Herbrechtingen / Elena Kretschmer  Uhr
Bevor der Baum auf dem Rathausplatz aufgestellt werden konnte, kam Initiatorin Beate Häring noch ganz schön ins Schwitzen. Über Nacht war die fertig geschmückte Fichte entwendet worden.

Die Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter versetzten Beate Häring am Dienstagmorgen für kurze Zeit in Panik. „Der Baum ist weg, hieß es. Da bin ich natürlich aus allen Wolken gefallen, mein Puls war kurz auf 180“, erzählt die Initiatorin des diesjährigen Maibaumaufstellens auf dem Herbrechtinger Rathausplatz. „Jedenfalls habe ich dann mit den Burschen telefoniert, die dafür verantwortlich waren.“ Es waren dieselben jungen Männer der Landjugend Zöschingen und der Oberbechinger Jugend, die einige Tage zuvor bereits den Maibaum in Giengen entwendet hatten.

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Zu dieser Aktion inspiriert hatte die jungen Männer angeblich der Artikel in der HZ. „Aber wenn sie den aufmerksam gelesen hätten,“, so Häring, „wäre ihnen bewusst gewesen, dass ich das alles in Eigenregie auf die Beine gestellt habe.“ Damit fehlten eben auch die notwendigen Mittel für ein großes Auslöse-Vesper. „Ich hab ihnen das dann erklärt und zum Glück waren sie einsichtig. Sie haben sich entschuldigt und den Maibaum anstandslos zurückgebracht.“ Er sei sogar äußerst sorgfältig in Folie verpackt gewesen, sodass ja nichts kaputt geht.

Im vergangenen Jahr war bis zuletzt nicht klar, ob es in Herbrechtingen einen Maibaum auf dem Rathausplatz geben wird. Um heuer nicht vor einem ähnlichen Problem zu stehen, hat sich die Bolheimerin frühzeitig um alles gekümmert.

Enten-Eskorte

Als die 52-jährige Bolheimerin die etwa 23 Meter hohe Fichte schließlich gemeinsam mit Tobias Wiedenmann und den Helfern auf dem Rathausplatz in Position brachte, war der Schock vom Morgen schon wieder verdaut. Zusätzlich sorgte eine Entenfamilie mit acht Küken für ein wenig Aufmunterung. „Die sind direkt am Baum vorbeigewatschelt, die Stufen neben dem Jugendhaus runter in Richtung Brenz. Wir haben dann kurz alles stehen und liegen lassen, um sie zu begleiten“, erzählt Häring freudig.

Die Feuerwehr stellte den von Häring geschmückten Maibaum letztendlich unter den prüfenden Blicken zahlreicher Zuschauer ganz traditionell mit Schwalben, also stützenden Stangenpaaren, auf. Zwar ist das eine Methode, die Zeit braucht, aber, so Pressesprecher Michael Salwik: „Wir sind meines Wissens nach eine der letzten Feuerwehren im Landkreis, die das überhaupt noch so macht.“ Mit 30 Aktiven und 15 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr sorgte die Abteilung Herbrechtingen für höchstmögliche Sicherheit. Zum Schluss brachte Wiedenmann mithilfe seines Hubsteigers noch die Zunftzeichen an.

Während sich das Publikum bei Würstchen und Bier noch die Cheerleader der TSV Herbrechtingen sowie die Tanzgruppe Hilares Saltatores ansahen, freute sich Initiatorin Häring über das insgesamt doch gelungene Fest: „Ich bin allen so dankbar, vor allem auch dem Schützenverein für die Verpflegung – die mussten sogar nochmal Nachschub holen – und dem Musikverein für die tolle Unterhaltung.“ Sie habe sich sehr gefreut, dass so viele Leute das Spektakel auf dem Rathausplatz verfolgten.

Eigentlich werden in der Mainacht Maibäume geklaut. In Herbrechtingen fand stattdessen eine wundersame Vermehrung statt.

Das Maibaumstellen mit Schwalben

Das traditionelle Maibaumaufstellen mit langen Stangen, den sogenannten Schwalben, ist nicht ganz ungefährlich. Denn wenn die Stangen brechen, der Baum verrutscht oder gar bricht, kann das böse enden. Deshalb wird das Aufstellen genau überwacht. In Herbrechtingen hatte einer der Feuerwehrleute stets das Gesamtgeschehen im Auge, ein anderer gab die Anweisungen zum Anheben. An jeder Stange und jedem Sicherungsseil waren mindestens zwei Leute positioniert. Zum Schluss wurde der Baum mit vereinten Kräften in der etwa eineinhalb Meter tiefen Verankerung im Rathausplatz versenkt. Erst als alles sicher platziert war, wurden die Stangen und Seile entfernt. ek