Herbrechtingen Herbrechtingen hat einen neuen Pfarrer

Pfarrer Michael Rau (links) wurde am Sonntag offiziell in sein Amt als geschäftsführender Pfarrer von Herbrechtingen eingeführt. An seiner Seite: der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Heidenheim, Dr. Karl-Heinz Schlaudraff.
Pfarrer Michael Rau (links) wurde am Sonntag offiziell in sein Amt als geschäftsführender Pfarrer von Herbrechtingen eingeführt. An seiner Seite: der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Heidenheim, Dr. Karl-Heinz Schlaudraff. © Foto: Markus Brandhuber
Herbrechtingen / Marita Kasischke 03.07.2018
Michael Rau heißt der neue geschäftsführende Pfarrer der Gemeinde. Mit einem Gottesdienst, der in einen lockeren Empfang mündete, trat er die seit einem Jahr vakante Stelle am Sonntag im Rahmen seiner Investitur an.

„Unbändig“ sei die Freude über den neuen Pfarrer, so der Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats, Wolfgang Geiger. Und diese Freude kam schon in der hohen Beteiligung am Investiturgottesdienst von Pfarrer Michael Rau am Sonntag zum Ausdruck. Dicht gefüllt waren die Bankreihen in der Klosterkirche, und in hoher Zahl nahmen die Gottesdienstbesucher auch die Gelegenheit wahr, ihre neue Pfarrfamilie beim Empfang im Albrecht-Bengel-Gemeindehaus kennenzulernen.

Und auch dort herrschte die pure Freude darüber, dass die Pfarrstelle nach einem Jahr Vakanz wieder besetzt werden konnte, das umso mehr, als Pfarrer Michael Rau „einen reichen Erfahrungsschatz und eine große Interessenvielfalt“ mitbringe, wie es Eva Glock von der Landessynode in ihrem Grußwort ausdrückte. Reichlich Alberfahrung bringt der 55-Jährige auch mit: In Gerstetten aufgewachsen, war er bereits in Steinheim und zuletzt 15 Jahre in Bopfingen tätig. Auch aus dem dortigen Kirchengemeinderat waren Gäste erschienen, und das durchaus nicht leichten Herzens. Lassen sie doch, wie sie immer wieder betonten, ihren Pfarrer ungern ziehen.

Empfang in lockerer Atmosphäre

Dass Rau in Herbrechtingen alt werden möge, das wünschte Bürgermeister Dr. Bernd Sipple, und dass dies gut zu bewerkstelligen sei, zeige sich am Beispiel von Pfarrer a. D. Hans-Ulrich Götz: Der über 90-Jährige hatte es sich nicht nehmen lassen, ebenfalls beim Empfang dabei zu sein. In Sipples durchweg heiterem Grußwort – charakteristisch nicht nur für ihn, sondern für die gesamte lockere Atmosphäre des Empfangs – ging er vor allem auf die Gemeinsamkeiten ein: Sipple und Rau sind gleich alt, „wir lieben es, den Dingen auf den Grund zu gehen“ und beide seien Anhänger des Bootfahrens, wobei Sipple sogleich die Brenz zu erkunden ans Herz legte.

„Das Schlimmste, was einem in Herbrechtingen passieren kann, ist, nach Dr. Sipple sprechen zu müssen“ – Beate Limberger von der Katholischen Kirche mag dies als Vorwarnung für Michael Rau gedacht haben, sie hatte auf jeden Fall die Lacher auf ihrer Seite. „Ein Lächeln zu haben und Sinn für Humor“ war denn ihr Wunsch für den neuen Kollegen, mit dem sie das Wort „Ökumene“ weiterhin mit Leben füllen wolle. Auch der Vorsitzende des Katholischen Kirchengemeinderats, Dieter Knolmar, wünschte sich den „Blick über den Kirchturm hinaus“, der in weiteren ökumenischen Begegnungen gepflegt werden möge: „Wir freuen uns auf Sie.“ Freude auf die künftige Zusammenarbeit bekundete auch Bärbel Gekeler von der Ökumenischen Sozialstation, die Michael Rau einen „guten Blick“ wünschte, denn „man müsse Neues machen, um Neues zu sehen“.

„Mein Herz schlägt hier“

„Sie sind im besten Distrikt des ganzen Bezirks, das werden Sie noch merken“, hieß Pfarrer Andreas Kammer aus Mergelstetten seinen Kollegen für die Pfarrerschaft des Distrikts willkommen. Er sei bisher schon im besten Distrikt des vorherigen Bezirks gewesen, nahm Michael Rau den launigen Grundton aller Grußworte in seinem Dank auf und bekundete, sich schon jetzt wohl und aufgehoben zu fühlen: „Mein Herz schlägt hier.“ Dass die Gemeinde ihm ein Herzensanliegen sein möge, wünschte Wolfgang Geiger schließlich und verpackte dies in das Wortspiel „Rau, aber herzlich“, das ebenfalls mit Heiterkeit aufgenommen wurde. Geiger wie auch Dr. Sipple dankten Pfarrer i. R. Hans-Georg Karle und Pfarrerin Silke Kuczera, die die Vakanz bis zur Neubesetzung überbrückt hatten.

In seiner Predigt zuvor, seiner ersten in der neuen Wirkungsstätte, hatte Michael Rau, nachdem er von Dekan Dr. Karl-Heinz Schlaudraff eingesetzt worden war, über die Führung Gottes und die Art, wie er diese zeige, gesprochen und dabei großen Eindruck hinterlassen. Diese Gedanken wurden in den Grußworten immer wieder zitiert. Umrahmt wurden sowohl Gottesdienst als auch Empfang vom Posaunenchor unter der Leitung von Stephanie Hessling – die Freudenklänge passten bestens zur Stimmung, die Gemeinde und der neue Pfarrer einander entgegenbrachten.

Die Investitur und wo sie herkommt

Der Begriff kommt aus dem Lateinischen von vestire, bekleiden. Steht er in Zusammenhang mit der Kirche, so bedeutet es die Einsetzung oder Einweisung in ein geistliches Amt.

Ursprünglich ging es dabei vor allem um die Einführung eines Bischofs mit einer entsprechenden Belehnung (Land). Dabei bekam er einen Ring und einen Stab. Da diese Insignien vom weltlichen Herrscher übergeben wurden, kam es zum Investiturstreit zwischen den Päpsten und den Herrschern.

Evangelische Pfarrer wie Michael Rau werden in einem Festgottesdienst nach einer festen Liturgie durch den Dekan in ihr Amt eingesetzt. Voraussetzung dafür ist die Ordination. Bei der Investitur verpflichten sich die Mitglieder des Kirchengemeinderates, mit dem Pfarrer zusammenzuarbeiten. Der Pfarrer wird auf das Amtsgelöbnis verpflichtet, besonders auf das Beichtgeheimnis.

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