Heldenfingen / Karin Lorenz Der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller war zu Besuch in Heldenfingen. Im Mittelpunkt: die grüne Energiepolitik.

Knapp eineinhalb Stunden Zeit hatte der grüne Umweltminister für seinen Besuch auf der schwäbischen Alb mitgebracht. Landtagsabgeordneter Martin Grath nutzte die Gelegenheit, um nach der Begrüßung Bilanz über die bisherige Regierungszeit zu ziehen: „Rekordhoch bei Beschäftigung, Wirtschaftswachstum über zwei Prozent, 110 Millionen Euro für Breitbandausbau“, zählte Grath unter anderem auf.

Rund 60 Zuhörer waren aus dem ganzen Landkreis und zum Teil auch aus dem Ulmer Raum in die Gaststätte Ochsen nach Heldenfingen gekommen, um die Rede des Umweltministers zu hören.

Der ging zu Beginn auch auf die aktuelle Verschlechterung der Umfragewerte seiner Partei ein – und zeigte sich gelassen: „Dann sind wir jetzt eben etwas runter, von 30 auf 27 Prozent.“ Der Blick auf die Konkurrenz mache ihm keine Angst. Die CDU sei in der Debatte um eine Obergrenze für Flüchtlinge gefangen. Zum Aufwind bei der SPD, ausgelöst durch die Kandidatur von Martin Schulz: „Die SPD ist mit einem neuen Stern am Himmel. Es sei ihnen gegönnt – sie haben lange genug gelitten.“

Dafür habe der grüne Ministerpräsident die höchste Zustimmungsrate aller Ministerpräsidenten. Außerdem seien die Grünen die einzige Partei, die Zukunftsthemen besetze wie Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Energiewende: Mutiges Vorangehen gefordert

Dann kam Untersteller auf sein Hauptthema des Abends zu sprechen: die Energiewende. „Hier ist es Zeit für Innovationen, zum Beispiel im Hinblick auf neue Antriebstechniken.“ Mutiges Vorangehen sei da gefordert – das zu unterstützen sei ein Ziel, das man sich bei den Grünen gesetzt habe.

Dann gelte es, auf regionaler Ebene die Beschlüsse der Weltklimakonferenz voranzubringen. „Da sind wir in Baden-Württemberg federführend.“ Wenn man unter einem Zuwachs von zwei Grad Celsius bleiben wolle, müsse man die CO2-Emission bis 2050 um 90 Prozent reduzieren. „Dafür muss man den Stromsektor komplett CO2-frei machen“, so Untersteller.

„Der Kohleausstieg kommt, egal wer die Wahl gewinnt“, prophezeite der Minister. Im Braunkohleabbau gebe es 20 000 Arbeitsplätze. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien seien inzwischen aber bereits 330 000 Arbeitsplätze entstanden.

Die Umstellung auf erneuerbare Energien mache außerdem unabhängiger von Rohstoffen aus Krisenländern in Nahost und Russland. Es gelte nun auch, den Bereich Photovoltaik stärker auszubauen. Allerdings sei ihm bewusst, dass diese Umstellung auf erneuerbare Energien nicht ungeteilt auf Zustimmung stoße. Ob Windkraft, Netzausbau oder Biogasanlagen: „Es gibt Bürgerinitiativen gegen alles“, so Untersteller, dem bekannt war, dass das Thema Windkraftanlagen ebenfalls aktuell in Landkreis Heidenheim vor allem von Bürgern im Umfeld der Anlagen beziehungsweise der geplanten Anlagen kritisch gesehen werde.

Energiepolitik: Hohe Hürden für Windräder

Er wolle heute aber nicht hören, ob er Windkraftanlagen an einer bestimmten Stelle gut finde oder schlecht, betonte Untersteller: „Dafür gibt es hochkomplexe Genehmigungsverfahren.“ Die Hürden für einen Standort seien sehr hoch gelegt. „Gott sei Dank gibt es Standorte, wo es durchkommt“, stellte der Umweltminister seinen Standpunkt klar.

Dennoch kam der Minister nicht umhin, in der Fragerunde im Anschluss an seine Rede neben Kritik an zu hohen Strompreisen sich doch auch noch einmal zum Thema Windkraftanlagen äußern zu müssen. Vor allem wenn es um die Gefahren gehe, die vom Infraschall ausgehen, fühle man sich von Politik und Ämtern in Stich gelassen, warf eine Zuhörerin dem Politiker vor – zumal die Anlagen hier nicht wie im Norden auf Sand, sondern auf Fels stünden. Der große Applaus im Publikum daraufhin zeigte, dass sie nicht der einzige Gast war, den dieses Problem bewegt.

„Ich finde nicht, dass wir Sie alleine lassen“, widersprach Untersteller der Kritikerin und verwies auf eine Studie der Landesanstalt für Umwelt, die besage, dass es schon bei einem Abstand von 200 Metern hinsichtlich des Infraschalls keinen Unterschied gebe, ob die Anlage in Betrieb sei oder nicht. „Ich erwarte, dass Sie solche Untersuchungen ernst nehmen“, so der Minister. Auf das Argument der Zuhörerin, dass es über 200 Studien gebe, die zu anderen Schlüssen kommen, konnte der Minister aus Zeitgründen dann nicht mehr eingehen.