Aus Gas von Nattheimer Mülldeponie wird Strom erzeugt

Der „Müllberg“ in Nattheim wandelt sich unaufhaltsam zum „Energieberg“. Die Photovoltaik ist schon großflächig präsent und bald wird ein kleines Blockheizkraftwerk hinzukommen, mit dem der Landkreis wieder in die Deponiegasnutzung einsteigen will.
Der „Müllberg“ in Nattheim wandelt sich unaufhaltsam zum „Energieberg“. Die Photovoltaik ist schon großflächig präsent und bald wird ein kleines Blockheizkraftwerk hinzukommen, mit dem der Landkreis wieder in die Deponiegasnutzung einsteigen will. © Foto: Geyer-Luftbild
günter trittner 22.03.2012
Man hat auf der Deponie geprüft, analysiert und sich auch im nahen Umfeld bei Experten für Biogasanlagen umgehört - jetzt will man in Nattheim Strom erzeugen.

Dem Vorschlag der Verwaltung folgte der Ausschuss nicht nur einstimmig, sondern auch mit viel Lob. Denn das avisierte BHKW mit Gas-Otto-Motor nützt nicht nur das Methangas zur Gewinnung von Strom und Wärme, es wirft dabei auch einen jährlichen Erlös von 25 000 bis 30 000 Euro ab. Und dies bei einem Anschaffungspreis von 50 000 Euro und jährlichen Betriebskosten von 5000 Euro. Über einen Zeitraum von fünf Jahren rechnete Ilg mit einem Kapital- und Betriebskostendeckungsgrad von 185 Prozent. Und fünf Jahre sollte der Methangehalt des Deponiegases im verwertbaren Bereich bleiben. „Wenn wir Glück haben, dann sogar etwas länger“, meinte Ilg.

Seit 1991 steht eine Gasfackel auf der Kreismülldeponie. Acht Jahre wurde das ausströmende Gas über diese umweltverträglich verbrannt. 1999 schloss dann der Kreisabfallwirtschaftsbetrieb einen Vertrag mit der Firma Grauel und Werth, die über einen 160-kW-Gasmotor das Gas verstromte. Ende 2010 kündigte das in Mayen ansässige Unternehmen den Vertrag, da der Methanwert für den Motor zu stark abgesunken war.

Der Kreisabfallwirtschaftbetrieb hat sich nun für sein BHKW für einen 40-kW-Motor entschieden. „Mehr Leistung geht nicht“, so Ilg, bei den derzeit stündlich geförderten 30 Kubikmeter Gas. Freilich werden solche kleinen Anlagen selten gebaut.

Grünen-Kreisrat Rainer Gansloser und als Landwirt Pionier im Betrieb von Biogasanlagen hatte schließlich einen Hinweis auf einen Hersteller geben können, welcher BHKW mit solch kleinen Motoren anbietet. Eingekauft wird nun bei T & S Ruhland in Dresden. Dieses Unternehmen bietet zudem eine spätere Umrüstung auf ein Zündstrahl-BHKW an, das auch mit Methananteilen unter 33 Prozent noch Strom und Wärme erzeugen kann. Da der Sohn von Rainer Gansloser für die Dresdner Firma die Wartung ihrer Anlagen in der Region und damit auch an der Deponie übernimmt, durfte der Kreisrat als befangen im Abfallwirtschaftsausschuss nicht abstimmen.

SPD-Kreisrat Willi Häfele sprach von einer „guten Sache“ und hatte flugs nachgerechnet, dass so 960 Kilowattstunden Strom jeden Tag aus der Deponie erzeugt werden können. Über eine Nutzung der Wärme will man beim Kreisabfallwirtschaftsbetrieb erst in einem zweiten Schritt nachdenken. In Frage käme eine Nahversorgung von Betriebsgebäude und Werkstatt. Grünen-Kreistag Michael Sautter bündelte seine Zustimmung in dem Wort „super“.

Franz Heger (CDU) fragte sich „positiv verwundert“, wie es zu dieser Wende gekommen sei. Vor einem Jahr sei doch die Tendenz dahin gegangen, das Gas überhaupt nicht mehr zu verwerten. Nun zeige sich, dass dies doch ein gutes Geschäft sei. Franz Bareth, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, erläuterte, dass man diese Zeit gebraucht habe, um mit der im Mai letzten Jahres in Betrieb gegangenen Lambda-Anlage das Gas nicht nur zu verbrennen, sondern auch zu analysieren. Damit habe man nun sichere Prognosen auf eine Verwertbarkeit treffen können. Die beschaffte Anlage bleibe weiter nötig für den Betrieb des BHKW. Laut Bareth könnte das BHKW bereits im Mai dieses Jahres in Betrieb gehen.