Finanzen Archäopark war teurer als geplant

Nahezu vollständig abgerechnet sind bei der Stadt mittlerweile die einzelnen Teilaufgaben, die im Zusammenhang mit dem Archäopark Vogelherd stehen. Bei der Wanderausstellung Eiszeitkunst fehlt noch ein Zuschussbescheid.
Nahezu vollständig abgerechnet sind bei der Stadt mittlerweile die einzelnen Teilaufgaben, die im Zusammenhang mit dem Archäopark Vogelherd stehen. Bei der Wanderausstellung Eiszeitkunst fehlt noch ein Zuschussbescheid. © Foto: Foto: Joachim Bozler
Niederstotzingen / KLAUS DAMMANN 29.11.2015
Der Archäopark Vogelherd gehört zu den meistdiskutierten Einrichtungen der Stadt – nicht zuletzt wegen der Kostenfrage. Im Gemeinderat wurden jetzt die Abrechnungen für die einzelnen Bereiche des Projekts vorgelegt: Gegenüber den ersten Planungen aus dem Jahr 2006 sind die Kosten deutlich gestiegen.

Im Einzelnen stellte Bürgermeister Gerhard Kieninger die Abrechnungen für die Leader-Projekte Gebäude und Caféteria, Outdoor, Wanderausstellung Eiszeitkunst, Mehrgenerationenpark und Wanderparkplatz Lonetal sowie für die Erschließung vor. Lediglich in Bezug auf die Wanderausstellung müsse er noch eine Einschränkung machen, da hier die Zuschussentscheidung ausstehe. In allen anderen Fällen liege alles einschließlich Zuschüssen vor. Vorgenommen seien auch Fachprüfungen in allen Bereichen. Eine weitere Prüfung erfolge noch im ersten Quartal 2016 durch die Gemeindeprüfungsanstalt.

Zum Teil Gebäude und Caféteria sagte Kieninger, dass die Stadt in dieses Leader-Leitprojekt 2006 eingestiegen sei. Damals habe man zuwendungsfähige Kosten von 996 941 Euro bei einem Zuschuss aus dem Leader-Förderprogramm von 747 000 Euro für das Gebäude und einem Zuschuss für die Caféteria von 38 240 Euro ermittelt. Zum Baubeginn 2012 erfolgte eine Kostenberechnung, die netto 1,571 Millionen Euro auswies. Die Abrechnung verzeichne nun netto 1,721 Millionen Euro – somit Mehrkosten von rund 150 000 Euro. Dies sei im Wesentlichen durch die Nebenkostenrechnung bedingt, so Kieninger. Insgesamt gebe es in der Abrechnung Positionen mit Kostenunter- und -überschreitungen sowie solche ohne Ansätze.

Stadtrat Theodor Feil erinnerte daran, dass das Vorhaben als Leader-Leitprojekt mit einem Zuschuss von 75 bis 80 Prozent gestartet sei. In Bezug auf die zuwendungsfähigen Kosten sei dies auch eingetreten. Betrachte man aber die tatsächlichen Kosten, so liege der Zuschuss nur bei 45,6 Prozent. Der Rest verbleibe als Finanzaufwand bei der Stadt. Es handele sich natürlich um einen langen Zeitraum von 2006 an, deutlich sei jedoch, dass man durch den Zuschussantrag bei den Kosten festgelegt sei.

Als „schwierig“ beurteilte der Schultes die Situation, da es einst eine Kosten-Obergrenze von einer Million Euro gegeben habe. Der Archäopark Vogelherd habe die Leader-Maximalförderung bekommen. Manche Aufgaben, die bei der Umsetzung hinzukamen, seien nicht vorhersehbar gewesen. Maßgeblich sei der Unterschied zwischen Baubeginn und Abrechnung: Der müsse eigentlich null sein. „Aber im Gesamtergebnis ist es so, wie Sie sagen.“ Es gebe verschiedene Teile, bei denen „wir definitiv teurer sind“. Als erstes habe aber jeder, der sich zu Beteiligungen äußert, zu formulieren: „Das ist eine Leistung der Stadt Niederstotzingen. Erst dann kommen andere.“

2006 sei man von ganz anderen Grundlagen ausgegangen, sagte Sylvia Bader. Von Wanderausstellung und Mehrgenerationenpark sei keine Rede gewesen. Die Stadt habe die bestmöglichen Zuschüsse generiert. Der Zugang zum Archäopark sei ja auch nie 350 Meter entfernt geplant gewesen, sondern als einfacher Einstieg, ergänzte der Bürgermeister. Neue Lösungen seien umgesetzt worden. So habe die Sicherheit einen entsprechenden Aufwand verursacht, etwa bei einer autonomen Versorgung des Parks.

Nach dem Anteil des Archäoparks an den Schulden der Stadt fragte Marianne Nikola. Hier antwortete der Schultes, dass die Stadt in den vergangenen Jahren 3,8 Millionen Euro in Projekte investiert habe, zu denen unter anderem auch das Familienzentrum und der Pumpwerkanschluss gehören. Der Schuldenanstieg liege insgesamt bei einer Million Euro, aus den Hauptinvestitionen herrührend.

Beim Outdoor-Areal lag die Kostenberechnung bei netto 571 628 Euro, der bewilligte Zuschuss bei 285 300 Euro, die Vergabesumme bei 594 387 Euro und die Abrechnung bei 669 345 Euro. Kieninger begründete entstandene Mehrkosten damit, dass man nach dem Einstieg Unbefugter in den Park eine Außenbereichs-Alarmanlage in einem speziellen System wegen des dortigen Funklochs einbauen musste. Außerdem habe es Erweiterungen wie das Grabungsfeld gegeben und auch das Atrium habe die Kosten gesteigert.

Auf 571 550 Euro belief sich die Kostenberechnung für die Wanderausstellung Eiszeitkunst. Der Schlussverwendungsnachweis zeigt zuwendungsfähige Kosten von 528 436 Euro auf. Ein Zuschussbescheid steht noch aus, der maximal mögliche Betrag von 55 Prozent würde 290 640 Euro ausmachen.

Die Kostenberechnung für den Mehrgenerationenpark betrug 106 800 Euro, die Vergabesumme netto 87 061 Euro und die Abrechnung 93 807 Euro. Die Förderung lag bei 67 275 Euro.

317 900 Euro umfasste die Kostenberechnung für die Wanderparkplätze Bissingen und Hopfengartenweg Stetten, 277 439 Euro die Vergabesumme und 253 136 Euro die Brutto-Abrechnung. Hier war eine Kostenteilung mit der Stadt Herbrechtingen vereinbart, bei der rund 81 Prozent auf Niederstotzingen entfielen. Der Zuschuss für die kleine Stadt belief sich auf 118 625 Euro. Eine Einnahme von 16 000 Euro stehe hier noch aus, so Kieninger.

Gegenüber der Kostenschätzung von 100 000 Euro gab es bei der Erschließung deutliche Mehrkosten: Die Abrechnung weist brutto 217 196 Euro aus. Grund dafür seien Extra-Anforderungen bei Entwässerung und Stromversorgung sowie die Betonstele an der Zufahrt.

Einhellig stellten die Stadträte die Abrechnungen für den Archäopark dann fest, im Fall der Wanderausstellung unter Vorbehalt der offenen Zuschussfrage.

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