Heidenheim / Klaus Dammann Nach elf Jahren Pause kehrt der rote Dämon ins Kino zurück – als Effekt- und Splatter-Show.

Als düsterer und wesentlich härter war der neue Auftritt des höllischen Kämpfers in „Call of Darkness“ zu erwarten. Wenn man sich unter „härter“ blutige Metzeleien und Verstümmelungen vorstellen sollte, trifft dies auf die von Neil Marshall inszenierte dritte Adaption der Comic-Vorlage zweifellos zu. Die Freigabe ab 16 Jahren ist dem geschuldet, an 18 führte wohl nur der Einsatz von Ironisierung und bewusster Übertreibung vorbei.

So übernimmt der neue „Hellboy“-Film den sarkastischen Humor seiner Vorgänger, verliert ihn aber mit Fortschreiten der Handlung immer mehr aus den Augen. Da wird dann ohne ironische Brechung des Gezeigten drauflos gesplattert, was das Zeug bzw. der digital bearbeitete menschliche Körper hält.

Trickreich umgesetzt, muss der rote Dämon, der sich im Dienst der guten Seite stehend die höllischen Hörner abgebrochen hat, der aus König Artus’ Zeiten stammenden unsterblichen Hexe Nimue (Milla Jovovich) klarmachen, wozu seine Steinfaust in der Lage ist. Schließlich gilt es wie üblich nichts weniger, als das drohende Ende der Welt zu verhindern.

Stilistisch liegt der neue „Hellboy“ – in der Hauptrolle ist statt Ron Perlman nun David Harbour zu sehen – näher an „Deadpool“ als an den eigenen Vorbildern. Der prägende schwarze Humor geht jedoch zunehmend verloren. Und nicht nur das: In Szenen wie jenen mit dem sprechenden Warzenschwein als üblem Monster und im Kampf gegen drei Riesen ist für das Fantasy-Spektakel die Grenze zur Lächerlichkeit mehr als erreicht. Nicht zu vergessen, dass der Ekelfaktor es auf gewisse Höhen schafft.

Eine ganze Menge an Einflüssen und diversen Hintergründen ist da kunterbunt reingepackt. Neben der Artus-Legende samt auferstandenem Zauberer Merlin findet sich die aus Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ bekannte Hexe Baba Yaga mit Hütte ebenso wie etwas „Herr der Ringe“. Wenn dann im ermüdenden Effekte-Overkill Londons St. Paul’s Cathedral zerlegt wird, leidet das Niveau heftig.

Und von der Klasse der früheren beiden „Hellboy“-Filme bleibt spätestens dann kaum etwas übrig.

Auch englische Fassung; Kino-Center, ab 16

Außerdem neu im Kino

Willkommen im Wunder Park

Der amerikanische Animationsfilm ist ein buntes Familiendrama um das fantasievolle Mädchen June. Zusammen mit seiner Mutter baut es das Spielzeugmodell eines Vergnügungsparks mit sprechenden Tieren. Als die Mutter schwer krank wird, entdeckt June im Wald den Park in Lebensgröße. Doch der Park braucht ihre Hilfe. Eine unterhaltsame Geschichte, in der es auch um das Thema Leid geht (in 3-D und 2-D; Kino-Center, ab 0).

The Mule

Altmeister Clint Eastwood spielt in seinem neuen eigeninszenierten Film den über 80-jährigen Gartenbauspezialisten Earl, der hoch verschuldet ist und so anfängt, für ein mexikanisches Kartell Kokain zu schmuggeln. Das Ganze läuft sehr gut, dennoch gerät er ins Visier von Drogenfahnder Bates (Bradley Cooper). Basiert auf einer wahren Geschichte (Kulturfilm im Kino-Center, ab 12).

After Passion

Eine romanbasierte US-Teenie-Romanze um ein behütetes, braves Mädchen, das sich frisch am College ausgerechnet in einen gutaussehenden Bad Boy verliebt. Klischee? (Capitol, ab 0).