Kreis Heidenheim / Klaus-Dieter Kirschner Nach knapp 36 Jahren als Vorsitzender wurde Dr. Josef Habelt mit einer der höchsten Ehrungen des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Viel Applaus am Freitagabend für Dr. Josef Habelt in der Gussenstadter Gemeindehalle: Nach 36 Jahren an der Spitze des Kreisverbands Heidenheim im Blasmusikverband Baden-Württemberg (BVBW) hatte Habelt seinen Abschied eingereicht. Die schwere Erkrankung nach einem Ski-Unfall beeinträchtigt unverändert den Herbrechtinger, der jetzt noch – trotz halbseitiger Lähmung – das Tubaspiel erlernt.

Vor der besonderen Ehrung hatte die Jahresversammlung einmütig dem Antrag des Kreisvorstands zugestimmt, Dr. Josef Habelt zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Prominentester Gast war Vizepräsident Karl Glöckler (Ehingen), der die Grüße des BVBW-Präsidenten Rudolf Köberle überbrachte und Habelt einen Glücksfall für die Blas- und Volksmusik nannte.

„Keiner so lange im Ehrenamt“

Habelt hinterlasse einen gut aufgestellten Kreisverband, in dem über alle Generationen hinweg gut musiziert werde. Vor ihm, und wohl auch nach ihm, werde kein Vorsitzender noch einmal annähernd so lange im Ehrenamt tätig sein. Glöckler würdigte aber auch Habelts großen Einsatz in seinen 30 Jahren als Vizepräsident. Dort, im Landesverband, seien in den letzten Jahren wichtige Weichenstellungen für die Zukunft erfolgt und eines nahen Tages würden dann in der Musikakademie alle Ausbildungsvorhaben konzentriert. Glöckler steckte die Miniatur der Verdienstmedaille in Gold des Blasmusikverbands an und überreichte ihm die Goldplakette und den Ehrenbrief.

Im wahrsten Sinne Geschichte gestaltet und geschrieben habe Habelt, sagte Reinhard Böhm als stellvertretender Kreisvorsitzender und nahm das Stichwort seines Vorredners auf. In der Tat sei keiner länger im Amt gewesen als Habelt. Bis 1974 gab es den Bezirk 2 Kocher/Brenz des Süddeutschen Volksmusikerbundes. Zum Bezirk 2 gehörte der Altkreis Aalen und der Landkreis Heidenheim. Mit der Kommunal- und Kreisreform wurden die Bezirke im späteren Blasmusikverband neu zugeschnitten.

Aalen und Heidenheim waren fortan getrennt. Erster Bezirksvorsitzender wurde Kurt Windmüller, der vorher schon Vorsitzender des Bezirks 2 war. Von 1974 bis 1976 dauerte die Amtszeit. Nachfolger wurde der unvergessene Forstdirektor Dr. Paul Burk, ihn vertrat Karl Ogger (Söhnstetten). Nachdem Dr. Burk 1980 Opfer eines tödlichen Unfalls wurde, wurde Karl Ogger Nachfolger und Karl-Heinz Minder sein Stellvertreter. Zu dem Zeitpunkt war nicht absehbar, dass Ogger 1982 zum Bürgermeister in Heroldstatt gewählt werden würde. Minder übernahm, blieb nur ein Jahr, nach dem ihn sein Arbeitgeber an einen anderen Dienstort versetzt hatte.

Dr. Habelt wurde 1983 erstmals zum Kreisvorsitzenden gewählt; sein Stellvertreter war Hans Weiler aus Söhnstetten. Damals waren alle davon überzeugt, dass der Kreisverband endlich ruhiges Fahrwasser erreicht haben würde. Man sollte sich täuschen. Zum Kreisverband Heidenheim zählten noch sieben Musikvereine im bayrischen Bachtal. Als ein Zöschinger im Bezirk 17 zum Vorsitzenden gewählt wurde, brachte er aus dem Kreis Heidenheim sechs Musikkapellen mit geschätzten 150 Musikern mit. Heute ist unter den 25 Musikvereinen im Kreisverband Heidenheim nur noch der Musikverein Bachhagel aus dem Bayrischen dabei.

Reinhard Böhm erinnerte auch an die Mitgliederentwicklung. Einst hatte der Kreisverband über 7000 aktive oder fördernde Mitglieder. Heute sind es 5658 Personen. Die Werbung neuer Mitglieder und eine stabile Jugendarbeit seien stets Habelts Herzensanliegen gewesen.

Marsch für den Kreis Heidenheim

Unter stürmischem Beifall erhielt Habelt die Ernennungsurkunde zum Ehrenvorsitzenden. Absolute Überraschung war die Uraufführung eines Marschs für den Kreis Heidenheim, den der vormalige Kreisdirigent Norbert Hann rechtzeitig zur Jahresversammlung vollenden konnte. Aufgeführt wurde sie vom Musikverein Gussenstadt unter seinem Vize-Dirigenten Lars Bischoff.

Sichtlich gerührt trat Habelt ans Rednerpult: „Wir sind zwar der kleinste Kreisverband – aber auch der feinste.“ Der Redner dankte seinen Weggefährten im Kreisvorstand und den Musikvereinen für großartige Arbeit. Man möge in der Werbung junger Menschen wie der fördernden Mitglieder nicht nachlassen sondern eher noch „einen Zahn zulegen“.