Kreis Heidenheim An Qualität wird nicht gespart

Soll auch 2019 wieder stattfinden: der Königsbronner Musiksommer – hier ein Bild vom letztjährigen Konzert der Sinfonietta Oberkochen-Königsbronn in der Hammerschmiede.
Soll auch 2019 wieder stattfinden: der Königsbronner Musiksommer – hier ein Bild vom letztjährigen Konzert der Sinfonietta Oberkochen-Königsbronn in der Hammerschmiede. © Foto: Archiv/hape
Kreis Heidenheim / Gerhard Stock 11.01.2019
Der Zweckverband Oberkochen-Königsbronn behält seinen strikten Kurs bei den Personalkosten bei. Auch die Suche nach einem stellvertretenden Vorsitzenden geht weiter.

Nicht gerüttelt wird vom Zweckverband Oberkochen-Königsbronn an der Qualität des Musikschulangebots. Ebenso konsequent hält der Verband aber auch an seinem Bestreben fest, die Personalkosten im Griff zu behalten. Anlässlich der jährlichen Verbandsversammlung im Rathaus Oberkochen freuten sich die Delegierten durchweg über den seit Jahren hohen qualitativen Standard.

Schwieriger geworden aber sei es, Lehrpersonal für ein Engagement auf der Ostalb zu gewinnen. Dieses bevorzuge im Zweifelsfall Ballungsräume. Umso mehr freute man sich über den jüngsten Neuzugang: Schlagzeuglehrerin Mintzu Lee. Aus Taiwan stammend, pendelt die in Stuttgart Musik studierende junge Frau seit November zum 14-tägigen Unterricht von Freiburg nach Oberkochen. Weniger Glück hatte der Verband bei seinem Bemühen, die Stelle des stellvertretenden Musikschulleiters zu besetzen. Der zu einer Vorstellung im nicht öffentlichen Teil der Versammlung erwartete Bewerber hatte kurz vorher abgesagt.

„Wir sind kein Sparverein“, bekräftigte der Verbandsvorsitzende, Oberkochens Bürgermeister Peter Traub, Feststellungen in der Ratsrunde, eigentliches Ziel des Verbandes sei nicht das Sparen, sondern das Erhalten der Qualität. Dennoch haben sich auch die Finanzen sehr positiv entwickelt, wie Verbandsrechner Jürgen Rühle aufzeigte. 2017 habe man ein erfreuliches Ergebnis erzielen können und werde dies wahrscheinlich auch 2019 tun.

Hohe Einsparungen erwartet

Seit seiner Gründung habe sich der Zweckverband rentiert und er werde dies künftig noch mehr tun, frohlockte Rühle. Dies konkret im Blick darauf, dass vier bei der Stadt Oberkochen beschäftigte und nach dem Tarif für den öffentlichen Dienst bezahlte Lehrkräfte in den nächsten drei Jahren altersbedingt ausscheiden werden – was mit einem Einsparpotenzial in Höhe von über 75 000 Euro jährlich verbunden sei.

Neueinstellungen auf Honorarbasis sollen weiterhin beim Zweckverband erfolgen und so die Tendenz nach unten bei den Personalkosten befördern. 94 Prozent aller Ausgaben des Verbandes, also rund 450000 Euro, entfallen auf Personal, inklusive Tariferhöhung und Wiederbesetzung der Stelle des stellvertretenden Musikschulleiters. Zur Arbeitserleichterung gebraucht wird ein Verwaltungsprogramm, doch angesichts nur eines und das mit rund 20000 Euro auch noch „völlig überteuerten Angebotes“ verzichtete man darauf, bereitgestellte Mittel dafür zu „verbraten“. So muss die Musikschulverwaltung weiter nach einem akzeptablen Angebot suchen und sich ohne PC-Programm behelfen.

Finanziert werden die Ausgaben auch 2019 wie gehabt durch die Musikschulentgelte (190000Euro), Landeszuschuss (30000 Euro), Personalkostenerstattung (38000 Euro) und vor allem durch Zahlungen der Verbandsgemeinden je nach Schüleranteil. Den erwarteten „Abmangel“ von insgesamt 215700 Euro trägt die Stadt Oberkochen (193 Musikschüler) mit 135000 Euro und Königsbronn (116 Schüler) mit 80700Euro. Anteilig übernommen wird der Abmangel für die 42 auswärtigen Musikschüler. Insgesamt geht man fürs laufende Jahr also von 351Musikschülern aus.

An Ensembles nicht gerüttelt

Auch wenn sie Personalkosten in Höhe von 16500 Euro verursachen und aus Sicht des Kämmerers das Rechnungsergebnis belasten: Die kostenfrei gebotenen neun Ensembles (Blockflöte, Querflöte, Streicher, zwei Mal Gitarre, Keyboard, Saxophon und zwei Schulbands) hat die Verbandsversammlung nicht infrage gestellt. Mit dem Etat2019 genehmigt wurde auch die Neuanschaffung eines Baritonsaxofons und einer Posaune für zusammen 3500 Euro. Getätigt werden damit nur dringend erforderliche Anschaffungen, um einen reibungslosen Musikschulbetrieb aufrechtzuerhalten.

Zustimmend zur Kenntnis nahm das Gremium die von Jürgen Rühle erläuterte Jahresrechnung 2017. Diese weist für den Abmangel vergleichsweise moderate 123702,28Euro aus. Wichtigste Erkenntnis aus Sicht des Verbandsrechners: Trotz tariflich bedingter Steigerungen bei den Personalkosten in Höhe von 42 Prozent liege dieser damit immer noch unter dem Wert des Jahres 2000 (knapp 154000 Euro). Einsparmöglichkeiten gebe es nur bei den Personalkosten. Eine schon einmal angesprochene Rückkehr zum Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst aber, so Rühle, „würde der Musikschule mittelfristig jegliches Einsparpotenzial nehmen und dem eigentlichen Gründungszweck zuwiderlaufen“.

Neuauflage des Musiksommers in Königsbronn

Im Jubiläumsjahr 2018 erstmalig veranstaltet, soll es heuer eine Neuauflage des einwöchigen Königsbronner Musiksommers geben. Das kündigte Musikschulleiter Andreas Hug an.

Auch 40 Jahre nach der Gründung des Zweckverbandes sei die Musikschule eine bestens etablierte Bildungseinrichtung. Das breit aufgestellte Angebot richte sich an Interessenten jeden Alters, vom Musikgarten (0 bis 4 Jahre) bis zum Gesangs- und Ensembleunterricht (7 bis 70 Jahre). Mit 42 Prozent stellen jedoch die 8- bis 14-Jährigen den größten Schüleranteil.

Nicht zu unterschätzen sei die Außenwirkung der „eigentlich unsichtbaren Musikschule“ durch vielfältige gesellschaftliche Vernetzung von Lehrkräften und Schülern.

Eigentlich für Herbst 2019 geplant, wird der Wechsel der Musikschule in Oberkochen von der dortigen Dreißentalschule in die Tiersteinschule tatsächlich „noch ein paar Jahre dauern“. Das wurde bei der Verbandsversammlung am Rande bekannt.

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