren sind Designer Nico Hensel und Bauingenieur Thomas Kramer. „Ich habe mich schon immer für Architektur interessiert“, sagt der 41-jährige Hensel. „Wir ergänzen uns in Sachen Technik und Gestaltung.“ Mit Containern haben die beiden bereits Erfahrung, auch das Backhaus für die Dorfgemeinschaft wurde so gebaut.

Raum-Container nutzt man hierzulande für gewöhnlich als vorübergehende Ausweichquartiere für sanierungsbedürftige Schulen oder Kindergärten. In Dettingen soll stattdessen dauerhaftes Wohnen in Form eines Doppelhauses entstehen. Zehn ausgemusterte Container wurden dafür zu einem zweistöckigen Gebäude aufgetürmt. Darunter acht 40-Fuß-Container und zwei 20-Fuß-Container. Ein 40-Fuß-Container hat eine Grundfläche von etwa 24 Quadratmetern und ist knapp 2,7 Meter hoch.

Flexibel stapelbar und günstig

Die Vorteile der Fracht-Container liegen auf der Hand: Sie sind individuell stapelbar, was die Hausgestaltung für Bauherren überaus flexibel macht – und sie sind günstig. Gefertigt in China, New Jersey oder auf den Bermudas sind sie gebraucht für rund 2000 Euro das Stück zu bekommen.

Einziehen kann man in den nackten Container zwar noch lange nicht, aber Container-Häuser werden auf Online-Plattformen für Bauen und Wohnen als günstige Alternative zum gemauerten Haus angepriesen. Hensel bestätigt: Wirtschaftlich sei diese Bauweise sehr attraktiv gegenüber einem Massivbau.

Kürzere Bauzeit

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: die kürzere Bauzeit. „Der Rohbau steht innerhalb von sechs Stunden“, sagt Nico Hensel. Auf dem Nusser-Areal haben die Arbeiten im Oktober vergangenen Jahres begonnen. „Wir könnten schon fertig sein, wenn wir nicht alles selber machen würden.“ Derzeit sind die Bauherren dabei, mit dem Plasmaschneider Fenster und Türen in die Container zu schneiden.

Stahlblech ist nun nicht unbedingt dafür bekannt, besonders atmungsaktiv zu sein. Wie sieht es mit der Schimmelgefahr aus? „Wir haben eigens für das Haus ein Lüftungssystem entwickelt“, sagt der Dettinger Hensel. Mit Schimmel sei daher nicht zu rechnen. Und in puncto Dämmung würde man die gesetzlichen Mindestanforderungen deutlich unterschreiten. Installiert wird noch eine Deckenheizung, die über eine Luft-Wärme-Pumpe betrieben wird, und im Sommer auch zur Kühlung der Räume genutzt werden kann.

Ein außergewöhnliches Haus

Kostengünstig bauen ist indes nicht das vorrangige Ziel von Hensel und Kramer. Es soll etwas Besonderes werden – innen und außen. So wird die Küche aus Holzplatten, die eigentlich in der Industrieverpackung Verwendung finden, gebaut. Und bei der Außenverkleidung des ersten Stocks kommt verkohltes Holz zum Einsatz. Bearbeitet nach einer alten japanischen Brenntechnik genannt „Shou Sugi Ban“, mit der man Holz auf natürliche Weise konserviert. „Eine Hommage an die Weltreisen unserer Container“ sagt Hensel. „Das Haus wird in jeglicher Hinsicht etwas Außergewöhnliches.“

Im August soll das Doppelhaus für Mieter bereitstehen. Und damit sich andere Interessierte ein Bild machen können, ist vor dem Bezug ein Tag der offenen Tür geplant.

Was entsteht noch auf dem Areal?

Das Doppelhaus aus den ausgemusterten Seefracht-Containern wird zweistöckig – jede Haushälfte wird vier Zimmer und 125 Quadratmeter umfassen. Daneben entstehen noch zwei weitere Gebäude – diese jedoch in klassischer Ziegelbauweise. Im vorderen Teil des Nusser-Areals hin zur Langen Straße werden zwei Doppelhaushälften gebaut. Oberhalb davon entsteht ein Vier-Familien-Haus, das sich auf drei Etagen erstrecken wird. Die Bauarbeiten sollen noch 2018 beginnen.