Bissingen Ein Haus der Vereine für die Bissinger

Bissingen / Elena Kretschmer 15.08.2018
Das Mammutprojekt des SV Bissingen kommt Stück für Stück ins Rollen. Nachdem das alte Clubhaus abgerissen wurde, kann der Neubau kommen. Sieben Vereine sind beteiligt.

Schon vor zehn Jahren hatte man beim Sportverein Bissingen angedacht, das alte Vereinsheim zu sanieren. „Es hatte ziemliche Baumängel“, erklärt Roland Hiller, einer der drei Vorsitzenden des SV. Grund dafür war das obere Stockwerk, das man zehn Jahre später einfach auf den 1967 gebauten unteren Teil draufgesetzt hatte. „Das war ein bisschen größer als das untere und ist im Laufe der Zeit einfach ein paar Zentimeter nach hinten weggesackt. Das komplette Gebäude bekam Risse“, so Hiller. Außerdem war es irgendwann nicht mehr zeitgemäß: „Für unsere Sportler war einfach zu wenig Platz, nur eine Dusche für zwei Mannschaften.“ Aber rein wirtschaftlich wäre eine Sanierung nicht sinnvoll gewesen, also kam ein Neubau ins Spiel.

Sieben Vereine in einem Boot

„Als reines Vereinsheim wäre das für uns aber nicht finanzierbar gewesen. Drum waren wir auf Unterstützung seitens der Stadt angewiesen“, erläutert Hiller weiter. Die Idee: Warum nicht gleich eine neue Heimat für alle Bissinger Vereine schaffen? Unten der Sport, oben ein Versammlungsort – für den SV, den Obst- und Gartenbauverein, den Rennsportverein, die B'Singers, das DRK, die Feuerwehrabteilung und die Maschinengemeinschaft.

Somit hatte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn als gemeinwohlorientiertes Projekt wurde das Bauvorhaben Haus der Vereine in das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) aufgenommen. „Hier beträgt die maximale Förderung 140 000 Euro. Als das Land uns die Zusage gegeben hat, hat die Stadt nochmal die gleiche Summe draufgelegt“, so Hiller. Da man bereits 2016 mit der Planung begonnen hatte, die Baukosten aber mittlerweile sehr angezogen haben, rechnet Hiller damit, dass die Fördermittel komplett ausgeschöpft werden.

730.000 Euro für den Neubau

Außerdem stehen dem SV Bissingen, der Bauherr ist, 25.000 Euro vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) zur Verfügung, der Verein selbst hat etwa 100.000 Euro an Mitteln, über Spenden müssen noch einmal 40.000 Euro zusammenkommen, Eigenleistung macht etwa 68.000 Euro aus, und der Rest wird als Darlehen aufgenommen. „Das müssten nochmal so um die 100.000 oder 120.000 Euro sein. Das Gebäude kostet uns insgesamt zirka 730.000 Euro mit Mehrwertsteuer“, erklärt der Vorsitzende. Mit der Eigenleistung haben die Vereinsmitglieder bereits die Hälfte des Abrisses gestemmt. „In den letzten Wochen waren immer so 25 bis 30 Leute von uns da, die geholfen haben. Wir haben das Gebäude komplett entkernt und das Dach abgedeckt, sodass nur noch die Außenwände standen. Da sind bestimmt schon 1000 Stunden zusammengekommen.“ Danach rückte der Bagger an und machte den Rest des alten Vereinsheims dem Erdboden gleich.

Das Haus der Vereine: moderner und zeitgemäßer

Was nun an gleicher Stelle errichtet werden soll, – nur um 90 Grad gedreht mit Blick auf den neuen Sportplatz – ähnelt vom Aufbau her dem Vorgänger, ist aber wesentlich moderner. In den kommenden Wochen soll das Fundament gebaut und der Fertigbaukeller geliefert werden. „Wenn dieser untere Teil steht, also Duschen und Umkleiden, kommt der obere Teil in Holztafelbauweise drauf. Parallel wird Heizung und Sanitär installiert. Und dann wäre es toll, wenn wir die Hülle bis Ende des Jahres komplett schließen könnten und vielleicht sogar schon den Estrich machen“, sinniert Hiller.

Danach geht es an den Innenausbau, bei dem wieder viel Eigenleistung angesagt ist: „Trockenbauarbeiten, die Elektrik zum Teil, Malerarbeiten und ganz wichtig: die Außenanlagen.“ Dabei wird landschaftsgärtnerisch gearbeitet und die Treppe angebracht. Die Planung für den oberen Teil, beispielsweise was das Mobiliar angeht, sei noch nicht ganz abgeschlossen.

Wenn alles gut geht, soll das Haus der Vereine im August 2019 fertig sein. „Länger als ein Jahr haben wir vermutlich auch keine Energie“, witzelt Hiller. Dann soll der obere Bereich den Vereinen als Versammlungsort dienen, aber auch für Veranstaltungen wie Seminare, Taufen oder andere Familienfeiern vermietet werden. „Es gibt Platz für 50 bis 60 Leute, allerdings keine Gastroküche, also muss alles über Catering laufen.“ Durch die Vermietung fließe dann auch wieder etwas Geld in die Kasse.

Das Dreigespann vom SV Bissingen

Roland Hiller ist glücklich, dass das Bauvorhaben läuft: „Zehn Jahre hat man rumgetan, jetzt machen wir endlich Nägel mit Köpfen.“ Und weil diese Aufgabe allein nicht leistbar wäre, ist er auch froh, dass noch zwei Vereinskameraden mit ihm im „Vorstandsboot“ sitzen.

Das Gespann hat sich die Arbeit aufgeteilt: „Michael Römer ist für die Finanzierung zuständig, weil er Banker ist. Edmund Pregel ist Buchhalter und kümmert sich noch ums Sponsoring und so weiter, und ich mache eher so das Operative, weil ich bei Lehner arbeite und von uns am nächs- ten am Bauwesen dran bin.“

Die drei Männer sind seit 2015 in dieser Besetzung in der Vorstandschaft. Vorher hatte das Amt des Vorsitzenden 21 Jahre lang Günter Dörflinger ausgefüllt.

Das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum

Mit dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) hat das Land Baden-Württemberg über das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ein umfassendes Förderangebot geschaffen. Dieses ist für die strukturelle Entwicklung ländlich geprägter Gemeinden und Dörfer gedacht. Gefördert werden unter anderem Projekte, die lebendige Ortskerne erhalten oder gemeinschaftliche Aktivitäten aufbauen und fördern, wie zum Beispiel mit einem Dorfgemeinschaftshaus. Projektträger und Zuwendungsempfangende können neben den Kommunen auch Vereine, Unternehmen und Privatpersonen sein. Aufnahmeanträge können nur von den Städten und Gemeinden gestellt werden. Die legen ihre Entwicklungsvorstellungen dar und müssen die Einzelprojekte darin einordnen.

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