Ellwangen TV-Kunst-Experte Albert Maier: Der Mann mit dem kritischen Blick

„Bares-für-Rares“-Moderator Horst Lichter und sein Ellwanger Kunst-Experte Albert Maier (von links).
„Bares-für-Rares“-Moderator Horst Lichter und sein Ellwanger Kunst-Experte Albert Maier (von links). © Foto: ZDF
Ellwangen / Christine Weinschenk 09.05.2018
Albert Maier ist Kunst-Experte bei „Bares für Rares“ und hat ein Antiquitätengeschäft in Ellwangen

Albert Maier (68) ist seit der ersten Sendung im Jahr 2013 Kunst-Experte bei „Bares für Rares“. Seit 42 Jahren ist er mit einer Heidenheimerin verheiratet und betreibt genauso lange ein Antiquitätengeschäft in Ellwangen. Wenn er nicht vor der Kamera steht, ist er noch immer dort anzutreffen. Im Interview spricht er auch darüber, wie sich sein Leben durch seine Fernsehtätigkeit verändert hat.

Herr Maier, wie fühlt es sich an, der bekannteste Ellwanger zu sein?

Albert Maier: Oh, ich bin nach wie vor der gleiche Ellwanger und finde das Städtchen reizend.

Was hat sich durch ihre TV-Tätigkeit verändert?

Mein Geschäft läuft dadurch nicht besser und die Leute wollen mir auch nicht mehr verkaufen, aber sie wollen mehr Expertisen. Sie kommen von überallher, haben teils waschkorbweise Zeug dabei und hoffen, dass darunter ein großer Schatz ist. Da muss ich leider oft enttäuschen (lacht).

Kommen viele nur, weil sie Sie sehen wollen?

Sehr viele. Aber das sind sehr reizende und nette Leute.

Wie viele Autogramme haben Sie heute schon geschrieben?

Sechs (lacht).

Ist das ein guter oder ein schlechter Tag?

Ein guter. Wenn ich hunderte schreiben muss, macht das keinen Spaß.

Können Sie noch unbehelligt einkaufen gehen?

Unmöglich. Ich werde überall mit Namen angesprochen oder gefragt: „Sie sind doch der Herr von Bares für Rares, gell!?“. Dass ich so bekannt werde, war mir nicht klar.

Sind Sie dann oft mit Hut und Sonnenbrille unterwegs?

Nein, ich freue mich ja, wenn ich angesprochen werde. Es ärgert mich nur, wenn ich mit meiner Frau in einem Lokal sitze, sich die Leute für ein Selfie quasi auf mich stürzen und meine Frau wegdrücken.

Sind Sie überhaupt noch oft in Ellwangen?

Die Hälfte der Zeit bin ich in Köln. Zum Leidwesen meiner Familie, aber mein Bub ist schon groß und meine Frau auch (lacht).

„Bares für Rares“ hat täglich mehr als drei Millionen Zuschauer. Warum ist die Sendung so erfolgreich?

Weil sie authentisch ist und ohne Fake. Es steckt viel Herzblut drin und dann ist da natürlich der überragende Horst Lichter, der unheimlich einfühlsam ist und mit den Leuten kann.

Sie sagen ohne Fake. Die Sendung ist derzeit ja in der Kritik, weil das ZDF offenbar Komparsen einsetzt.

Im Hintergrund stehen Komparsen. Das ist richtig, aber das hat mit Fake nichts zu tun. Für die Aufnahmen braucht man eine gewisse Ruhe, und wenn da hunderte Menschen auf ihre Expertisen warten und durcheinanderreden, würde das gar nicht funktionieren.

Müssen Sie Ihr Wissen bei den Expertisen wirklich spontan abrufen?

Ich sehe das Exponat etwa eine Stunde vor der Aufzeichnung. Ich muss also nicht alles ganz spontan wissen und kann noch einmal nachschlagen. Aber es ist nicht so, dass da ein Team wochenlang vorher alles recherchiert. Und wenn ich einen Preis nenne, geht der allein auf meine Erfahrung zurück.

Wie groß ist die Angst vor einem Fehler?

Der Teufel steckt bei Antiquitäten im Detail. Da kann ein Fingerchen bei einer Porzellanpuppe perfekt angeklebt sein und ich sehe die Klebestelle nicht. Oder ein Porzellanteil ist aus dem 18. Jahrhundert und ich sage es ist aus dem 19. Jahrhundert. Das sind gravierende Fehler. Ich habe schon Respekt davor, etwas falsch zu machen.

Macht einen das nervös?

Ich bin tatsächlich noch immer nervös. Das kann ich auch nach über 570 Sendungen nicht abstellen. Da ist es gut, einen Horst Lichter zu haben. Mit seiner Art nimmt er viel von der Aufregung.

Ist er wirklich so eine Frohnatur?

Absolut. Es ist jeden Morgen ein Hochgenuss, über seine Witze und seine gute Laune zu lachen.

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