Atom AKW-Emissionen: Was rauskommt und was in der Umgebung messbar ist

Etwa 2000 radiologische Messwerte werden jährlich rund um das AKW ermittelt. Wie Strahlenschutz-Leiter Dr. Ingo Großhans beim Infoabend bekräftigte, sei eine Auswirkung des Kraftwerks auf die Umwelt dabei nicht messbar, sondern könne nur errechnet werden.
Etwa 2000 radiologische Messwerte werden jährlich rund um das AKW ermittelt. Wie Strahlenschutz-Leiter Dr. Ingo Großhans beim Infoabend bekräftigte, sei eine Auswirkung des Kraftwerks auf die Umwelt dabei nicht messbar, sondern könne nur errechnet werden. © Foto: KKW/cat
Gundremmingen / Catrin Weykopf 14.02.2016
Ein Netz von mehr als 100 Messpunkten ist in einem Radius von zehn Kilometern rund um das AKW aufgespannt. Der Betreiber erklärte bei einem Infoabend, warum das Kraftwerk zwar Emissionen ausstößt, diese aber im Umland nur rechnerisch und nicht tatsächlich nachweisbar sind.

Insgesamt 35 Mitarbeiter sind im Atomkraftwerk Gundremmingen für den Strahlenschutz zuständig. Bis zu vier von ihnen kümmern sich dabei um die Überwachung der Umgebung des Kraftwerks. Sie kontrollieren Messgeräte und nehmen auch selbst Proben von Boden, Pflanzen und tierischen Erzeugnissen. Der Leiter dieses Bereichs, Dr. Ingo Großhans, informierte im Rahmen einer Infoveranstaltung darüber, welche Vorschriften das Kraftwerk einhalten muss, welche Rolle die Aufsichtsbehörden spielen und was an tatsächlicher Belastung in der Umgebung des Kraftwerks gemessen wird.

Grundsätzlich gelte es zu unterscheiden zwischen den Emissionen der Anlage – also was das AKW an messbaren Stoffen ausstößt – und den Auswirkungen dieser Emissionen auf die Umwelt, genannt Immissionen. Während sich genau messen lasse, welche Stoffe das Kraftwerk verlassen, sei dies für deren Ankunft in der Umgebung nicht möglich, so Großhans – und zwar weil die ausgestoßene Menge an Stoffen zu gering sei. „Es ist in etwa so, wie wenn man sich in den Finger schneidet und den Blutstropfen dann in den Bodensee fallen lässt“, versucht der Strahlenschützer zu erklären. „Den Blutstropfen am Finger sehen Sie und können ihn auch in seiner Zusammensetzung analysieren. Ist er aber im Wasser des Bodensees, wird er so stark verdünnt, dass er nicht mehr nachweisbar ist.“

Um die Werte zu ermitteln, werden Abluft und Wasser kontrolliert

Doch wie wird überhaupt ermittelt, was rauskommt und was davon in der Umgebung ankommt? Um die Emissionen zu überwachen, werden Abluft aus dem Kraftwerkskamin sowie im AKW verwendetes Wasser kontrolliert, das anschließend wieder in die Donau ausgeleitet wird. In beiden Fällen ist es nicht nur der AKW-Betreiber, der an diesen Stellen misst, sondern auch die Aufsichtsbehörde – hier das Landesamt für Umwelt in Augsburg. Es verfügt über ein parallel installiertes Messnetz im Kraftwerk, das unabhängig von den Messungen des Betreibers kontrolliert, ob die Werte in Ordnung sind. Welche Messergebnisse erreicht werden, kann auf der Internetseite des AKW im Bereich „Das Kraftwerk“ unter dem Menüpunkt „Strahlenschutz“ eingesehen werden.

Zur Kontrolle des Kraftwerks kommt die Kontrolle der Umgebung. Neben zwei größeren und mit zahlreichen Instrumenten ausgestatteten Messstationen, die in den Hauptwindrichtungen zum Kraftwerk liegen, ist ein Netz aus rund 100 kleineren Messpunkten aufgespannt (siehe Karte). Auch hier ist es nicht das Kraftwerk allein, das für die Kontrolle zuständig ist.

Auch die Aufsichtsbehörde misst mit. Die Auswirkungen auf Tiere, Menschen und Pflanzen werden anschließend durch Behörden und Betreiber rechnerisch bewertet. Bewertet deswegen, weil sie rein den Messungen nach nicht nachweisbar seien, so Ingo Großhans. Denn nicht einmal dann, wenn das Kraftwerk tatsächlich einmal messbar höhere Werte ausstoße, sei dies durch die Messstationen der Umgebung nachweisbar. „Reguläre Schwankungen der natürlichen Strahlung etwa durch Regen oder Schnee werden erfasst, die Emission des Kraftwerks aber ist zu gering, um zum Ausschlag der Instrumente zu führen“, so Großhans.

Das Messnetz, wie es jetzt in Betrieb ist, soll bis weit über den Abschalttermin der Blöcke B und C hinaus bestehen bleiben. Genau genommen so lange, bis das Atomkraftwerk soweit rückgebaut ist, dass es aus dem Atomgesetz entlassen werden kann. Und auch das Zwischenlager, das mindestens bis ins Jahr 2046 auf dem Gelände in Betrieb sein wird, werde überwacht, so Ingo Großhans. „Wir haben hier noch viel zu tun.“

Info Die Werte aus dem AKW sind auffindbar unter www.kkw-gundremmingen.de. Messergebnisse des Bundesamts für Strahlenschutz gibt es auf odlinfo.bfs.de

Hier die Messwerte der Station in Nattheim und in Hermaringen.
 
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