Königsbronn „Hollywood lässt grüßen“ mit einem schwäbischen Schwank

Königsbronn / Jens Eber 25.06.2018
Die Theaterspielgruppe Königsbronn setzt mit „Hollywood lässt grüßen“ wieder auf einen schwäbischen Schwank. Das gelang in der Premiere nach einer Aufwärmphase recht unterhaltsam.

Nein, die Mitglieder der Königsbronner Theaterspielgruppe waren am Freitagabend nicht zu beneiden. Da sank die Außentemperatur nach einem sommerlichen Hoch auf einstellige Werte herab, was angesichts manch dünnen Kostüms sicherlich nicht sehr angenehm war. Zudem blickten die Akteure auf eine recht spärliche Zuschauerkulisse.

War der Rathausvorplatz mit vier Stuhlreihen eh nur sparsam bestuhlt, blieben angesichts von rund 70 in warme Jacken und Decken gehüllten Besuchern auch hier noch viele Plätze leer. Kein Wunder, dass sich die Spieler bei dieser Premiere von „Hollywood lässt grüßen“ und dem Start in die 35. Königsbronner Theatersaison zuerst ein klein wenig schwertaten, in Schwung zu kommen.

Wobei es der Vorlage an Schwung nicht mangelt: In einer nicht sehr straff geführten Pension, geführt von Hubert Laubenpieper (Joshua Dömel) und seiner Frau Sofie (Gaby Dömel) wird viel gefeiert, aber wenig gearbeitet. Dem verkaterten Wirt gehen zudem seine Schwägerinnen Martha (Ulrike Riebarek) und Lotte (Christiane von Ohlen) mächtig auf den Wecker.

Honigmund und Schluckspecht

Etwas Abwechslung versprechen dem armen „Hubsi“ allenfalls ein Indianer auf Sinnsuche namens Max Bierfreund (Michael Stopar), der einige Trinkfreuden verspricht, und die adrette Dessousvertreterin Lydia Spitzgras (Sonja Rittweger), während der verwirrte Ornithologe Otto Maria Honigmund (Helmut Bischoff) eh schon zum Inventar gehört.

Dass plötzlich ein Bankräuberpärchen (Nikolas von Ohlen und Emily Mundt, gefolgt von Jannis von Ohlen als Polizist Kurt Schnüffel) auftaucht, das sich als Filmteam des SWR ausgibt, weckt Hoffnung auf eine große Karriere bei den vollkommen planlosen Pensions-Insassen. Sie lassen sich in absurde Castings und exotische Tänze verstricken, um die ersehnte Rolle in der angeblichen Fernsehserie zu erhaschen.

Es dauert in dem rund zweistündigen Stück eine ganze Weile, bis die Geschichte ausgebreitet und alle Figuren eingeführt sind. Dazu war es am Freitagabend womöglich dem Premierenfieber geschuldet, dass manchen Akteuren noch ein Quäntchen mehr Lockerheit für so einen Schwank fehlte. Das Regieteam um Gaby und Armin Dömel darf die Spieler ruhig ermuntern, das Stück noch stärker fließen und dem Tempo der Vorlage freien Lauf zu lassen.

Kerniges Schwäbisch

Dass alle Figuren sich an den schwäbischen Dialekt zu halten haben, wirkt zudem etwas hinderlich, denn gerade einigen der Jüngeren geht ein beherztes Schwäbisch eher schwer über die Lippen. So viel zum Soll. Auf der Haben-Seite finden sich zum Beispiel Gaby Dömel und Ulrike Riebarek, deren kerniges Ostalb-Schwäbisch wunderbar zum zeitweise recht rauen Ton des Stücks passt. Auch Helmut Bischoff weiß die bizarre Note seiner Vogelkundler-Figur herzhaft auszuspielen. Wenn er in der Annahme, so die vermeintliche ornithologische Seltenheit des String-Tangas anlocken zu können, mit „Miau! Miau!“ über die Bühne tappst, geht im Publikum das Glucksen in herzhaftes Gelächter über. Michael Stopar als feuerwassergebeizter „Häuptling Großer Schluckspecht“ gewann im Laufe des Stücks immer mehr an Sicherheit. Spätestens, wenn er mit hübschen Reminiszenzen an „Dinner for One“ sternhagelvoll für Runnings Gags sorgt, scheint er in seinem spielerischen Element. Nicht zu vergessen Joshua Dömel, der die Rolle des abgeschlafften Pensionsinhabers bis in die vorgeblich lustlos absolvierte Schlussverbeugung durchzieht.

Und spätestens nach der Pause sind auch alle Figuren angekommen und das Stück selbst hat so weit Fahrt aufgenommen, dass sich die schräge Situation mit all ihren Wendungen und Fallstricken voll entfalten kann. Das wird durchaus handfest und bisweilen zotig, aber das Chaos, in dem die gewohnte (Un-)Ordnung der Pension aufgeht, tut auch der großen Bühne gut, die in dieser Phase über die komplette Breite bespielt wird.

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