Gerstetten Junge Blasmusik im „Himmelszelt“

Proben an nur einem Wochenende? Kein Problem für die „Georg Rinders Mastergroup“.
Proben an nur einem Wochenende? Kein Problem für die „Georg Rinders Mastergroup“. © Foto: Markus Brandhuber
Gerstetten / Tina Lischka 15.05.2018
Die „Georg Rinders Mastergroup“ hat nur wenige Tage Zeit, um das Konzert im „Himmelszelt“ vorzubereiten. Wie es die 30 Mitglieder schaffen, alles zu koordinieren.

Sonntagmorgen um 9.30 Uhr: Schon auf dem Hof der alten Schule in Gerstetten ertönen die ersten Klänge. Erst neun Leute sind da – der Rest des knapp 30-köpfigen Orchesters kommt später. Ein Teil spielt davor noch im Gottesdienst – Konfirmationen finden an diesem Wochenende statt. Andere wiederum reisen erst einen Tag später zum verlängerten Probenwochende an. Anfangen müssen die Musiker trotzdem. Die Zeit drängt. Nur drei Termine plus Generalprobe bleiben der „Georg Rinders Mastergroup“ bis zum großen Auftritt im „Himmelszelt“.

Mit diesen Schwierigkeiten hat die Truppe immer wieder zu kämpfen. Immerhin handelt es sich bei der „Georg Rinders Mastergroup“ um ein Bläser-Symphonieorchester, das ausschließlich auf Projektbasis zusammenkommt. Heißt: Jeder der 30 Musiker hat seinen eigenen Heimat-Musikverein und nutzt dieses Angebot des Vereins „Hepp Süddeutschland“ (siehe Infokasten) ausschließlich, um zusätzlich musikalische Wege zu beschreiten. Außerdem unterscheidet sich die Formation vor allem darin von anderen, dass sie nicht wöchentlich zusammen proben kann.

Denn: Die Mitglieder sind alle zwischen 19 und 26 Jahre alt und leben überall verstreut. Die einen sind beim Studieren, andere beruflich eingespannt oder mit ihrer Ausbildung beschäftigt. Ein Problem sehen die Musiker darin trotzdem nicht. Wozu gibt es denn das Internet?

Koordination ist alles

Jeden Sonntagabend tauschen sich Vorstand und Projektleiter per Skype aus. Nur so können die Termine koordiniert werden. Immer mit dabei: Franz Gräter. Der 25-Jährige gehört zum Gründerzirkel des Vereins. „Wir haben 2015 mit sieben Leuten begonnen“, sagt Gräter und erinnert sich noch genau an das erste Projekt, bei dem die sieben Mitglieder mit einem Feuerwehrbus quer durch Osteuropa reisten und Straßenmusik machten.

Mittlerweile hat der Verein vier Hauptprojekte und über 100 Mitglieder. Eines dieser Projekte ist das Symphonieorchester – die „Georg Rinders Mastergroup“. Wie die Truppe zu diesem außergewöhnlichen Namen gekommen ist, will Gräter aber nicht verraten: „Das offenbaren wir erst bei unserem zehnjährigen Bestehen.“

Im Schnitt tritt das Orchester nur zweimal pro Jahr auf. Vor allem auf das Konzert im „Himmelszelt“ freuen sich die Mitglieder aber wieder besonders. „Das war bisher unser schönster Auftritt“, sagt Gräter über die Teilnahme 2015. Und dafür muss natürlich geübt werden. Viel Zeit haben die Musiker dafür nicht. Trotzdem schaffe man es immer, ein Konzert auch in dieser kurze Zeit zu stemmen. „Die Leute bei uns sind alle topfit. Außerdem haben wir auch musikalische Führungspersonen, die Musik studieren.“

Dazu gehört unter anderem Andreas Schmid. Am Abend vor der Probe hatte er noch einen anderen Auftritt mit seinem Quintett in Gerstetten. Jetzt steht er als Dirigent im alten Schulhaus. Er ist an diesem Morgen kurzfristig für den eigentlichen musikalischen Chef, Kreisverbandsdirigent und Erpfenbrass-Mitglied Jan Jäger, eingesprungen. Auf diese und andere Eventualitäten muss die Gruppe immer vorbereitet sein. Denn: Trotz Verein gibt es kein Vereinsheim. Man ist also immer auf die Räumlichkeiten der anderen Musikvereine im Landkreis angewiesen. „Wir haben schon in Sontheim, Dunstelkingen und Gerstetten geprobt“, erinnert sich Gräter.

Wo ist das Drum-Set?

Nicht verwunderlich ist es da, dass auch mal ein Instrument fehlt: „Das Drum-Set ist nicht hier“, ruft einer der Musiker. Schnell stellt sich heraus, dass der Musikverein Gerstetten das Instrument für seinen eigenen Auftritt eingepackt hat. Macht nichts: Hier weiß man sich zu helfen. Rein in den alten Feuerwehrbus und ab zu einem der Musiker nach Hause, um ein privates Drum-Set abzuholen. Der Rest setzt die Proben einfach fort.

Vorbereitet wird das Konzert mit einer Mischung aus traditioneller und moderner Literatur. „Wir sind ein verrückter Haufen. Bei unserem Auftritt ist alles mit dabei: vom Marsch bis zum modernen Medley,“ sagt Gräter und lacht. Immerhin setze sich die „Mastergroup“ aus Musikern unterschiedlicher Musikgenres zusammen. Da sitzt schon mal ein Metal-Drummer neben einem Pop-Sänger.

Der 23-jährige Fabian Mohrweiß aus Gerstetten gehört auch zu den Mitgliedern, die von Anfang an Teil der „Georg Rinders Mastergroup“ sind. Bei der Erinnerung an ihre Anfänge muss er schmunzeln. „Wir haben mit 14 Leuten an einem Wettbewerb teilgenommen“, sagt er, „dafür waren wir damals natürlich viel zu wenige.“ Inzwischen hat sich das geändert – außer an diesem Morgen. Aber: „Man arbeitet eben mit den wenigen, die da sind“, sagt Mohrweiß. Er weiß, dass die Planung der Proben manchmal schwierig sein kann. Der Altsaxophonist studiert selbst in Augsburg und muss nach der Probe zurück, um ein Referat vorzubereiten. Trotzdem bekommt er alles unter einen Hut.

Ähnlich geht es Jonas Gold. Der 26-Jährige studiert ebenfalls in Augsburg und jobbt nebenbei. „Es ist schon schwer, extra für die Proben herzukommen“, sagt Gold. Für diese drei bis vier Tage nehme man sich aber gerne Zeit. „Jede Minute zählt“, sagt er. Außerdem sei diese Herausforderung jedes Mal von neuem spannend. Vor allem, wenn man wie in diesem Jahr auch Selbstgeschriebenes einstudiert.

Die Musiker der „Georg Rinders Mastergroup“ sind stolz auf das, was sie leisten – vor allem aber auf den Zusammenhalt der Truppe. Konzerte, wie das im „Himmelszelt“ im Eselsburger Tal (Samstag, 19. Mai), sind für ihr Projekt die Krönung.

Ein Verein für musikalische Projekte

„Hepp Süddeutschland“ ist ein Verein für und von jungen Menschen, die sich auf neue musikalische Wege begeben wollen. 2015 wurde der Verein von sieben jungen Leuten aus dem Kreis Heidenheim gegründet. Das Ziel: Musikern die Möglichkeit zu bieten, sich neben ihrem Heimat-Musikverein an anderen musikalischen Projekten, Konzerten und auch Wettbewerben zu beteiligen. Dabei ist es den Gründern besonders wichtig, nicht in Konkurrenz zu den Musikvereinen zu stehen. Zu den Projekten gehören neben der „Georg Rinders Mastergroup“, einem Bläser-Symphonieorchester, unter anderem eine Bigband und ein Polka-Projekt.

Im „Himmelszelt“ im Eselsburger Tal ist die „Georg Rinders Mastergroup“ bereits 2015 aufgetreten. In diesem Jahr sind sie wieder mit von der Partie. Am Samstag, 19. Mai, tritt das Orchester ab 19.30 Uhr im Zelt auf. Noch bis zum 27. Mai kann man das „Himmelszelt“ besuchen. Das weitere Programm gibt es online unter www.himmelszelt.de

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