Atomkraft AKW Gundremmingen: Block B ist für immer abgeschaltet

Gundremmingen / Catrin Weykopf 31.12.2017
Nach 33 Jahren Betriebszeit ging Block B des AKW Gundremmingen am Sonntagmittag für immer vom Netz.

Das Gesetz schreibt es vor: Ende 2017 muss Reaktor B des Atomkraftwerk Gundremmingen abgeschaltet werden und so ist es am Sonntagmittag, am Silverstertag, geschehen:

Wie die Kraftwerksleitung mitteilt, wurde um 12 Uhr der Generator vom Stromnetz getrennt. Kurz darauf wurde der Reaktor abgeschaltet.

Die entscheidende Schalthandlung nahm der scheidende Kraftwerksleiter Michael Trobitz zusammen mit Reaktorfahrer Tobias Feil vor. Dessen Vater Ernst Feil, heute Pensionär, gehörte zu dem Team, das Block B einst in Betrieb nahm. Feil Junior wird künftig auf dem Leitstand von Block C tätig sein.

Webcam zeigt Bilder vom Tag der Abschaltung

Per Webcam kann man am Silvestertag verfolgen, wie die Dampfwolke aus dem Kühlturm von Block B immer kleiner wird. Der Heidenheimer Christian Schmidt hatte spontan eine Webcam installiert.

Der Rückbau beginnt

Unmittelbar nach der Abschaltung von Block B wird damit begonnen werden, abgebrannte Brennelemente aus dem Abklingbecken in Castor-Behälter zu verladen, um Platz zu machen für die rund 800 Brennelemente aus Reaktor B. Diese bleiben - so lange bis Platz ist - ersteinmal im verschlossenen Reaktor. (Hier wird anhand vieler Bilder beschrieben, wie ein Castor beladen wird)

Erste Strahlenschutzwände werden abgerissen

Parallel dazu wird damit gestartet, erste Anlagenteile rückzubauen. Begonnen wird beispielsweise mit der Demontage von Strahlenschutzwänden im Maschinenhaus oder mit dem Ablassen von Öl aus der großen Stromturbine. Die eigentliche Demontage des Generators beginnt aber erst, nachdem die Rückbaugenehmigung aus dem bayerischen Umweltministerium vorliegt. Beantragt ist diese, doch wann sie erteilt wird, ist offen. Das Ministerium antwortet dazu auf HZ-Anfrage:

„Die Antragsunterlagen des Betreibers befinden sich aktuell in der behördlichen und gutachterlichen Prüfung“ Hier gehe Genauigkeit vor Schnelligkeit, so ein Sprecher. Daneben werde derzeit die Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Anschließend folge die Ausfertigung eines Entwurfs des Genehmigungsbescheids durch das Bayerische Umweltministerium und die Übersendung an das Bundesumweltministerium in Berlin zur Möglichkeit der Beteiligung.

Unterm Strich: „Zum Zeitpunkt einer möglichen Genehmigungserteilung kann noch keine Aussage getroffen werden“, so der Sprecher.

Was ist kontaminiert, was nicht?

Insgesamt wird der Rückbau beider Blöcke eines Tages ein Mammutvorhaben: Wenn auch Block C Ende 2021 vom Netz geht, gilt es, mit insgesamt 88 000 Tonnen radioaktiv belastetem Material umzugehen. Dabei muss bei jedem Arbeitsgang unterscheiden werden zwischen oberflächlich kontaminierten Teilen und durchweg strahlenden.

Während die einen per Sandstrahl und Säure gereinigt werden können, müssen andere im Kraftwerk zersägt, demontiert und dann in ein Endlager transportiert werden. (Hier lesen Sie einen ausführlichen Bericht zur Vorgehensweise beim Rückbau)

Kraftwerk in neue Gesellschaft überführt

Mit dem 1. Januar beginnt aber im AKW nicht nur die Phase des Rückbaus, das Kraftwerk samt Belegschaft wandert zugleich mit Jahresbeginn über in eine neue Gesellschaft.

Dabei handelt es sich um eine hundertprozentige Tochter des RWE-Konzerns. Die Veränderung erfolgt laut RWE, weil an den AKW-Standorten in den kommenden Jahren der Rückbau die Haupttätigkeit werden wird. „Damit unterscheiden sich diese Kraftwerke deutlich von den übrigen Geschäftsaktivitäten der RWE Power“, teilte das Unternehmen im Juli 2017 mit.

Mit dem Jahresende 2017 hatten insgesamt bereits 50 Mitarbeiter im Laufe des Jahres die Belegschaft altersbedingt verlassen.

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