Ärger im Bergenweiler Kraftwerk wegen Brenz-Renaturierung

Wechselseitig wird es an der Brenz zwischen der Hürbe-Einmündung und Bergenweiler, die eine oder andere Flachwasserzone geben. Dort steht schon Wasser. Das Gelände muss noch modelliert werden.
Wechselseitig wird es an der Brenz zwischen der Hürbe-Einmündung und Bergenweiler, die eine oder andere Flachwasserzone geben. Dort steht schon Wasser. Das Gelände muss noch modelliert werden.
Klaus-Dieter Kirschner 21.03.2012
Die Renaturierung der Brenz im Abschnitt zwischen Bergenweiler und der Einmündung der Hürbe geht weiter. Und das bereitet der Familie Hepp doch großen Kummer. Sie betreibt das Wasserkraftwerk in Bergenweiler.

Immer wenn an Werktagen stromaufwärts in diesen Wochen gebaggert wird, dann verliert die Brenz ihre Klarheit und bringt mit sich viel Schlamm, sogar Geröll und auch eine größere Anzahl toter Fische. Die Wasserkraftanlage der Familie Hepp in Bergenweiler ist so konstruiert, dass nur „klares“ Wasser durch die Turbine strömt.

Schlamm und Steine lassen sich im Gegensatz zum Wasserkraut nicht mit einem großen Rechenwerk zurückhalten und werden in die Anlagen gespült. Ein toter Fisch wurde jetzt im Gehäuse einer großen Pumpe gefunden, die ihren Betrieb eingestellt und die ein Monteur aufgeschraubt hatte.

Die Bauarbeiten zwischen Hermaringen und Bergenweiler sollen die Brenz in ihren Urzustand zurückversetzen. Zwischen Hermaringen und dem Zufluss der Hürbe wurde die Brenz länger, weil Kurven ins Flussbett eingebaut wurden. Schotterpackungen verhindern das Auswaschen des Ufers im Bereich der Biegungen Die Federführung hat bei diesen Bauarbeiten das Regierungspräsidium. Die Vorschriften zur Renaturierung kommen von der Europäischen Gemeinschaft.

„Die Brenz wird zum Natur-Freibad“ - hieß die Schlagzeile am 4. August 2011 in dieser Zeitung. Der erste Bauabschnitt wurde durch Baden-Württembergs neuen Umweltminister Franz Untersteller und Regierungspräsident Johannes Schmalzl feierlich eingeweiht.

Es waren sicher Sparsamkeitsgründe, dass man mit der Einweihung gleich den Spatenstich zur Fortsetzung der Flussbauarbeiten feierte. Untersteller, von Haus aus ein Landschaftsplaner, hat es gut gefallen, was dort bislang schon entstanden ist. Jahrzehnte habe man immer nur die Wasser-Qualität im Auge gehabt. Heute kümmere man sich auch um den Lebensraum, den die Gewässer Fischen und anderen Wassertieren bieten.

In dem die einstige Begradigung der Brenz aus den 1960er Jahren beseitigt, der Fluss in Kurven gelegt wurde, bekommt der Fluss auch wieder eine Bedeutung als Erholungswert, freute sich der Politiker. Bis dahin wird noch einige Zeit vergehen. Denn die „Narben“ der aktuellen Bauarbeiten müssen erst von der Natur zugewachsen werden.

Zwischen Hermaringen und Bergenweiler wird die Brenz auf einer Länge von 1,3 Kilometern renaturiert. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf 1,9 Millionen Euro. Das Land übernimmt davon 1,4 Millionen Euro. Die restlichen Gelder steuert die Europäische Union bei. Wenn bis Bergenweiler die Brenz ein neues Gesicht bekommen hat, geht es in Sontheim mit der Baggerei weiter. Dort wird ein Altarm der Brenz zu neuem Leben erweckt.

Nimmt man die beiden Baustellen im Eselsburger Tal dazu, dann werden 6,6 Millionen Euro für eine natürliche Brenz zwischen der Bindstein-Mühle und Sontheim ausgegeben. Im Fluss, in den neuentstehenden Flussauen und in manchem neugepflanzten Gestrüpp wird sich schnell eine typische Tierwelt entwickeln.

Diese Bauarbeiten, so betonte im August der damalige Landrat Hermann Mader, seien eine Wiedergutmachung für das, was mit der Brenz-Begradigung in den 1960er Jahren durch den Wasserverband Wedel-Brenz kaputt gemacht wurde. Biotope wurden zerstört, die jetzt für teures Geld neu begründet werden müssen.

Allerdings waren damals die Auffassungen andere. Auch der Naturschutz hatte ein anderes Gewicht, hatte andere Akzente gesetzt.

Mit der Neugestaltung der Brenz kehrt die Artenvielfalt zurück. Für die Kinder entsteht an der Brenz ein grünes Klassenzimmer, so fasste sinngemäß Bürgermeister Matthias Kraut im letzten August seine Erwartungen an die Neugestaltung der Brenz zusammen. Dadurch, dass die Brenz sich bald wieder durchs Brenztal schlängelt, wird der Fluss auch länger. Im Falle Hermaringen - Hürbe waren es immerhin 80 Meter. Der Abschnitt bis Bergenweiler misst in seiner begradigten Linienführung etwa 1,3 Kilometer. Davon wurden 340 Meter im letzten Sommer neu gestaltet. Die Bauarbeiten, die hier ausgeführt werden, gelten als ein „ökologisches Vorhaben“: die Brenz soll wieder „mäandern“. Im Falle des jetzigen Bauabschnitts hofft man, bis zur Brutzeit der Vögel die Masse der Arbeiten abschließen zu können.

Und im Sommer werden im Flachwasser der Brenz Kinder Erfrischung suchen. So war das, als im letzten August der erste Bauabschnitt eingeweiht wurde.

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