Herbrechtingen / Elena Kretschmer Am Montag konnten sich auch die Menschen in der vollbesetzten alten Turnhalle in Bolheim ein Bild von den neun Kandidaten machen.

Ein kleines Schmunzeln konnte sich am Montagabend in der prall gefüllten alten Bolheimer Turnhalle keiner so recht verkneifen, als Kandidat Ralf Walter kund tat, dass er gebürtiger Herbrechtinger seit seiner Kindheit sei.

Aber spätestens dann war das Eis gebrochen. Zuvor hatten sich bereits Andreas Koptisch, Beate Häring, Dennis Picknik, Florian Sapper, Uwe Schmidt, Helmut Rein und Annette Rabausch den 300 Zuschauern vorgestellt.

Nach Walter folgte noch Daniel Vogt, der die Zuschauer mit den Worten des ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel animierte: „Schauet Se sich die Kandidade gut a, und wenn Ihne koiner so recht gfällt, na wählet Se mi.“

Bei der Entscheidungsfindung sollte auch in Runde zwei in Bolheim eine Fragerunde helfen. Dabei waren unter den insgesamt zwölf Fragen teilweise ähnliche wie schon bei der ersten offiziellen Kandidatenvorstellung am Freitag in Herbrechtingen. Teilweise waren es aber auch konkret auf den Teilort gemünzte Anliegen.

Zu viel Verkehr

So ging es beispielsweise um den übermäßigen Verkehr auf der Heidenheimer und der Zoeppritz Straße, die fehlende Verkehrsüberwachung sowie unzureichende Über- und Radwege. Einig waren sich alle Kandidaten, dass man in diesen Belangen ohne das Landratsamt kaum weiterkommen wird, da es sich um eine Landesstraße handelt. Als vorübergehende Lösung schlug Walter vor, Schülerlotsen als Querungshilfe einzusetzen. Vogt verwies auf den vorliegenden Lärmaktionsplan und eine potenziell vorhandene Gefahrenlage, durch die ein Verfahren unter Umständen beschleunigt werden könnte. Häring mahnte als Radfahrerin zur Umsicht bis das Problem gelöst ist. Wenn es um nachhaltige Finanzplanung geht, muss man laut Rein zunächst hinterfragen, „wo das ganze Geld hingeht“, ob manche Projekte in der Vergangenheit vielleicht zu groß geraten sind und in was künftig investiert wird. Rabausch betonte, dass es schlichtweg darum ginge, richtig und effizient zu haushalten. Koptisch pochte darauf, dass zur Nachhaltigkeit auch notwendige Investitionen gehören, beispielsweise in die Sanierung von Kindergärten.

Einigkeit herrschte indes darüber, dass über wirtschaftlichem und verwaltungstechnischem Wissen ganz klar die Persönlichkeit eines Menschen steht. Zudem wurde deutlich, dass alle Kandidaten den Wahlkampf aus eigener Tasche bezahlen. „Deshalb fällt er bei mir auch kleiner aus als bei anderen“, scherzte Schmidt. Ebenso ist es allen ein großes Anliegen, ein vielfältiges Angebot an bezahlbarem Wohnraum zu schaffen. Viele schlugen vor, brach liegende Flächen dafür zu nutzen. Anregungen gab es auch zum Punkt Ehrenamt: Neben finanzieller Förderung wurden Kooperationen mit Schulen und auch der Verwaltung selbst genannt.

Immer für die Bürger da

Gleichzeitig versprachen alle neun, trotz künftig vollen Terminkalenders immer Zeit für eine Bürgersprechstunde einzuräumen und stets ansprechbar zu bleiben – sei es im Rathaus, beim Einkaufen oder über Whatsapp. Sogar bei ihren Schwächen waren sich fast alle einig: sie sind ungeduldig. Lediglich Rabausch nannte ihre direkte Art und Schmidt das Reden.

Eine praktikable Lösung für die „Höhle“ Buigen Center, wie Koptisch und Picknik es nannten, hatte keiner. Zunächst müssten die verworrenen Eigentumsverhältnisse geklärt werden, erst dann könne man handeln, so der Tenor. Vogt riet zu einer Ideenwerkstatt rund um altersgerechtes Wohnen. Auch für die „Betonwüste“ Rathausvorplatz – ebenfalls Koptischs Worte – fielen die Vorschläge eher spartanisch aus: Stolperfallen beseitigen, Gastronomie ausbauen, vielleicht einige Spielgeräte anbringen.

Um die Einnahmeseite im Haushalt zukunftsfest zu machen, sagten alle die Unterstützung der Gewerbetreibenden zu. Sapper brachte vor: „Wir müssen uns überlegen, welche Branchen in Zukunft interessant sind und darauf setzen.“