Königsbronn „Forum Vocale“ in der Klosterkirche Königsbronn

Das Kölner „Forum Vocale“ begeisterte in der Königsbronner Klosterkirche mit geistlicher Chormusik.
Das Kölner „Forum Vocale“ begeisterte in der Königsbronner Klosterkirche mit geistlicher Chormusik. © Foto: Hans-Peter Leitenberger
Königsbronn / Hans-Peter Leitenberger 20.06.2018
Das Kölner „Forum Vocale“ meisterte als relativ kleiner Chor bei seinem Konzert in der Klosterkirche Königsbronn auch schwierige Werke geistlicher Chormusik.

Es war keine Übertreibung, als Pfarrer Christoph Burgenmeister am Samstagabend in der Klosterkirche den Königsbronner Musiksommer als ambitioniertes Projekt vorstellte. Mit dem „Forum Vocale Köln“ erlebten die 204 Besucher einen Chor, der es verstand, mit hoher sängerischer Kompetenz geistliche Chormusik unverkrampft und locker vorzutragen – ohne dabei den geistlichen Gehalt der Stücke zu vernachlässigen.

Dirigent Jürgen Erdmann Schulz überzeugte durch ein flottes wie präzises Dirigat, was sich gleich zu Beginn bei Claudio Monteverdis „Cantate Domino“ zeigte. Saubere Intonation und Phrasierung zeichnete die Domstädter nicht nur hier, sondern bei allen Chorwerken aus. Es war bewegend, wie ein zahlenmäßig relativ kleiner Chor das sechsstimmige Werk meisterte und dabei reizvolle Echowirkungen einsetzte.

Schwierige Stücke gut gemeistert

Dem A-cappella-Werk folgte Johann Sebastian Bachs kunstreiche Kantate „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“. Die Mitglieder der Sinfonietta arbeiteten mit gestalterischem Feinsinn den Orchesterbeginn heraus. Streicher, Flöten und Bass hoben die polyphonen Strukturen der Kantate dezent hervor und die klaren, offenen Stimmen des Chores arbeiteten ausdrucksstark die polyphonen klanglichen Verflechtungen heraus. Die Zusammenarbeit von Chor und Instrumentalgruppe war bis auf winzige Unregelmäßigkeiten vorzüglich.

Der Chor bewies eine vielseitige gestalterische Kraft bei diesen nicht gerade leichten Stücken aus der Zeit vor und um Johann Sebastian Bach. Johann Kuhnaus von barocker Tonmalerei geprägtes „Tristis est anima mea“ mit seinen technischen Herausforderungen bereitete dem „Forum Vocale“ kaum Schwierigkeiten und man war von der Souveränität des Chores beeindruckt wie bei Hervorhebung der Dramatik in „Der Gerechte“ aus Johann Kuhnaus Feder, die aber die musikalische Handschrift Johann Sebastian Bachs deutlich zeigte. Die Forte-Stellen kamen klar und mit differenzierter Dynamik.

Tröstendes Meisterwerk

„Liebster Immanuel“ BWV 123 war einer der Höhepunkte des Abends. Dieses bewegende Rufen einander überschneidender und ablösender Stimmen, getragen von triolischen Rhythmen, die hymnischen Oboenklänge und die exakt geführten, spielerischen Flötenfiguren mit treibender Rhythmisierung verdeutlichten den weltflüchtigen wie tröstlichen Charakter dieses Meisterwerks.

Bei dem homophonen Schlusschoral gelang es dem Chor erneut, die hymnische Schönheit der Melodie in harmonischer Klangfülle zur Geltung zu bringen.

Von Johann Ludwig Bach, dem „Meininger Bach“, erklang die streicherbetonte Suite G-Dur, die die Sinfonietta-Mitglieder mit viel Feingefühl gestalteten, ergänzt von duftigen Klängen bei den Truhenorgel-Figuren von Miho Imada. Mit hoher Ausdruckskraft gestaltete das „Forum Vocale“ den überwiegend homophonen fünfstimmigen Satz mit herrlichen Melodiebögen in „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Heinrich Schütz, besonders von den Sopranen lebendig dargeboten.

Ausklang mit dem Abendlied

Dazu kontrastierte Andreas Hammerschmidts Kantate mit fast gleichem Text. Forte-betont mit einfachen Harmonien und sechsstimmig gelang dieses „Schwergewicht“ dem Chor mit fast lässigem Schwung. Mit einem fein modulierten Ton und beweglichen dynamischen Abschattierungen beeindruckte das „Forum Vocale“ bei Johann Sebastian Bachs „Brich dem Hungrigen dein Brot“.

Ein eindrucksvoller Bass erklang hier bei „So du einen nackend siehst“. Pointiert und nicht zu langsam erklang am Schluss „Jesu bleibet meine Freude“ mit stimmiger Orchesterbegleitung.

Johann Sebastians „Hit“ hatte beim Gesang der akkurat wie begeistert arbeitenden Kölner einen fast triumphalen Charakter. Der durchweg gelungene Konzertabend in der Klosterkirche fand mit Joseph Rheinbergers „Abendlied“ einen klangschönen, stimmungsvollen Ausklang.

Das „Forum Vocale Köln“

Der Kammerchor wurde 1981 von Georg Bours gegründet. Ausgehend von selten aufgeführter Literatur aus Renaissance und Barock erweiterten die etwa 20 Mitglieder ihr Repertoire um moderne Stücke. Sie singen A-cappella-Werke der niederländischen Vokalpolyphonie, Barockoratorien und romantische Chorliteratur.

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