Dorfentwicklung Ein Pflegeheim für Hermaringen: Wie ein Sechser im Lotto?

So soll das neue Alten- und Pflegeheim im Ortskern von Hermaringen einmal aussehen: verschiedene Gebäude bilden eine Art Innenhof und zur Brenz hin entsteht ein Platz, der zur Begegnung einladen soll.
So soll das neue Alten- und Pflegeheim im Ortskern von Hermaringen einmal aussehen: verschiedene Gebäude bilden eine Art Innenhof und zur Brenz hin entsteht ein Platz, der zur Begegnung einladen soll. © Foto: Plan: Architekturbüro Baldauf
Brigitte Malisi 17.07.2017
Nun wird es also konkret: auf dem ehemaligen Mühlengelände, mitten im Dorf, entsteht ein Alten- und Pflegeheim für Senioren mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Träger des Vorhabens ist die Johanniter Seniorenhäuser GmbH. Wie der Gebäudekomplex einmal aussehen wird, erläuterte Bürgermeister Jürgen Mailänder zusammen mit den beiden Vertretern der Johanniter, Ruth Moser-Weikert und Christian Umlauf, in einem Pressegespräch.

Baubeginn wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr sein, zum Beginn des Jahres 2020 könnten dann schon die ersten Bewohner einziehen.

„Für uns ist das wie ein Sechser im Lotto“, kommentierte Bürgermeister Jürgen Mailänder die Zusammenarbeit mit den Johannitern. Seit nunmehr sechs Jahren befasse man sich mit den Planungen für das Gelände, von dem der Gemeinde zunächst nur ein kleiner Teil gehört habe. Die Beharrlichkeit habe sich ausgezahlt und mit den Johannitern habe man einen Partner gefunden, mit dem man die Visionen, die man für das Gelände hatte, nun auch in die Realität umsetzen könne.

Möglichst viele sollen profitieren

Seit Mitte der 90er-Jahre sei die alte Mühle stillgelegt gewesen und zunächst habe man überlegt, ob hier ein neues Wohngebiet entstehen könnte, erinnerte sich Mailänder. Im Gemeinderat sei man aber schnell zu der Ansicht gekommen, dass von diesem „Filetstück“ an der Brenz nicht nur einzelne Häuslesbauer profitieren sollen, sondern eine möglichst breite Bevölkerungsschicht.

Zwei Probleme hatte man schnell erkannt: Es fehlt in Hermaringen an Mietwohnungen für junge Leute und an Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten für alte Menschen. Was also kann man tun, um diese Bevölkerungsgruppen im Ort zu halten? Wichtige Impulse brachte schließlich die Teilnahme an einem von der EU geförderten Projekt zur Entwicklung innovativer Wohnformen für ältere Menschen.

Dabei entstanden schnell Ideen. Doch was fehlte, war ein Investor, der bereit war, diese Ideen auch in die Tat umzusetzen. „Zu groß und zu unrentabel“ habe man zu hören bekommen, so Mailänder. In Stuttgart, im Regionalzentrum Süd der Johanniter Seniorenhäuser GmbH, las man die Zeitungsartikel über die Bemühungen in Hermaringer aufmerksam.

Geschäftsführerin Ruth Moser-Weikert nahm schließlich Kontakt mit Bürgermeister Jürgen Mailänder auf. Das was hier entstehen sollte, deckte sich ziemlich genau mit den Vorstellungen der Johanniter, die verstärkt auf kleinere und familiäre Einrichtungen setzen. „Die Zeit der Bettenburgen ist vorbei“, sagt Prokurist Christian Umlauf. Die Lage zentral im Ort und direkt an der Brenz sei zweifelsohne ein „Sahnestück“.

Einbindung der Ehrenamtlichen

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde wurde die Idee eines Gebäudekomplexes entwickelt, der sich auf verschiedene, miteinander verbundene Gebäude aufteilt und sich gut in das zum Bahnhof hin aufsteigende Gelände einfügt. Außerdem entsteht zur Brenz hin ein Platz, der nicht nur von den Bewohnern, sondern von allen Bürgern genutzt werden soll.

Ebenso, wie das hauseigene Restaurant und Café zu einer Begegnungsstätte für alle Bürger werden soll, betont Moser-Weikert.

Hier möchte man auch die ehrenamtlichen Helfer der Gruppe „Für-Einander“ einbinden, die bereits mit großem Engagement das wöchentliche Senioren-Café auf die Beine stellen. Und auch bei der Tagespflege mit bis zu 15 Plätzen, ist bereits eine Zusammenarbeit im Gespräch.

Insgesamt 75 vollstationäre Pflegeplätze sind geplant, erläuterten die Vertreter der Johanniter. Jeweils höchstens 15 Personen bilden eine Wohngruppe, in der dann auch gemeinsam gegessen wird.

Ein weiteres Angebot sind neun betreute Zwei-Zimmerwohnungen, bei denen die Bewohner selbst entscheiden ob und in welchem Umfang, sie Unterstützung brauchen.

Neue Arbeitsplätze im Dorf

In einen weiteren Teil des Gebäudes entsteht eine ambulante Sozialstation und eine Praxis für Krankengymnastik und Ergotherapie.

Die neue Einrichtung bringt auch Arbeitsplätze ins Dorf.

Rund 80 Voll- und Teilzeitkräfte werde man für den Betrieb brauchen, schätzt Moser-Weikert. Das sind neben Kräften für Pflege und Hauswirtschaft auch Personal für die Küche, denn das Essen für die Bewohner und Gäste werde frisch vor Ort gekocht.

Nun hofft Bürgermeister Jürgen Mailänder, dass sich auch auf dem restlichen Gelände möglichst schnell Resultate erzielen lassen. In direkter Nachbarschaft zum Pflegeheim sollen drei mehrgeschossige Gebäude entstehen mit 22 Miet- und Eigentumswohnungen.

Ein Stück weiter sind auf einer Fläche bereits Senioren-Bungalows als eine weitere alternative Wohnform auf den Plänen eingezeichnet. Und es gibt wohl auch schon interessierte Investoren.