Herbrechtingen / Manfred F. Kubiak Die Sontheimer Sopranistin Theresa Romes will in Herbrechtingen ein Kunstlied-Festival etablieren.

Vor der Erfindung des Smartphones sollen die Menschen tatsächlich noch selber gesungen haben. Einfach so. Bei allen möglichen Gelegenheiten. Heute hingegen würde jemand, der, sagen wir mal, singend durch den Wald liefe in etwa als so verrückt eingestuft werden, wie es damals einer worden wäre, der gestikulierend und kichernd auf ein nicht vorhandenes Gegenüber einredend an der Ampel gelehnt hätte.

Womit wir nach diesem maßlos übertriebenen kulturpessimistischen Aufgalopp auch schon in medias res wären. Beim Gesang an sich – und beim Kunstlied vor allem. Denn selbst dieses lebt ja, wenn wir ehrlich sind, noch ein bisschen. Und es gibt Leute, die es hier und da sogar gern noch ein wenig blühender leben sehen möchten.

Schöner Ort mit Ambiente

Zu ihnen gehört Theresa Romes. Die ist Sängerin. Und da eine Sängerin singen muss, könnte man es sich einfach machen, ihrer Sorge um das Kunstlied bloßes Eigeninteresse unterstellen und die Sache ein wenig tiefer hängen. Da Theresa Romes allerdings nicht mal schnell singen und nach dem Konzert wieder verschwinden will, sondern das Kunstlied in den Mittelpunkt eines jährlichen Festivals stellen möchte, kann man getrost von erheblicher Ernsthaftigkeit ausgehen.

Und dass das Festival ausgerechnet in Herbrechtingen angesiedelt werden soll, scheint nur auf den ersten Blick ein wenig kurios. „Das Kloster in Herbrechtingen ist ein schöner Ort mit Ambiente, der sogar noch einen Flügel hat“, sagt Theresa Romes. Woher sie das wissen kann? Nun, Theresa Romes stammt aus Sontheim an der Brenz. Was wiederum erklärt, weshalb sie das Festival im Landkreis Heidenheim etablieren möchte.

Und als Sontheimerin weiß sie, dass das keine Utopie sein muss. Denn in ihrem Heimatort hat der ebenfalls dort aufgewachsene Pianist Georg Michael Grau innerhalb von drei Jahren ein Kammermusik-Festival als Bühne für junge Künstler etabliert, das nicht zuletzt auch vom Rückhalt der Bevölkerung in der Gemeinde getragen wird. „Zum Beispiel sind die Musiker während der Festivalwoche privat im Ort untergebracht“, sagt Theresa Romes. „Solche Nähe hat schnell ein Gemeinschaftsgefühl geschaffen, die Menschen in Sontheim entwickeln einen Stolz auf die Kultur und sehen sie nicht nur als Last, die womöglich auch noch etwas kostet.“

Etwas in der Art schwebt der Sopranistin, die ihre Studien an der Musikhochschule in Würzburg diesen Sommer abschließen wird, auch für Herbrechtingen vor. Und Unterstützung ist bereits vorhanden. Siebzehn Mitglieder hatte bei seiner Gründung der Förderverein „Liederfrühling“, der Theresa Romes in Sachen Festival zur Seite steht. Weitere Interessenten haben sich bei der Sängerin bereits gemeldet.

Der Einfachheit halber heißt der Verein wie das Festival: „Liederfrühling“ also. Und die erste Ausgabe wird von Freitag, 17. bis zum Sonntag, 19. Mai, in Herbrechtingen über die Bühne gehen. Drei Tage also – mit drei Konzerten. Zwei Sopranistinnen, ein Tenor, ein Bariton, zwei Pianisten, eine Pianistin, ein Gitarrist und eine Moderatorin bilden das künstlerische Personal des Wochenendes.

Im Mittelpunkt stehen wird dann, das wurde bereits angedeutet, das Kunstlied, und zwar das Kunstlied im bekannt engeren, wenn man so will, deutschen Sinn, also musikalisch anspruchsvolle Lyrikvertonungen vor allem für Gesang und Klavier à la „Erlkönig“ oder „Forelle“, wie sie vor allem ab der Romantik und mit Franz Schubert als erstem Meister üblich geworden waren.

Nah dran an den Künstlern

Wobei die Ausübung dieser Kunst schon mal üblicher war als heute. Auch deshalb will Theresa Romes aktiv werden: „Ich finde es schade, dass das Kunstlied so wenig zu hören ist. Weil ich aber davon überzeugt bin, dass es vielen Leuten gefiele, wenn sie es denn kennen würden, möchte ich durch das Festival die Möglichkeit eines Zugangs zum Kunstlied schaffen.“

Als weiteres Lockmittel für Unentschlossene führt die Sängerin ins Feld: „Man ist bei einem Liederabend viel näher dran an den Künstlern als zum Beispiel in einer Oper. Und es werden mittels der Lieder ja auch Geschichten erzählt, bloß dauert das nicht so lange wie im Musiktheater.“

Noch was pro Kunstlied? „Wir leben ja in ziemlich reizüberfluteten Zeiten“, weiß Theresa Romes, und verrät ihr Rezept zur Entspannung: „Mich beruhigt so ein Liederabend immer ungemein.“

Drei Tage, drei Konzerte

Drei Konzerte beinhaltet das Programm des ersten „Liederfrühling“-Festivals im Kloster in Herbrechtingen. Los geht’s am Freitag, 17. Mai, um 19 Uhr. Dann stehen unter dem Motto „Sehnsucht“ Lieder, Duette und Ensembles von Franz Schubert im Mittelpunkt.

Der zweite Abend am Samstag, 18. Mai, ist mit „Wandelkonzert“ überschrieben und beginnt um 18 Uhr im Heimatmuseum in Herbrechtingen mit Liedern aus den verschiedenen Heimatländern der Künstler des Festivals. Um 19.30 Uhr begibt man sich dann ins Kloster, wo, einschließlich einer Uraufführung, Lieder des Heidenheimer Komponisten und Pianisten Eric Mayr auf dem Programm stehen.

Am Sonntag, 19. Mai, wird sich ab 18 Uhr im Kloster alles um Lieder, Duette, sogar Quartette und Klaviermusik von Johannes Brahms drehen.

Eintrittskarten für die drei Festivaltage sind im Vorverkauf in der Stadtbücherei in Herbrechtingen (Tel. 07324.9551351) und in Sontheim/Brenz im Schreiblädle (Tel. 07325.4432) erhältlich.

Weitere Informationen zum Programm und den Künstlern unter www.liederfruehling.de