Hermaringen Alte Hermaringer Mostpresse wurde wieder flott gemacht

Hermaringen / Brigitte Malisi 23.08.2018
Zwei junge Hermaringer führen die Tradition des Mostens im Ort weiter und bieten an, Apfelsaft für jedermann aus mitgebrachten eigenen Früchten herzustellen.

Der Stolz ist ihm anzumerken, als Hans-Christian Maier an diesem Vormittag den ersten selbstgemachten Apfelsaft aus der eigenen Mosterei zum Probieren einschenkt: Frisch schmeckt er und intensiv, mit nicht zu viel Süße.

Ein paar Versuche hat es allerdings schon gebraucht, bis das Ergebnis stimmte. In der Theorie sei das ja alles ganz einfach, aber in der Praxis sehe es dann doch ein wenig anders aus, erzählt er lachend.

Wie das Mosten theoretisch funktioniert, wissen die beiden Cousins Hans-Christian und Matthias Maier schon seit ihrer Kindheit. Schon zusammen mit dem Opa haben sie Obst zur Mosterei am Schwanengässle gebracht und schauten begeistert zu, wenn der frische Saft in Strömen floss. Selbstgemachten Most gab es bei den Maiers praktisch immer im Keller.

Dass es nun vorbei sein sollte, mit der alten Tradition der „Moschderei“ in Hermaringen, das fanden die beiden zwar schade, aber mehr auch nicht. Schließlich haben sie ihre Berufe und auch sonst genügend Verpflichtungen, sei es bei der Feuerwehr oder in Vereinen.

Begehrter Apfelsaft

Sein Chef Robert Schmid sei eigentlich schuld, dass überhaupt der Gedanke aufkam, die Mosterei in Eigenregie weiter zu betreiben, berichtet Hans-Christian Maier. Was erst nur so eine Rumspinnerei gewesen sei, wurde dann aber schnell zu einer echten Idee. Die beiden jungen Männer schauten sich die alte Mostpresse an, fuhren zu einer Messe nach Friedrichshafen und begannen, Pläne zu schmieden.

Schnell war klar: nur Most, das macht wenig Sinn. Das Getränk habe heute längst nicht mehr die Bedeutung wie früher. Viele Leute wollen lieber Apfelsaft. Der besondere Reiz: Es ist wirklich das Getränk aus den von jedermann angelieferten selbst angebauten Früchten zu erhalten.

Dafür brauchten die beiden Jungunternehmer aber eben auch eine entsprechende Anlage, die den Saft erhitzt und mit der er anschließend in spezielle Beutel abgefüllt werden kann.

Der Platz dafür war vorhanden. Der Familie von Hans-Christian Maier gehört das Gebäude an der Kronenstraße, in dem früher Stallungen untergebracht waren. Doch der Ausbau war eine Kraftanstrengung, die nur mit der Hilfe von Familien und Freunden zu schaffen war. Schließlich gibt es jede Menge Vorschriften einzuhalten, wenn es um Lebensmittel geht.

Und dann die Sache mit der Presse, die immer noch in der alten Mosterei am Schwanengässle stand. Die Gemeinde stellte sie den beiden nur zu gerne zur Verfügung. Die Maiers waren zuversichtlich: So schlecht schaute das gute Stück aus den fünfziger Jahren gar nicht aus und schließlich war es bis vor zwei Jahren noch in Betrieb.

Besonders viel Technik stecke in so einer Presse ja auch nicht drin, dachten sich die beiden. Aber dann kam es knüppeldick: „Eine Zeitlang gab es wirklich nichts mehr zu lachen“, erinnert sich Matthias Maier. Ein Problem kam zum nächsten und die beiden Cousins lernten die Presse in all ihren Einzelteilen kennen. Außer dem Motor gebe es nichts, das nicht zerlegt worden sei.

„Maiers Moschde“

Frust machte sich breit, sogar ans Aufhören habe man gedacht, geben sie zu. Doch die Familie stärkte den Rücken und ermutigte zum Weitermachen. Nachdem man schon so weit gekommen war, war Aufgeben einfach keine Option. Zuviel Zeit und inzwischen auch Geld steckte in „Maiers Moschde“, wie die beiden ihre Mosterei getauft haben.

Voller Elan starten die beiden also jetzt in ihre erste Most-Saison. Zuerst gibt es aber noch eine offizielle Einweihungsfeier mit einem Tag der offenen Tür und Bewirtung am Sonntag, 26. August ab 11 Uhr. Geöffnet ist die Mosterei dann Freitagnachmittag und Samstag. Nähere Auskunft gibt es unter Tel. 07322.9119859 und unter www.maiers-moschde.de.

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