Königsbronn Der Industriepark in Königsbronn sorgt für Kritik

Die Pläne für ein Interkommunales Gewerbegebiet Königsbronn-Heidenheim haben viel Kritik ausgelöst. Im Königsbronner Gemeinderat nahm jetzt auch der Grüne Arnim Bledow Stellung gegen das Vorhaben, für das kürzlich die Gründung eines Zweckverbands beschlossen worden war.
Die Pläne für ein Interkommunales Gewerbegebiet Königsbronn-Heidenheim haben viel Kritik ausgelöst. Im Königsbronner Gemeinderat nahm jetzt auch der Grüne Arnim Bledow Stellung gegen das Vorhaben, für das kürzlich die Gründung eines Zweckverbands beschlossen worden war. © Foto: ape/Geyer
Königsbronn / Gerhard Stock 28.07.2018
Der grüne Gemeinderat Arnim Bledow teilt als Einziger die geäußerte Kritik am „Flächenfraß“ beim interkommunalen Gewerbegebiet in Königsbronn.

Dringenden Erklärungsbedarf machte Grünen-Urgestein Arnim Bledow in der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend zum geplanten Interkommunalen Gewerbegebiet (IKG) Königsbronn-Heidenheim geltend. Um das umstrittene Projekt realisieren zu können, hatte das Königsbronner Gremium in seiner aktuell dazwischengeschobenen Sitzung am 19. Juli wie berichtet einstimmig für die Bildung eines Zweckverbands und für die Änderung des Flächennutzungsplans votiert.

Nur zwölf Gemeinderäte waren dabei

Aus Termingründen war diese Sitzung insgesamt nur mäßig besucht, von 21 Ratsmitgliedern nahmen gerade mal zwölf teil. Dennoch war das Gremium „beschlussfähig“, wie die Verwaltung ausdrücklich feststellte. Die dreiköpfige Fraktion der Grünen vertrat Ratsmitglied Christl Schäfer und stimmte letztlich ebenfalls zu, wenn auch mit zahlreichen Einschränkungen und „Bedingungen“.

Angesichts der folgenden, geharnischten Leserbrief-Kritik sowohl am einstimmig beschlossenen „Flächenfraß“ als auch am Abstimmungsverhalten der Grünen in Königsbronn schob Bledow nun beim Tagesordnungspunkt „Bekanntgaben“ eine persönliche Erklärung nach. An der „relativ kurzfristig“ einberufenen Sitzung wegen des IKGs habe er nicht teilnehmen können, weil er auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Margit Stumpp in Berlin weilte. Dieser Termin sei schon lange vorher ausgemacht gewesen.

Bledow bejaht die geäußerte Kritik

Die in Leserbriefen geäußerte Kritik am „Flächenfraß“ könne auch er „im wesentlichen bejahen“. Im Spannungsverhältnis Ökologie-Ökonomie stehe er auf der Seite des ökologischen Denkens, bekräftigte Bledow. Folgerichtig hätte er sich gegen die Flächennutzungsplanänderung und „damit auch gegen das IKG Königsbronn-Heidenheim“ ausgesprochen. Der von Leser Arno Luik zitierte Spruch „Erst wenn der letzte Baum gerodet...“ habe einst als Symbol gestanden und sei seiner Meinung nach „heute wichtiger denn je“.

„Der Termin war bekannt und jedem auch klar, worum es dabei gehen wird“, wirkte Bürgermeister Michael Stütz der vermuteten Absicht entgegen, die Sitzung hopplahopp und ohne Rücksprache anberaumt zu haben. Als „nicht gut“ missbilligt wurde Bledows Statement von Seiten der SPD. „Wo kommen wir hin, wenn jede Fraktion nachträglich Beschlüsse und deren Mitwirken daran kommentiert?“, monierte Engelbert Frey.

Ein Naturraum bleibt ein Naturraum

Bei jener IKG-Sitzung terminlich verhindert war auch Werner Glatzle, der dritte Grüne im Bunde der Gemeinderatsfraktion. Er hat wesentlichen Anteil an der letztlich befürwortenden Stellungnahme, die von Christl Schäfer vorgetragen wurde. Trotz diverser Bedenken sei man dafür, heißt es in dem Papier. Vorangestellt wird die Feststellung, ein Naturraum – ob naturbelassen oder landwirtschaftlich genutzt – bleibe ein Naturraum. Ein Gewerbegebiet, egal welcher Größe, zerstöre einen Naturraum, der auch mit Ausgleichsmaßnahmen nicht wieder hergestellt werden könne.

Königsbronn habe jedoch sonst keine anderen geeigneten Flächen. Der Boden im Gelände sei nicht besonders fruchtbar, könne nur als als Weidegrund genutzt werden. Ökologisch sei das gewählte Gelände „das kleinere Übel“. Dieses nehme man wegen der zukünftigen Vorteile für die Gemeinde in Kauf, „um als Industriestandort attraktiv zu bleiben“. Die neuen Arbeitsplätze durch die Ansiedlung von Zeiss und Anderen sowie die künftigen Einnahmen aus der Gewerbesteuer sehe man als Argument für das neue Gewerbegebiet.

Gegen Süd-Erweiterungsoption

Weil sich durch das neue Gewerbegebiet die Verkehrsströme ändern, brauche es eine integrierte Planung für Schienen- und Straßenverkehr einschließlich Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs von Norden und Süden her. Ziel müsse sein, möglichst viel Personenverkehr auf Bus und Schiene zu bringen und den Lastverkehr „geeignet zu kanalisieren“.

Grüne lehnen Erweiterung nach Süden ab

Abgelehnt werde seitens der Grünen eine Erweiterungsoption nach Süden, jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt. „Die Bodenversiegelung im Tal wäre dadurch noch härter, das Gewerbegebiet rückte dann näher an die zukünftige Wohnbebauung und die industrielle Notwendigkeit dafür liegt in der Ferne“, steht weiter im Statement der Grünen. Weil das neue Gewerbegebiet Naturflächen versiegele, sei es nur akzeptabel, da dafür gesetzlich vorgesehene Ausgleichsflächen bereitgestellt werden müssten.

Hinsichtlich Aufteilung der Kosten und Einnahmen komme sowohl bei drei als auch bei zwei Partnern nur ein jeweils ausgeglichenes Verhältnis in Frage. Oberkochen sei eingeladen, „zu diesen Bedingungen mitzumachen“.

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