Heidenheim Ausländische Arbeitskräfte kommen immer häufiger aus Osteuropa

Das Baugewerbe beschäftigt typischerweise viele Ausländer.
Das Baugewerbe beschäftigt typischerweise viele Ausländer. © Foto: sondem, stock.adobe.com
Heidenheim / Silja Kummer 17.04.2018
Ausländische Arbeitskräfte wandern nicht mehr aus der Türkei oder Italien, sondern verstärkt aus Rumänien, Bulgarien oder Ungarn in den Landkreis Heidenheim.

In den Bevölkerungszahlen der Stadt Heidenheim hat sich bereits zum Ende des Jahres 2016 eine Veränderung vollzogen, die 2017 noch deutlicher zum Vorschein kommt: Die Gruppe der Einwohner, die aus einem der elf Eu-Osterweiterungsländer (siehe Info-Kasten) kommen, war 2016 mit 3523 erstmals größer als die der Menschen aus den klassischen Gastarbeiterländern Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei, von denen insgesamt 2919 in Heidenheim lebten.

Diese Entwicklung setzte sich bis Ende 2017 fort: 3899 Heidenheimer hatten die Staatsbürgerschaft eines südosteuropäischen EU-Staates, 2882 Menschen kamen aus Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei.

2015 war die Gruppe aus Südosteuropa mit 2141 Menschen noch deutlich kleiner als die der Türken und Südeuropäer (2850).

„Anfangs gab es einen Run“

Die Begründung für das Anwachsen der südosteuropäischen Bevölkerungsgruppe liegt darin, dass der deutsche Arbeitsmarkt für Rumänen und Bulgaren zum Beginn des Jahres 2014 geöffnet wurde, Kroaten können seit dem 1. Juli 2015 in Deutschland arbeiten.

„Zu Beginn der Freizügigkeit gab es einen unheimlichen Run auf Deutschland“, sagt Anke Eberhardt, Pressesprecherin des Heidenheimer Jobcenters. Dies spiegelt sich auch in der Statistik wieder, die das Jobcenter über die sogenannten Antragsbegehren führt: 2014 stellten 135 Rumänen und 30 Bulgaren einen Antrag auf staatliche Leistungen nach Hartz IV.

2016 waren es 139 Rumänen und 73 Bulgaren. Dass diese Zahlen 2017 auf 65 Rumänen und 49 Bulgaren gesunken sind, liegt an einem Gerichtsurteil, nachdem Zuwanderer aus EU-Staaten in den ersten drei Monaten ihres Aufenthaltes keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben. Aber auch danach bezahlt der Staat nur dann, wenn sich jemand nachweislich bemüht, Arbeit zu finden.

„Oft haben die Zuwanderer auch einen Job, aber dieser reicht nicht aus und sie beantragen ergänzende Leistungen“, so Anke Eberhardt.

Die Arbeitsmärkte brummen

Von den insgesamt 6894 Menschen, die im Landkreis Heidenheim (Stand September 2017) solche Regelleistungen erhielten, waren 2901 Personen Ausländer, davon aber nur 433 aus EU-Osterweiterungsländern. Generell ist der Eindruck von Anke Eberhardt, dass die Zuwanderung zurückgehe, da die Arbeitsmärkte auch in anderen EU-Staaten brummen und dort mittlerweile ebenfalls Mindestlöhne bezahlt werden.

Weitere Zahlen zur Arbeitsmigration liefert die Bundesagentur für Arbeit. Hier werden die Zahlen für den gesamten Landkreis Heidenheim erfasst. Im Juli 2015 gab es im Landkreis Heidenheim 1939 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus EU-Osterweiterungsländern, ein Jahr später waren es 2344, im Juli 2017 war die Zahl auf 2661 angewachsen.

Bei diesen Zahlen ist aber zu beachten, dass nicht nur die Zahl der hier arbeitenden Menschen aus Ländern der EU-Osterweiterung angewachsen ist, sondern dass die Wirtschaft sich insgesamt positiv entwickelt hat und sowohl die Gesamtzahl der Beschäftigten als auch die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit zugenommen hat.

Gastronomie, Reinigungsgewerbe und Bau

In welchen Berufsgruppen überdurchschnittlich viele Ausländer beschäftigt sind, zeigt eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit mit landesweiten Zahlen (Stand 31. März 2016): Besonders tut sich die Gastronomie hervor, wo von 37?604 Beschäftigten in Baden-Württemberg 21.274 einen ausländischen Pass haben. Aber auch auf dem Bau sind extrem viele Ausländer beschäftigt, hier sind es im Hoch- und Tiefbau 21.421 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte von insgesamt 38.484. In den Gewerken des Innenausbaus setzt sich der Trend fort, auch im Trockenbau, bei Malerarbeiten oder der Bodenverlegung haben von 44.289 Beschäftigten immerhin 13.094 einen ausländischen Pass.

Auch das Klischee von der ausländischen Putzfrau ist eines, das häufig zutrifft: In der Reinigungsbranche sind von fast 60.000 Beschäftigten über 40.000 Ausländer.

EU-Osterweiterung: Kam die Massenzuwanderung?

Als Osterweiterung der Europäischen Union, die am 1. Mai 2004 in Kraft trat, bezeichnet man den Beitritt von acht Staaten aus Mittel- und Osteuropa (Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Estland, Lettland, Litauen und Slowenien sowie die beiden südeuropäischen Staaten Malta und Zypern). Die jüngste Erweiterung der EU auf 28 Mitgliedsstaaten erfolgte am 1. Januar 2007 mit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien.

Die Bundesagentur für Arbeit fasst in ihren Statistiken die Staatsangehörigkeiten aus der EU-Osterweiterung zusammen, darunter fallen dann Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Kroatien.

Im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung wurde auch in Deutschland befürchtet, es könne zur Massenzuwanderung kommen, die mit Lohn- und Sozialdumping verbunden wurde. Laut einer Bewertung der Bundeszentrale für politische Bildung haben sich diese Bedenken als übertrieben erwiesen. Es habe sich vielmehr gezeigt, dass es sich bei den Migranten um Personengruppen handle, „die mobil sind und eher dazu neigen, zirkulär zu wandern, das heißt je nach Bedarf zu- oder abzuwandern.“ Diese Migrationsform sei stark von den Prinzipien von Angebot und Nachfrage getrieben.

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