Versorgung Abwasserleitung nach Mergelstetten - ein "Planungsfehler"?

Das Pumpwerk in Dettingen musste 2013 doppelt so viel Abwasser weiterbefördern wie angenommen.
Das Pumpwerk in Dettingen musste 2013 doppelt so viel Abwasser weiterbefördern wie angenommen. © Foto: Foto: Jens Eber
Gerstetten / jens eber 16.02.2014
Dass die Abwasserdruckleitung von Gerstetten nach Mergelstetten deutlich mehr Energie verschlingt als geplant, hat Folgen: Zum einen arbeiten Fachleute intensiv an der Optimierung, zum anderen war im Bauausschuss des Gemeinderates auch von einem „Planungsfehler“ die Rede.

Dass zum Jahreswechsel die Abwassergebühren in Gerstetten deutlich erhöht worden, hat etlichen Bürgern nicht gefallen. Zeitgleich wurde bekannt, dass einzelne Pumpwerke des Abwassersystems erheblich höhere Stromkosten verursachen als geplant. Statt gut 980 000 Kilowattstunden musste die Gemeinde fast 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom bezahlen. Dieser Mehrverbrauch dürfte zwar nur zu einem geringen Teil zur Gebührenerhöhung beigetragen haben, politisch gesehen fachte er aber längst erkaltet geglaubte Kritik an der gesamten Investition wieder an.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses nahm Bürgermeister Roland Polaschek daher die Anlage als Ganzes in Schutz. Seit vor zwei Jahren das Pumpwerk in Gerstetten in Betrieb ging und in der Folge die weiteren Pumpen in Heldenfingen, Heuchlingen und Dettingen zugeschaltet wurden, funktioniere die Anlage„ohne Störung“. Das gelte es anzuerkennen.

Gleichwohl haben sich in den vergangenen Wochen Fachleute der Gemeindeverwaltung, von Fachfirmen und Planungsbüros intensiv auf die Suche nach den Ursachen des erhöhten Stromverbrauchs gemacht.

Ortsbaumeister Bernd Müller legte dem Ausschuss lange Zahlenreihen vor. Demnach ist 2013 in allen Pumpwerken zum Teil erheblich mehr Abwasser angefallen, als von einem Planungsbüro in der Energiekostenberechnung angenommen wurde. Basis für die Berechnung waren Betriebstagebücher der Jahre 2006 bis 2008. Demnach liegen die Abwassermengen in Falle Gerstettens und Heldenfingens im Rahmen dieser Jahre, Heuchlingen liegt etwas darüber. Für Gerstetten war allerdings in der Planung ein relativ niedriger Wert angenommen worden.

Ausreißer in dieser Übersicht ist Dettingen. Dort nahmen die Planer einen Jahres-Abwasserdurchfluss von 210.000 Kubikmetern an, gemessen wurden 2013 jedoch 414 000 Kubikmeter. Der Stromverbrauch des Pumpwerks lag bei 389 000 Kilowattstunde, mehr als doppelt so viel wie angenommen.

Im Ausschuss war zwar auch von einem besonders feuchten Jahr die Rede, und BM Polaschek zeigte sich überzeugt, die Menge werde sich im Mittel der kommenden Jahre als deutlich geringer erweisen. Dazu soll im Pumpwerk Dettingen in den kommenden Wochen an diversen Stellschrauben des komplexen Systems gedreht werden, um den Stromverbrauch zu optimieren.

Hauptärgernis ist dort allerdings ein hoher Anteil an Fremdwasser. Laut Ortsbaumeister Müller hat eine Sichtkontrolle in diversen Leitungen einen „kontinuierlichen Zufluss“ ergeben, der größtenteils nicht eindeutig zugeordnet werden könne. Bereits abgedichtet wurden demnach vier undichte Schächte. Die Herkunft des Fremdwassers und Möglichkeiten, dieses zumeist saubere Wasser künftig speziell in Dettingen und Heuchlingen aus dem Abwassersystem herauszuhalten, soll ein Konzept klären, das der Ausschuss einstimmig in Auftrag gab. Die Kosten von geschätzten 32 000 Euro können offenbar zur Hälfte bezuschusst werden.

Auch in Heuchlingen lag die gemessene Abwassermenge 2013 um gut 50 Prozent über dem angenommenen Wert. Die größte Verwunderung erzeugte dort aber die Tatsache, dass gut fünfmal mehr Strom verbraucht wurde als angenommen, was sich nicht allein auf die zusätzliche Abwassermenge zurückführen lässt: Das Planungsbüro hatte mit einem Verbrauch von 0,51 Kilowattstunden pro transportiertem Kubikmeter Abwasser kalkuliert. Tatsächlich verbrauchten die Pumpen dagegen 1,64 Kilowattstunden. Im Ausschuss machte daraufhin das Wort vom „Planungsfehler“ die Runde.

Nach ersten Untersuchungen führen die beteiligten Fachleute den hohen Stromverbrauch neben noch nicht optimalen Einstellungen auch auf nicht ausreichende Pumpentechnik zurück. Nach einer Schätzung des Bauamts könnten in Dettingen und Heuchlingen zusätzliche Pumpen bei Investitionskosten von geschätzt bis zu 40 000 Euro pro Pumpwerk jährlich jeweils für rund 10 000 Euro Strom einsparen.

Bereits in Planung ist zudem, auf der Restfläche der früheren Kläranlage in Gerstetten eine Photovoltaikanlage zu errichten, die vor allem Strom für den Eigenbedarf liefern könnte. Nach Meinung der Verwaltung würde sich die Investition binnen sechs bis sieben Jahren amortisiert haben.

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