Kita Aus für die Herbrechtinger "Tiger"-Gruppe

Dank vieler Spenden und vielem ehrenamtlichen Engagements ist die Tiger-Gruppe an der Langen Straße ittlerweile gut ausgestattet. Die Stadt zieht sich aber jetzt aus der Finanzierung zurück.
Dank vieler Spenden und vielem ehrenamtlichen Engagements ist die Tiger-Gruppe an der Langen Straße ittlerweile gut ausgestattet. Die Stadt zieht sich aber jetzt aus der Finanzierung zurück. © Foto: Archiv/Balzer
Herbrechtingen / Günter Trittner 30.09.2016
Der Tiger ist gestorben. Der Gemeinderat will die gleichnamige Kinderbetreuung nicht länger finanzieren.

Für Anita Miller war es eine bittere Stunde. Nur ein einiger Stadtrat von 17 wollte am Donnerstagabend bei der Sitzung des Gemeinderats der Tiger-Gruppe eine zweite Chance geben. Damit in Herbrechtingen auch eine Kinderbetreuung zu Randzeiten möglich wird, hatte vor gut einem Jahr die Vorsitzende der Familien- und Kommunikationszentrums an der Langen Straße eine Wohnung angemietet. Hier sollten Tagesmütter sich morgens und abends sich um die Kinder kümmern, untertags hätten die Räumlichkeiten als generationenübergreifender Treffpunkt genutzt werden können. Miller hatte da viele Ideen.

Nicht ganz so überzeugt war damals schon der Gemeinderat. Miller musste zweimal vor das Gremium treten bis dieses schließlich am 24. September 2015 bereit war, monatlich 500 Euro Miete, 200 Euro Nebenkosten und 100 Euro Sachkosten ab Oktober für die Tagesbetreuung in dafür geeigneten Räumen (abgekürzt Tiger) zu tragen.

Was darauf folgte, war eine lange Pause. Die Wohnung musste ausgestattet, eine aufwendigen Fluchttreppe über das Dach aufgrund des vorbeugenden Brandschutz installiert und die Pflegegenehmigung beim Landratsamt eingeholt werden. Dass diese erst am 26. Juni dieses Jahres erteilt wurde, führte Miller vor dem Gemeinderat auf das „einmalige Modell“ für diese Gruppe zurück, für die nicht die Tagesmütter selbst Träger sind, sondern der Verein des Familienzentrums. „Jetzt können wir in die Werbung gehen“ versuchte Miller das Gremium optimistisch stimmen, aktuell seien fünf Kinder bei zwei Tagesmüttern in Betreuung. Doch die Stadträte in ihrer überwiegenden Mehrheit sah keine Zukunft für den Verein mehr.

Stadtrat Michael Wiedemann hatte nicht nur Zweifel an einer Wende zum Positiven, er hatte auch in der Vergangenheit einen wunden Punkt ausgemacht. Für April und Mai waren wie aus der Sachkostenrechnung ersichtlich, in der Wohnung an der Langen Straße zwei Kinder betreut worden. „Das war illegal“, räumte Miller ein, die aber nur aufgrund einer Notlage hier sozusagen als „Oma“ ausgeholfen hätte. „Wir haben also Geld für Illegales bezahlt“, schüttelte Wiedenmann (Freie Wähler) den Kopf.

CDU-Stadtrat Robert Smejkal stieß sich an der geringen Auslastung der Gruppe. „Wir zahlen 700 Euro im Monat für eine Stunde Betreuung.“ Miller hielt dagegen, dass ein Ausbau der Horte in der Stadt Herbrechtingen, damit hier Kinder in den frühen Morgenstunden und auch noch nach 17 Uhr untergebracht werden können, noch viel teurer komme.

Martin Müller, Sprecher der Freien Wähler, attestierte dass die Stadt über viele Monate Geld einfach hinausgeworfen habe. „Wir haben bezahlt ohne dass überhaupt etwas stattgefunden hat.“ Auch jetzt zeige sich, das die Gruppe nicht der große Run ist. Renate Reiss (Freie Wähler), welche als Leiterin des Kinderzentrums guten Einblick in den Bereich der Kinderbetreuung hat, konnte diese Gruppe dort „nicht sehen“. Wer Bedarf an einer Tagesmutter hat, könne sich auch direkt an deren Verein wenden und sich eine vermitteln lassen. „Da braucht es keinen extra Raum.“

Dieter Mathes (CDU) verlangte eine geheime Abstimmung. Zwar waren einige Stimmen „braucht es nicht“ zu hören, doch der gestellte Antrag ging durch. Im Schutz der Anonymität stimmten 13 Räte gegen eine Fortsetzung der Finanzierung für ein weiteres Jahr, drei enthielten sich der Stimme und nur eine vom Volk gewählte Person hätte Anita Miller weiterhin ihr Vertrauen geschenkt.

Da der Tiger der letzte Punkt auf der Tagesordnung war und die Entscheidung erst gegen 20.30 Uhr fiel, waren einige Mitglieder es Rats schon nicht mehr anwesend. „Der Tiger ist gestorben“ resümierte Bürgermeister Dr. Bernd Sipple. Da die erste Finanzierungszusage des Gemeinderats auf ein Jahr befristet war, erhält der Verein ab sofort keine Zuwendungen für die Tiger-Gruppe mehr.