"Mama Auernheim" ist keine eiserne Lady

24 Stunden am Tag Ansprechpartnerin für die Menschen in Auernheim: Ortsvorsteherin Ingrid Ochs nahm die mit ihrem Amt verbundenen Aufgaben in „ihrem“ Dorf mit viel Herzblut und Einsatz wahr.
24 Stunden am Tag Ansprechpartnerin für die Menschen in Auernheim: Ortsvorsteherin Ingrid Ochs nahm die mit ihrem Amt verbundenen Aufgaben in „ihrem“ Dorf mit viel Herzblut und Einsatz wahr. © Foto: Foto: hof
Florian Hofmann 23.03.2012
Die Tage von Ingrid Ochs im Amt der Ortsvorsteherin in Auernheim sind gezählt. Der Ortschaftsrat hat sie bereits von ihren Aufgaben als Ortschaftsrätin entbunden. Mitte April wird der Nattheimer Gemeinderat einen Nachfolger für die seit 19 Jahren als Ortsvorsteherin tätige Kommunalpolitikerin wählen.

Anlass genug, „Mama Auernheim“, wie „ihre“ Auernheimer sie nennen, und ihr vielfältiges Wirken für den Nattheimer Teilort und seine Bürger zu würdigen.

Ingrid Ochs wurde erstmals 1989 in den Gemeinde- und Ortschaftsrat gewählt. Damals ein Novum: Hatte der Auernheimer Ortschaftsrat doch bis dahin noch nie ein weibliches Mitglied gehabt. Ortsvorsteher Alfons Ganzenmüller begrüßte die neue Ortschaftsrätin damals mit den Worten: „Ich freue mich ganz besonders, dass eine Frau ins Gremium gekommen ist“. Doch der eigentliche Clou sollte erst folgen. Da Ganzenmüller nach 24 Jahren als Bürgermeister und Ortsvorsteher in den Ruhestand gehen wollte, hatte er sich die frischgebackene Ortschaftsrätin als Ortsvorsteherin auserkoren.

Ochs jedoch zögerte. Mit dem Repräsentieren und Organisieren sei es alleine nicht getan. Es werde viele Aufgaben geben, die sie nicht machen könne, so ihre damalige Einschätzung. Ganzenmüller jedoch beharrte auf seinem Vorschlag und wurde am 1. Dezember 1989 in dieser Zeitung mit den Worten zitiert: „Du musst ja keine eiserne Lady werden, wie die Thatcher in England. Aber du hast Durchsetzungsvermögen und Stehvermögen“. Beides sollte in der Tat ihr Merkmal werden, wenngleich 1989 zunächst – nach längerem Hin und Her – Heinrich Bolsinger Auernheimer Ortsvorsteher wurde. Ochs hingegen tastete sich als dessen Stellvertreterin in das Amt vor.

Schließlich sollte es keine drei Jahre dauern, bis Ochs dennoch Ortsvorsteherin des Nattheimer Teilortes wurde. Heinrich Bolsinger konnte sein Amt aus beruflichen Gründen nicht mehr fortführen und so oblag es Ochs, das Ortszepter in die Zukunft zu führen. Dass sie am Ende ihrer Amtszeit auf über 19 Jahre Ortsvorstehertätigkeit zurückblicken könne („konnte mir nie vorstellen, einmal aufzuhören“), wagte damals noch niemand zu ahnen. Schlagzeilen waren ihr jedoch schon damals sicher: Immerhin war die 42-jährige Einzelhandelskauffrau die einzige Frau in ganz Ostwürttemberg im Rang einer Ortsvorsteherin.

Nicht die „eiserne Lady“ ist Ochs geworden, sondern vielmehr der Mensch, den viele mit Auernheim verbinden. Liebevoll wurde sie im vergangen Jahr, während der Feierlichkeiten zu ihrem 60. Geburtstag, zur „Mama Auernheim“ gekürt. Eine Ehre, die das menschliche Wirken der vielfältig engagierten Kommunalpolitikerin („Ich war 24 Stunden Ansprechpartnerin für die Menschen“) deutlich macht. Dass dies bei den Auernheimer und Steinweiler Bürgern auf ein positives Echo gestoßen ist, beweisen die zahlreichen, zuweilen auch „sehr liebevollen“ Resonanzen, die Ochs in den letzten Wochen erhalten hat. Ihr Fazit: „Es tut schon gut zu sehen, dass die Arbeit gewürdigt wird“.

Dass ihr die ehrenamtliche Tätigkeit auch richtig Freude bereitet, sieht man Ingrid Ochs an. Ein heiteres Lächeln liegt auf ihren Lippen, sobald sie von ihrer Tätigkeit und vor allem von „ihrem Auernheim“ erzählt. „Ich habe in den letzten 20 Jahren für mein Dorf gelebt“, so das vielsagende Bekenntnis der gebürtigen Auernheimerin. Daher ist es nur zu gut verständlich, dass ihr Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge verbunden sei.

Zu den größten Errungenschaften während ihrer Amtszeit zählt die 61-Jährige insbesondere den Erhalt der gemeindeeigenen Gebäude. Dazu gehört neben dem Lehrerwohnhaus unweit der Grundschule auch das Rathaus, das Ochs als „Herzstück des Ortes“ betrachtet. Daneben konnte in ihrer Amtszeit ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut und den Floriansjüngern ein neues Löschfahrzeug angeschafft werden. Steinweiler erhielt ein Bürgerhaus, in dem seit 2001 auch der Kindergarten „Abraxas“ untergebracht ist. 2008 schließlich konnte „750 Jahre Auernheim“ gefeiert werden – „ein bleibendes Erlebnis“.

Dies jedoch sind nur die „Highlights“, wie Ochs es ausdrückt. Mindestens genauso wichtig seien ihr stets die unzähligen Kleinigkeiten des Alltags gewesen, die sie ohne ihre ehrenamtlichen Helfer („denen bin ich unendlich dankbar“) nicht hätte bewältigen können. Dass dabei oftmals auch die Familie in den Hintergrund treten musste, daraus macht Ochs keinen Hehl. Aus diesem Grund will sich die zweifache Mutter und vierfache Großmutter zunächst auch vordergründig um ihre Familie kümmern. Daneben wolle sie reisen und ihren Leidenschaften, dem Fahrradfahren und dem Wandern, mehr Zeit widmen. Ehrenamtlich engagiert bleibt Ochs indes auch weiter: Als Übungsleiterin ist sie beim Sportverein Auernheim aktiv und wurde erst kürzlich zur stellvertretenden Nattheimer CDU-Ortsverbandsvorsitzenden gewählt.

Dass sie auch zukünftig nicht an den „Baustellen des Ortes“ mit verbundenen Augen vorbeilaufen könne, ist sich Ingrid Ochs sicher. „Nun will ich aber erst mal Luft holen und mich neu orientieren“, so die Prognose der scheidenden Ortsvorsteherin. Was sie danach mache, sei noch völlig offen. Ideen freilich gebe es genug.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel