Kreis Heidenheim „Kulturelle Alb-Partie“: Eine Plattform, die nur wenige nutzen

Evelin Liber (links) und Andrea Neumayer setzen sich seit elf Jahren dafür ein, die Kultur der Gemeinden im Landkreis besser zu vernetzen und über die Kreisgrenzen hinaus bekannt zu machen. Doch ihnen fehlt das Engagement der Gemeinden.
Evelin Liber (links) und Andrea Neumayer setzen sich seit elf Jahren dafür ein, die Kultur der Gemeinden im Landkreis besser zu vernetzen und über die Kreisgrenzen hinaus bekannt zu machen. Doch ihnen fehlt das Engagement der Gemeinden. © Foto: Sabrina Balzer
Kreis Heidenheim / Joelle Reimer 10.07.2018
Zwei Gerstetterinnen organisieren seit elf Jahren die „Kap“-Wochen. Sie wollen Kultur im Landkreis überregional bekannter machen – doch ihnen fehlt das Engagement der Gemeinden.

Andrea Neumayer und Evelin Liber haben viele Gemeinsamkeiten. Sie wohnen beide in Gerstetten, kennen sich seit etlichen Jahren, interessieren sich für Kultur – und kümmern sich zusammen um den Verein Künstler im Dorf. Doch die beiden Frauen verbindet noch etwas anderes. Ihnen geht es so, wie es vielen geht, die sich ehrenamtlich für die Kultur engagieren: Gute Ideen sind da, doch die Umsetzung gestaltet sich schwierig. Das geben sie nach elf Jahren, in denen sie nun schon die sogenannte „Kulturelle Alb-Partie“ (Kap) auf die Beine stellen, unumwunden zu.

„An sich ist unser Verein eine tolle Sache. Der Ursprungsgedanke war, die elf Gemeinden im Landkreis zusammenzubringen, was die kulturellen Angebote angeht“, sagt die 59-jährige Neumayer. Ressourcen zu bündeln, Netzwerke aufzubauen, über die Kreisgrenzen hinweg aufzutreten und so die Kultur im Landkreis überregional bekannter zu machen. „Aber genau das ist der Knackpunkt. In all den Jahren haben wir es nie wirklich geschafft, den Landkreis zusammenzuführen“, sagt die 51-jährige Liber.

Spezielle Angebote vom Verein

Was die beiden jedoch geschafft haben, sind die „Kap“-Wochen: Über vier Wochen im Sommer hinweg werden kulturelle Veranstaltungen, Feste und Aktionen gebündelt und gemeinsam nach außen kommuniziert. „Da sind natürlich Dinge dabei, die sowieso stattfinden, wie das Bandlift-Festival, Halb 8 in Giengen oder das Königsbronner Theater. Wir versuchen aber jedes Jahr, auch vom Verein aus spezielle Angebote zu machen“, erklärt Neumayer. Das sind dieses Jahr eine Cabriotour zu Schloss Lichtenstein am Samstag, 21. Juli, eine geführte Motorradtour am Donnerstag, 2. August, eine Caribische Nacht mit Salsaschnupperkurs am Samstag, 4. August oder die Fotoausstellung „Zahnärzte ohne Grenzen“ im Gerstetter Rathaus, mit der am 19. Juli die „Kap“-Wochen eröffnet werden.

Hinter diesen Wochen, hinter der „Kulturellen Alb-Partie“ steckte und steckt noch immer der Gedanke, unbekannten Künstlern und Kunsthandwerkern eine Plattform zu geben. „Zuerst haben wir als Künstler im Dorf Ausstellungen organisiert – das waren die ,Wege zur Kunst', die heute noch alle zwei Jahre stattfinden“, erzählt Neumayer. Daraus entwickelte sich die Idee für die „Kulturelle Alb-Partie“, die mit Hilfe der Gemeinde Gerstetten, des Landratsamtes und finanzieller Unterstützung aus dem Leader-Fonds und verschiedener Sponsoren im Jahr 2008 zum ersten Mal umgesetzt wurde – als Basis hierfür gründeten die Verantwortlichen den Verein Künstler im Dorf.

Programm stark reduziert

Seither erscheint jedes Jahr im Sommer ein gemeinsamer Flyer zu den „Kap“-Wochen – doch größere Aktionen darüber hinaus konnten bislang nicht auf die Beine gestellt werden. „Es ist so: Man bietet etwas an, und die Leute finden es toll. Nun, aber dann macht niemand mit. Wir zwei organisieren das alles sehr gerne, aber so ist es doch auch frustrierend“, sagt Liber.

Deshalb hätten sie das Programm, das noch zu Anfangszeiten weit umfangreicher und individueller war, stark reduziert. „Der ganz große Aufwand lohnt sich einfach nicht. Dafür müssten alle – oder wenigstens viel mehr – Gemeinden mitziehen“, so Neumayer. Denn mit Gerstetten alleine schaffe man es nicht, den kompletten Landkreis mit all seiner Kultur, den Landschaften, Freizeitaktivitäten, der Gastronomie und dem Handwerk über die Kreisgrenzen hinaus bekannter zu machen – zumal der Verein selbst nur 17 Mitglieder hat.

Den Startschuss zu den „Kap“-Wochen gibt in diesem Jahr die Vernissage der Ausstellung „Zahnärzte ohne Grenzen“, die am 19. Juli um 19 Uhr im oberen Foyer des Rathauses Gerstetten stattfindet. „Da wir aber vor allem auch junge Künstler unterstützen, beginnen die ,Kap'-Wochen inoffiziell schon am 13. Juli – mit dem Bandlift-Festival in Gerstetten“, so Neumayer.

Künstler im Dorf: Von den „Wegen zur Kunst“ zur „Kulturellen Alb-Partie“

Die Vorläufer der „Kap“-Wochen waren die „Wege zur Kunst“, die 2004 vom Verein Künstler im Dorf ins Leben gerufen wurden. Alle zwei Jahre wird dabei in Heldenfingen ausgestellt – in Gärten, Scheunen, Garagen und auf öffentlichen Plätzen. Besucher erwandern das Dorf und können überall Kunst entdecken und mit den Künstlern ins Gespräch kommen.

Unbekannten Künstlern soll hierdurch eine Plattform gegeben werden, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die nächsten „Wege zur Kunst“ finden am 21. Juli 2019 statt.

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