Vogelherd Auftakt nach Maß für den Archäopark

Stetten ob Lontal / KLAUS DAMMANN 01.05.2013
Die Punktlandung ist geglückt: Einen Auftakt nach Maß gab es am Dienstag und Mittwoch für den Archäopark Vogelherd. Die Wissenschaft und Unterhaltung geschickt verbindende Einrichtung ist nun fürs Publikum offen.
„Wir sind überwältigt vom Andrang und Zuspruch“, sagte am Mittwoch kurz vor Parkschluss um 18 Uhr der Niederstotzinger Hauptamtsleiter Daniel Salemi. „Es gab auch viele positive Rückmeldungen.“ Rund 1300 zahlende Besucher hatten sich am 1. Mai – dem ersten Öffnungstag – in den Archäopark begeben, um sich ein Bild von der neuen Anlage im Lonetal zu machen, die vielfältigen Angebote auf dem Freigelände zu nutzen und die beiden originalen, über 35 000 Jahre alten Eiszeit-Kunstwerke Mammut und Höhlenlöwe zu bewundern. Hinzu kamen zahlreiche Zaungäste und viele Besucher der auch als Außenbewirtschaftung ausgerichteten Cafeteria des Archäoparks.



Tags zuvor schon hatten rund 220 geladene Ehrengäste aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft Gelegenheit, die Einrichtung im Rahmen der offiziellen Einweihung zu erleben. Um wettermäßig auf der sicheren Seite zu sein, hatte die Stadt Niederstotzingen ein Zelt aufgebaut, doch es blieb trocken. So konnte die Feierstunde im Freien vor dem verglasten Besucherzentrum stattfinden.

Auf den in den Boden eingelassenen Sitzstufen des runden Atriums verfolgten die Gäste die ökumenische Segnung des Parks durch den evangelischen Pfarrer Martin Weinzierl und seinen katholischen Kollegen, Dekan Dr. Sven van Meegen. Beide betonten mit Hinweis auf den sensationellen Fund der Mammutfigur, dass es hier um einen „unvergleichlichen Schatz“ gehe, der zeige, dass „ein Fund alles verändern kann“. Es gelte dieses „Kulturgut ohne Vergleich“ den Menschen nahezubringen.

Bürgermeister Gerhard Kieninger, dem die Freude über das mit viel Anstrengung zum Wunschtermin gelungene Werk anzusehen war, erinnerte daran, dass seit der Entdeckung der Vogelherdhöhle 80 Jahre vergangen sind. Schon damals habe der Bürgermeister von Stetten versucht, die Vogelherd-Funde vor Ort ausstellen zu können – ohne Erfolg.

Kieninger würdigte, dass der Weg für den Archäopark und die Präsentation von Originalfunden durch die vorige Landesregierung von Ministerpräsident Oettinger und das Engagement des Landtagsabgeordneten Bernd Hitzler geebnet worden sei. Weiter hob er die regionale und überregionale Begleitung des ambitionierten Vorhabens sowie den umgesetzten Willen von Stadt, Gemeinderat und Bürgern hervor. Auch die bewegten Zeiten des Projektstopps Anfang 2011 blieben nicht unerwähnt.

Dem ehrenamtlichen Engagement der Bürger, das bislang 2000 Arbeitsstunden umfasse, galt sein Dank ebenso wie den vielen finanziellen Unterstützern. Als „Gallionsfiguren“ erwähnte der Schultes das Ehepaar Dr. Michael und Gabriele Rogowski. Eine besondere Würdigung ließ Kieninger dem Vorsitzenden des Fördervereins Eiszeitkunst im Lonetal und ehemaligen Heidenheimer Landrat, Hermann Mader, zukommen: „Ohne dein Herz für dieses Thema wäre das Projekt nicht umgesetzt worden.“

Von einem „absoluten Freuden- und Ehrentag“ sprach Kultusminister Andreas Stoch, der die Glückwünsche der Landesregierung überbrachte. Der Archäopark „wäre so nicht entstanden, wenn wir nicht alle zusammengehalten hätten“. Die Funde „machen uns zur bedeutendsten kulturgeschichtlichen Region Europas“.  Hier sei ein spannendes Erlebniskonzept realisiert worden.

Landtagsabgeordneter Bernd Hitzler erwähnte ebenfalls den „Kampf um die Originale“. Der Erfolg habe viele Väter. Der damalige Landrat Mader habe alle „infiziert“ mit seiner Begeisterung für das Thema. Mittlerweile sei der Tourismus auch in Heidenheim ein Standbein.

Prof. Nicholas Conard, wissenschaftlicher Leiter des Archäoparks und Leiter der so erfolgreichen archäologischen Nachgrabungen am Vogelherd, betonte, dass es sich beim Besuch der neuen Einrichtung um eine „Zeitreise“ in die menschliche Vergangenheit handele. Der Park stehe nicht nur für Entertainment, sondern er selbst empfinde hier auch einen „Bildungsauftrag“. Aus den Höhlen des Lone- und des Achtals stammten mit den Kunstwerken und den ebenfalls gefundenen Steinzeitflöten die ältesten Belege des modernen Menschen. Hier gehe es nicht um Heimatkunde, sondern um für die ganze Welt entscheidende Entwicklungen. Zu sehen seien tolle Funde und ein wunderschöner Archäopark.

Anschließend konnten die Gäste sich allein oder mit Führungen aufmachen durch das weitläufige Gelände des Archäoparks – immer rechtsläufig dem nach dem Entdecker der Vogelherdhöhle Hermann Mohn benannten Rundweg folgend. An den einzelnen Stationen war Gelegenheit, sich zu informieren oder auch selbst aktiv zu werden, zum Beispiel als Speerwerfer auf der Jagd. Mit allen Sinnen – sehen, hören, fühlen, riechen – war der Park zu erleben. Und mit Pferdesteak und Pferdewurst war auch für das geschmackliche Eiszeit-Nahrungserlebnis gesorgt.
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