Gundremmingen Rückbau im AKW: Was bleibt? Was wird anders?

Seit Mai 2017 wurden zehn Castor-Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Lagerbecken der Blöcke B und C des Gundremminger Atomkraftwerks ins Zwischenlager gebracht. Aktuell sind damit 58 der 192 genehmigten Stellplätze belegt.
Seit Mai 2017 wurden zehn Castor-Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Lagerbecken der Blöcke B und C des Gundremminger Atomkraftwerks ins Zwischenlager gebracht. Aktuell sind damit 58 der 192 genehmigten Stellplätze belegt. © Foto: Catrin Weykopf/Archiv
Gundremmingen / Laura Strahl 14.04.2018
Die Genehmigung für den Rückbau des abgeschalteten Block B steht weiterhin aus. Um die Wartezeit zu nutzen, beginnen die Mitarbeiter mit vorbereitenden Arbeiten.

Die größte Veränderung des vergangenen Jahres lässt sich auch von Weitem nicht übersehen: Seit dem 31. Dezember 2017 dampft nur noch einer der beiden Kühltürme des Gundremminger Atomkraftwerks (AKW) . Block B ist nach 33 Jahren vom Netz genommen. Die atomrechtliche Genehmigung zum Rückbau des Reaktors liegt allerdings – wider Erwarten – noch immer nicht vor.

Über den Grund für die lange andauernde Prüfung der beim Bayerischen Umweltministerium eingereichten Unterlagen, sei nichts bekannt, ließ Dr. Heiko Ringel, seit Anfang des Jahres technischer Geschäftsführer des AKW, jetzt beim Jahrespressegespräch wissen. Der Antrag, so die Auskunft vom Ministerium, werde gemeinsam mit dem Tüv Süd als Gutachter noch bearbeitet.

Die Arbeitsplanung im Kraftwerk, das bestätigte Ringel, wird durch die ausbleibende Genehmigung sehr wohl durcheinander gebracht. „Wir haben das größte Projekt an diesem Standort vor der Brust“, so Ringel. Tatsächlich damit anfangen können die Mitarbeiter aber nicht. Stattdessen werden seit der Abschaltung von Block B andere Arbeiten vorgezogen, für die keine Genehmigung benötigt wird.

„Wir müssen ein bisschen umshiften“, sagte Ringel. So ist inzwischen etwa der Wasserstoff entfernt worden, der bislang zur Kühlung des Generators eingesetzt wurde. Außerdem wurden Abschirm- und Setzsteinwände aus dem Maschinenhaus entfernt (kleines Foto), die seit der Abschaltung keine Funktion mehr erfüllen.

In Kürze steht laut Geschäftsführer Ringel zudem die Entfernung der Isolierung an, außerdem wird man sich um den Maschinenpark kümmern, der für den Abbau benötigt wird. Untätig warten müssen die derzeit 560 Mitarbeiter des Gundremminger Werks also trotz fehlender Genehmigung nicht.

Dafür sorgt neben dem weiterhin laufenden Block C nicht zuletzt auch die Entladung des Reaktorkerns in Block B. Mit letzterer Aufgabe waren die Mitarbeiter von Mitte bis Ende März beschäftigt: Alle 784 Brennelemente wurden inzwischen aus dem Reaktordruckbehälter ins Abklingbecken gesetzt, wo sie gekühlt, später in Castor-Behälter geladen und ins Zwischenlager am Standort transportiert werden.

Insgesamt sind dorthin seit Mai 2017 zehn Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Lagerbecken der Blöcke B und C gebracht worden. Heißt: 58 der 192 genehmigten Stellplätze sind nun belegt.

Dass die Kraftwerksleitung bzw. dessen Betreiber RWE nur noch bis Ende des Jahres für das Zwischenlager zuständig ist, hat laut kaufmännischer Geschäftsführerin Gabriele Strehlau bis dato keine Auswirkungen auf den Arbeitsalltag.

Bis zur Übernahme durch die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) am 1. Januar 2019 entwickle man Konzepte, wie „der Betrieb im Kraftwerk künftig räumlich und personell getrennt vom Zwischenlager ablaufen soll“. So habe die BGZ bereits Interesse an der Übernahme von maximal 14 Mitarbeitern signalisiert.

Mehr Strahenschutzpersonal

Im Kraftwerk selbst hat sich die Abschaltung von Block B bereits auf die Zahl der Beschäftigten ausgewirkt. Von 611 im Vorjahr sind aktuell noch 560 Mitarbeiter geblieben. Und für die gilt: „Die Arbeiten werden sich verändern“, so Strehlau, sprich einige Aufgaben wegfallen, andere häufiger vorkommen. Durch Schulungen und Seminare versuche man bereits jetzt, die Mitarbeiter auf ihre neuen Aufgaben vorzubereiten. So werde in Zukunft zum Beispiel vermehrt Strahlenschutzpersonal benötigt.

Insgesamt keine leichte Situation, gab Strehlau zu: „Seinen eigenen Arbeitsplatz, an dem man über Jahre oder Jahrzehnte mit größter Sorgfalt tätig war, eigenhändig zu zerlegen, ist dennoch erstmal eine Veränderung, die es anzunehmen gilt.“

Dennoch müsse man sich daran gewöhnen, dass es seit Anfang des Jahres nicht mehr nur um die Produktion von Strom geht. „Das Thema Rückbau ist jetzt Realität.“ Und dazu gehöre auch, dass die Demontage einer Anlage weniger Personal erfordert, als rund um die Uhr Strom zu erzeugen. Jedoch sei man zuversichtlich. Alle Mitarbeiter zeigten sich weiterhin hochmotiviert.

Defektes Element in Block C? Ausbildung in 2019? Gaswerk auf dem Gelände?

Bilanz: Die Blöcke B und C haben 2017 insgesamt 19,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Das waren rund 200 Millionen Kilowattstunden mehr als im Vorjahr.

Block C: Von Mitte April bis Mitte Mai steht eine Revision mit Brennelementewechsel an. Hierfür wird die Anlage bereits kommende Woche heruntergefahren. Mit Hilfe von mehreren Hundert Mitarbeitern von Partnerfirmen werden dann auch 48 Brennelemente eines neuen Typs eingesetzt. Außerdem werden alle 784 Elemente im Reaktorkern überprüft. Kosten: 15 Millionen Euro.

Defekt: Im Reaktorkern von Block C ist seit 2012 ein Brennelement im Einsatz, das fehlerhaft sein könnte. Wie Geschäftsführer Heiko Ringel erläuterte, weisen Messwerte auf einen Defekt hin. Ein Sicherheitsrisiko bestehe allerdings nicht, die Anlage sei technisch auch auf einen Betrieb mit Brennelementdefekten ausgelegt. Das betreffende Element gehört zu einer Charge des französischen Herstellers Areva, der Ende 2017 darüber informierte, dass es bei der Herstellung einzelner Brennstäbe zu Abweichungen in der Qualitätssicherung gekommen sei. Es handle sich dabei allerdings nicht um ein Ausschussteil, so Ringel, lediglich um minimale Abweichungen von der Norm. Reinge: „Es spricht nichts dagegen, den Brennstab drinzulassen.“ Allerdings könnte es sein, dass er im Verlauf der Revision dennoch herausgenommen wird.

Reststrommenge: Block C darf laut Atomgesetz noch bis Ende 2021 Strom produzieren – allerdings nur dann, wenn er über ein ausreichend großes Stromkontingent verfügt. Um dies zu gewährleisten, wurde beim Bundesamt für Kerntechnische Entsorgungssicherheit Mitte Januar 2018 beantragt, Elektrizitätsmengen in Höhe von 31 Terawattstunden vom RWE-Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich auf Block C in Gundremmingen zu übertragen. Eine weitere Terawattstunde soll vom Werk Unterweser kommen. Mit dieser Menge, so Ringel, kann Block C bis Ende 2020 betrieben werden. Weitere Mengen für das letzte Jahr sollen noch übertragen werden.

Mitarbeiter: Derzeit werden im Kernkraftwerk 560 Mitarbeiter beschäftigt. Diese Zahl wird wohl bis zur Abschaltung von Block C Ende 2021 nahezu konstant bleiben. Dann aber wird sie weiter sinken. Die Größenordnung ist allerdings noch unklar: Bis zur Jahresmitte will man genau wissen, wie viele Mitarbeiter mit welchen Qualifikationen nach der Abschaltung von Block C (Ende 2021) benötigt werden, so die Info von Gabriele Strehlau.

Ausbildung: 2017 sind im Kernkraftwerk sieben junge Leute ins Arbeitsleben gestartet, im September 2018 sollen sechs weitere folgen. Ob auch 2019 noch einmal Ausbildungsplätze angeboten werden, steht derzeit noch nicht fest. Insgesamt beschäftigt das Werk derzeit 22 Azubis in drei Berufen: Industriemechaniker, Elektroniker in Betriebstechnik, Koch).

Zukunft: Die Kraftwerksleitung bzw. RWE verfolgt weiterhin das Ziel, nach der Abschaltung ein Gasturbinenkraftwerk am Standort zu errichten. Ein entsprechender Bebauungsplan ist bereits seit August 2016 genehmigt. Sobald die Ausschreibung des Übertragungsnetzbetreibers Amprion vorliegt, will man sich beteiligen. Lage und Infrastruktur für ein Gasturbinenkraftwerk hält man für optimal. Mit der Ausschreibung rechnet man noch im April.

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