Kompromiss Angler und Naturschützer: Der lange Weg zur Einigung

Ohne den Angelverein Brenzquell, dessen Pachtvertrag für das Fischgewässer Brenz jetzt zwölf Jahre weiter läuft, wäre das Königsbronner Vereinsleben deutlich ärmer. Unsere Bilder zeigen das Fischerstübchen an der Brenz bei der Kläranlage Itzelberg, rechts Gewässerreinigung am Pfeffer zu früheren Zeiten, das Fliegenfischen an der Brenz (oben, Mitte) und eine „Besatzmaßnahme“ an der Brenz in Itzelberg.
Ohne den Angelverein Brenzquell, dessen Pachtvertrag für das Fischgewässer Brenz jetzt zwölf Jahre weiter läuft, wäre das Königsbronner Vereinsleben deutlich ärmer. Unsere Bilder zeigen das Fischerstübchen an der Brenz bei der Kläranlage Itzelberg, rechts Gewässerreinigung am Pfeffer zu früheren Zeiten, das Fliegenfischen an der Brenz (oben, Mitte) und eine „Besatzmaßnahme“ an der Brenz in Itzelberg.
Königsbronn / gerhard stock 19.02.2014
Mit Kompromissbereitschaft und Geduld auf beiden Seiten ist es gelungen, den schon länger schwelenden Konflikt zwischen Angelverein Brenzquell und staatlichem Naturschutz zu entschärfen. Zur großen Erleichterung vieler Königsbronner konnte die Zukunft des traditionsreichen Vereins damit für weitere zwölf Jahre gesichert werden.

Dem neuen Pachtvertrag für die Brenz auf Markung des Teilortes Itzelberg gingen langwierige und zähe Verhandlungen zwischen dem Angelverein (65 Aktive, 40 Passive, 15 Jugendliche) und der Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Stuttgart voraus.

„Jetzt haben wir Ruhe und es gibt auch eine gewisse Verlässlichkeit“, freut sich auch Bürgermeister Michael Stütz, dies rückblickend auch auf die „ungute Situation“, dass der ausgelaufene Vertrag in der jüngsten Vergangenheit nur Jahr für Jahr verlängert worden war. Für eine Lösung des Problems hätten alle Beteiligten kooperativ und letztlich erfolgreich an einem Strang gezogen – für Stütz ein Beispiel dafür, „dass Naturschutz und Gewässernutzer auch miteinander eine Lösung finden können“. Was der Angelegenheit auch angemessen gewesen sei, denn „an der Brenz wird seit Jahrhunderten schon geangelt und seit Jahrhunderten schützen wir, der wir hier leben, die Natur und da brauchen wir nicht immer die Maßregelung aus dem Stuttgarter Raum.“

Lange Verhandlung über Befischung

Doch wie genau stellte sich der Konflikt und dessen nicht selbstverständliche Lösung aus Sicht des Vereins dar? Bereitwillig Auskunft dazu gibt Peter Göttling, seit Jahrzehnten Brenzquell-Mitglied und einst viele Jahre als Schriftführer und stellvertretender Vorsitzender aktiv. Im mittlerweile vierten Jahr führt sein Sohn Alexander Göttling den Verein. Über zwei Jahre, so erläutert der auch als langjähriger (mittlerweile ehemaliger) Königsbronner Ortsbaumeister bekannte Peter Göttling, dauerten die Verhandlungen über die Befischung des Brenzabschnittes von der Steinbrücke in Itzelberg bis zur Markungsgrenze Aufhausen. Bekanntlich befinde sich dieser Gewässerabschnitt teilweise im Geltungsbereich des neu ausgewiesenen Naturschutzgebietes Brünneleswiesen.

Der Angelverein Brenzquell habe diesen Gewässerabschnitt seit Jahrzehnten gehegt und befischt und sei dann plötzlich vor dem Problem gestanden, dass der auslaufende Pachtvertrag aus Gründen des Naturschutzes, nicht mehr verlängert werden sollte. Für den Angelverein, so Göttling, hätte der Verlust dieses Fischgewässers den Exodus bedeutet, da sich die Anzahl der aktiven Mitglieder nach der zur Verfügung stehenden befischbaren Wasserfläche richte.

Die Brenz auf Markung Itzelberg sei seit Vereinsgründung 1968 das Kerngewässer der Königsbronner. „Wäre hier ein Ausüben der Befischung nicht mehr möglich, könnten an einen Großteil der Vereinsmitglieder keine Angelerlaubnisscheine mehr ausgegeben werden, was zwangsläufig zu einem Massenaustritt aus dem Verein und somit zu dessen Ende geführt hätte“, ist Peter Göttling überzeugt. Da der Angelverein eine sehr gute Jugendarbeit leiste und auch bei vielen Gemeindeveranstaltungen wie Kinderfest, Weihnachtsmarkt, Lichterfest, Kreisputzete, oder Kinderferienprogramm Einsatz zeige, „wäre dies mit Sicherheit ein Verlust für die Bürgergemeinschaft gewesen“.

Auch Angler wollen Natürschützer sein

Erfreulicherweise habe es aber dank Kompromissbereitschaft soweit nicht kommen müssen. Ein Kompromiss ist nach Auffassung Göttlings dann als gut zu bezeichnen, wenn er beiden Verhandlungsseiten weh tut und für beide Seiten Einschränkungen mit sich bringt. Das sei hier der Fall. Der Verein habe dem Naturschutz in wesentlichen Belangen entgegen kommen können, „denn auch die Angler haben in ihrer Satzung den Naturschutz verankert“.

So sei zum Beispiel auch bisher schon über Jahrzehnte der besonders empfindliche Gewässerabschnitt der sogenannten Brenzmäander in der Brutzeit der Wasservögel für die Befischung und für das Betreten gesperrt. Leider, so Göttling, hielten sich nur die Angler an dieses selbst auferlegte Verbot: „Spaziergänger, vor allem mit Hunden, sorgten hier immer wieder für Störungen“.

Ein wesentliches Ergebnis der Verhandlungen sei nun unter anderem eine Ausweitung dieser Sperrzeit und ein ganzjähriges Betretungsverbot fast des gesamten Nordufers der Brenz. Es bleibe zu hoffen, dass auch die Spaziergänger und Hundebesitzer hier ein Einsehen haben und das Nordufer der Brenz den Vögeln überlassen. Zur Befischung verbleibe noch ein großer Teil des Südufers, „allerdings mit starken zeitlichen und räumlichen Einschränkungen“.

Wellen bis nach Stuttgart geschlagen

Die zähen Verhandlungen, so erinnert sich Göttling, hätten Wellen bis in die höchsten politischen Ebenen des Landes geschlagen. Letztendlich sei der Durchbruch zur Einigung dem Eingreifen von Andreas Stoch, Landtagsabgeordneter und Kultusminister von Baden-Württemberg, zu verdanken. Die vorbereitende Arbeit aber „mit endlosen und manchmal auch heftigen Gesprächen mit der Nuturschutzbehörde des Regierungspräsidiums in Stuttgart“ sei durch den Königsbronner Bürgermeister Michael Stütz geleistet worden. Stütz sei schon immer ein Förderer und Freund der Königsbronner Angler und habe unter anderem, gemeinsam mit dem Gemeinderat dafür gesorgt, dass die Königsbronner Angler eine Bleibe in Form eines kleinen Vereinsheimes im alten Klärwärtergebäude in Itzelberg an der Brenz gefunden haben.

Als weiteren Garant für den Erfolg der Verhandlungen sieht Peter Göttling in Dr. Hans Untheim, Leiter des Fachbereichs Wald und Naturschutz im Landratsamt Heidenheim, der mit Augenmaß und Besonnenheit für einen fairen und zielgerichteten Ablauf der Verhandlungen gesorgt habe.

Für den Angelverein bleibe zu hoffen, dass er auch nach Ablauf des Pachtvertrages in zwölf Jahren zuversichtlich in die Zukunft blicken kann. Seitens des Vereins werde dazu alles getan. So sei anlässlich der Hauptversammlung nicht nur die Abstimmung über den Kauf der Moosweiher im Gewerbegebiet positiv verlaufen, sondern auch die eventuelle Neuanpachtung eines Gewässers.

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