Interview „Wir sind eine Metzgerei, keine Fabrik“

© Foto: Karin Greth
Heidenheim / Karin Greth 24.02.2014
1997 übernahm Andreas Heußler den fünf Mitarbeiter großen Familienbetrieb vom verstorbenen Vater. Heute gehören 14 Filialen und 120 Mitarbeiter zur Metzgerei mit Stammsitz in Dettingen. Ein Gespräch mit dem Gründer des kleinen Metzgerei-Imperiums.
1969 gründete Christian Heußler eine kleine Metzgerei in der Heidenheimer Oststadt. Nach dem überraschenden Tod seines Vaters 1997 übernahm Andreas Heußler, damals 27 Jahre alt und gerade frisch von der Meisterschule, den fünf Mitarbeiter großen Familienbetrieb. Heute gehören 14 Filialen und 120 Mitarbeiter zur Metzgerei mit Stammsitz in Dettingen. Ein Gespräch mit dem Gründer des kleinen Metzgerei-Imperiums.

Herr Heußler, Sie haben innerhalb weniger Jahre 14 Filialen eröffnet und die Region mit Ihren Produkten erobert. Reden Ihre Mitbewerber eigentlich noch mit Ihnen?

Oh ja, das tun sie. Unser Verhältnis ist kollegial. Wir sehen die anderen Metzgereien auch nicht als Konkurrenz.

Vielleicht könnte Ihr Erfolg aber den anderen Metzgereien ein bisschen Angst machen.

Wir verdrängen ja niemanden. Wir bekommen zwar sehr viele Angebote für mögliche weitere Niederlassungen, doch wenn es in einem Ort schon eine oder zwei gut funktionierende Metzgereien gibt, lehnen wir das Angebot ab. Gerstetten ist so ein Beispiel, auch Steinheim.

In Steinheim gab es vorübergehend eine Heußler-Filiale.

Wir haben den Fehler damals sehr schnell erkannt und uns dann zurückgezogen.

Also keine Konkurrenz?

Doch. Aber unsere wirklichen Konkurrenten sind die Discounter.

Wie schätzen Sie die Marktentwicklung ein?

Zwei Tendenzen machen uns zu schaffen. Zum einen werden die Kunden immer bequemer. Sie wollen alles, was sie brauchen, von nur einem Parkplatz aus erreichen. Und das am liebsten am Samstagnachmittag. Zum anderen leidet unsere Branche unter einem Nachwuchsproblem. Wir finden fast keine jungen Leute mehr für eine Ausbildung im Verkaufsbereich. Derzeit sitzen in der Fachklasse der Berufsschule insgesamt nur noch acht Azubis aus den gesamten Landkreisen Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd. Es gehen mehr ältere Leute in Rente, als junge nachkommen.

Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die Nachwuchssituation bei Heußler?

Wir hätten gerne jedes Jahr vier oder fünf Lehrlinge, finden aber nur zwei.

Wie füllen Sie die Lücken hinter der Bedienungstheke?

Mit engagierten, fachfremden Mitarbeitern, die wir sorgfältig schulen und anlernen. Sehr gute Erfahrungen haben wir mit Müttern gemacht, die nach einer Familienpause wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Sie kennen sich aus und wissen, worauf es ankommt.

Und worauf kommt es an?

Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter wirklich hinter den Produkten stehen, die sie verkaufen. Gerade an der Theke braucht man gutes Personal, das sich auskennt, freundlich und motiviert ist.

Wie fördert man die Motivation der Mitarbeiter bei Heußler?

Motivation hängt natürlich mit der Bezahlung zusammen. Aber nicht nur. Ein angenehmes Arbeitsklima ist ebenfalls sehr wichtig. Bei uns geht es trotz der Größe familiär zu, mit vielen Mitarbeitern bin ich per Du. Auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes ist wichtig, dazu gehören arbeitserleichternde Maschinen.

Was braucht man, außer motiviertem Personal, um einen Betrieb so erfolgreich zu vergrößern, wie Ihnen das gelungen ist?

Zwei Faktoren waren bei uns entscheidend: Zum einen war es einfach der richtige Zeitpunkt. Bei vielen gut gehenden Metzgereien stand ein Generationenwechsel an, aber es fehlte ein Nachfolger in der Familie. Eine solche Metzgerei einfach zu schließen, wäre schmerzhaft gewesen, auch für die Kundschaft. Da sind wir dann eben eingesprungen. Die Filialen, die so entstanden sind, hätten jederzeit als eigenständige Metzgereien fortbestehen können.

Der zweite Faktor?

Glück.

Nicht zu vergessen Ihre strategische Entscheidung: den Neubau der großen Produktionsstätte in Dettingen – warum eigentlich gerade dort?

Wir wollten eine eigene, regionale Schlachtung, aber in Heidenheim haben wir kein Grundstück bekommen. Im Nachhinein kann man allerdings sagen, dass sich Dettingen als bessere Alternative erwiesen hat.

Wo liegen für Sie die Vorteile einer Produktion draußen auf dem Land?

Wir sind auf einem freien Feld, haben kaum Nachbarn und belästigen niemanden durch Geruch oder Lärm. Außerdem haben wir hier eine totale Nähe zur Landwirtschaft. Unsere Schweine sind gerade einmal fünf Minuten unterwegs. Wir können hier viel tierfreundlicher arbeiten.

Trotz der inzwischen stattlichen Größe Ihres Betriebs stammt das Fleisch nach wie vor ausschließlich aus der Region?

Absolut. Wir sind keine Fabrik, sondern einfach nur eine etwas größere Metzgerei. Wir kennen jeden Stall ganz genau, aus dem unsere Tiere stammen – von Kooperationspartner aus der Landwirtschaft in Dettingen, Ziertheim, Niederstotzingen, Gerstetten und Herbrechtingen. Wir sind stolz auf unser Handwerk.

Wie funktioniert tierfreundliche Schlachtung bei Ihnen im Alltag?

Zum einen eben durch kurze Transporte. Zum anderen dadurch, dass die Tiere nicht sofort geschlachtet werden. Die Tiere werden abends gebracht und dürfen dann erst einmal in unseren betriebseigenen Stall. Da bleiben sie über Nacht. Die Schweine können sich zum Beispiel noch mal suhlen, das baut Stress ab. Die Schlachtung selbst ist dann eine völlig ruhige Geschichte. Das zeigt sich auch am sehr guten pH-Wert des Fleisches.

Was sind die nächsten Herausforderungen – neue Fähnchen auf der Landkarte in Aussicht?

Wir sind eigentlich nicht mehr auf der Suche nach neuen Filialen. Unser Ziel ist es jetzt, die Auslastung der bestehenden Standorte weiter zu festigen und die Belieferung von Gewerbe und Betrieben auszubauen. Außerdem bin ich Vater von vier Mädchen im Alter zwischen zwei und 14 Jahren. Da gibt es auch privat jede Menge Herausforderungen.
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel