Steinheim Hochwasserschutz: „Uns geht das alles auch zu langsam“

Vollgelaufene Keller und überflutete Straßen. Den Steinheimern dürften die Bilder des Hochwassers im Mai 2016 noch allzu gut im Gedächtnis sein.
Vollgelaufene Keller und überflutete Straßen. Den Steinheimern dürften die Bilder des Hochwassers im Mai 2016 noch allzu gut im Gedächtnis sein. © Foto: Archiv, Dennis Straub
Steinheim / Carolin Wöhrle 17.07.2018
Die Steinheimer wollen Ergebnisse sehen, doch die Planungen dauern lange – etwas, das auch der Gemeinde missfällt.

Sommerzeit ist Gewitterzeit. Für diejenigen Steinheimer, die 2016 vom Hochwasser betroffen waren, ist sie aber immer wieder auch mit Unsicherheit und Sorge verbunden. Was, wenn sich der 29. Mai 2016 wiederholt? Damit das nicht passiert, muss der Hochwasserschutz in Steinheim auf neue Beine gestellt werden. Hierzu laufen seit vielen Monaten entsprechende Planungen. Es werden Gefahrenkarten erarbeitet und neue Einsatzpläne geschrieben. Vielen Bürgern geht das deutlich zu langsam – aber eben nicht nur ihnen. „Uns auch und wir hätten es gerne anders“, sagt der Steinheimer Ortsbaumeister Hans-Peter Brenner. „Aber um die Fördergelder für die Schutzmaßnahmen zu bekommen, müssen wir uns als Gemeinde an die Spielregeln halten.“

Diese Spielregeln werden hauptsächlich vom Regierungspräsidium Stuttgart vorgegeben. Verlangt werden eine Flussgebietsuntersuchung, eine Starkregengefahrenkarte und eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Vor allem die Notwendigkeit einer solchen Kosten-Nutzen-Rechnung dürfte vielen Steinheimern schwer zu vermitteln sein, schließlich betrug die Schadenshöhe 2016 mehr als sechs Millionen Euro. „Wir alle kennen natürlich schon den Nutzen dieser Maßnahmen“, sagt auch Brenner. Damit Fördergelder fließen, muss aber alles Schwarz auf Weiß vorliegen.

Zumindest die drängendste Schutzmaßnahme, so das Signal des Regierungspräsidiums, wird auch unabhängig von dieser Berechnung gefördert und kann zeitnah umgesetzt werden: die Vergrößerung des Einlaufs im Wental.

Die Ergebnisse der Flußgebietsuntersuchung liegen dem Rathaus mittlerweile auch vor und sollen dem Gemeinderat im September nach der Sommerpause vorgestellt werden. Die Starkregengefahrenkarte, wohl die wichtigste Planungsgrundlage für Steinheim, wird derzeit von Experten aus Karlsruhe und Freiburg erarbeitet.

Neuer Einsatzplan für Bauhof und Feuerwehr

„Bis alles umgesetzt ist, wird es noch länger dauern“, sagt Brenner. „Dabei muss man aber auch beachten, dass das alles mehrere Millionen Euro kosten wird.“

Bald fertig ist ein neuer Einsatz- und Alarmierungsplan, den die Gemeinde zusammen mit dem Bauhof und der Feuerwehr erarbeitet hat. Wann wird wer wie alarmiert und eingesetzt, sollte es wieder zu Hochwasser kommen? Bereits jetzt seien Bauhofmitarbeiter in Bereitschaft, wenn sich Starkregen ankündigt. Regelmäßig, so Brenner weiter, würden die Muldenabläufe kontrolliert.

Erst kürzlich hatten sich Anwohner der Gartenstraße und Königsbronner Straße in einem Leserbrief an die HZ beklagt, dass sie selbst während eines Starkregens die Schächte leeren mussten. „Warum gerade an diesem Einlauf etwas war, kann ich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen“, sagt Brenner zu diesem konkreten Fall. Generell würden die Straßeneinläufe einmal im Jahr gereinigt. Besagter Schacht wurde nun noch einmal gesäubert, sagt der Ortsbaumeister. Die Kontrollen habe man zudem verstärkt.

„Ich selbst war in letzter Zeit öfter unterwegs und musste auch feststellen, dass in vielen Gebäuden die Rückstauklappen entweder gar nicht vorhanden oder defekt sind“, so Brenner weiter.

Daher appelliert er auch an die Bürger, ihre eigenen Schutzvorrichtungen zu kontrollieren.

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