Herbrechtingen Eine Leihoma brachte die ersehnte Entlastung

Eine Leihoma wie die von Julia Hartmann kann eine Bereicherung in vielerlei Hinsicht sein. Bei den hier abgebildeten Personen handelt es sich nicht um die im Text erwähnten.
Eine Leihoma wie die von Julia Hartmann kann eine Bereicherung in vielerlei Hinsicht sein. Bei den hier abgebildeten Personen handelt es sich nicht um die im Text erwähnten. © Foto: Sabrina Balzer
Herbrechtingen / Elena Kretschmer 06.12.2018
Eine Mutter aus Herbrechtingen hat sich in einer schwierigen Lebenslage eine Leihoma ins Haus geholt. Vermittler war Joachim Feldmeyer, der das Projekt im Haus der Familie leitet.

Sie war am Ende ihrer Kräfte. Schon als Julia Hartmann* mit ihrem Sohn Luca* schwanger war, stand fest, dass keine Großeltern in der Nähe sein würden, zu denen man den Kleinen im Notfall mal bringen kann. Zudem folgte die niederschmetternde Diagnose bei dem heute Zweijährigen: Leukämie. Etliche Krankenhausaufenthalte, dazu ein Haushalt, der sich nicht von alleine führt, und ein Mann, der Vollzeit berufstätig ist, zehrten an der 36-Jährigen: „Ich wusste einfach nicht, woher ich noch Kraft schöpfen sollte.“

Doch eine glückliche Fügung brachte ihr die ersehnte Entlastung. Bereits vor Lucas Diagnose hatte sich Hartmann bei Joachim Feldmeyer vom Heidenheimer Haus der Familie gemeldet, um sich über sein Projekt Leihomas und -opas zu informieren. „Aber nachdem mein Kind so krank wurde, musste ich mich erstmal sortieren. Das habe ich auch Herrn Feldmeyer wissen lassen“, erklärt sie. Der bedauerte zwar Hartmanns Entscheidung, freute sich aber umso mehr, als sie sich im Juni wieder bei ihm meldete und er ihr bereits im August eine Leihoma vermitteln konnte. „Ich schaue natürlich immer, dass die Chemie passt und hier hatte ich gleich ein gutes Gefühl“, so der Koordinator.

Gute Menschenkenntnis

Und dieses trog ihn nicht. Als Leihoma Ursula Schwarz* aus Heidenheim das erste Mal zu Luca und seiner Mama zu Besuch kam, funkte es sofort. „Zuerst war ich total aufgeregt, aber er kam sofort auf mich zu und die Bedenken waren weg. Herr Feldmeyer hat wirklich eine spitzenmäßige Menschenkenntnis“, so Schwarz. Und für Hartmann war es eine Erleichterung: „Luca ist fremden Leuten gegenüber immer sehr aufgeschlossen, weil er es aus dem Krankenhaus gewohnt ist, viele verschiedene Gesichter zu sehen. Ich war einfach froh, dass das auch daheim kein Problem war.“ Auch zwischen der 36-Jährigen und der 57-Jährigen passte es von Anfang an. „Ich hatte früher selber ein krankes Kind zu Hause und ich weiß, wie das ist. Natürlich habe ich mich gefragt, ob ich das leisten kann, aber ich wollte einfach helfen“, erläutert Schwarz.

Auch für sie war das Arrangement ein Ausweg aus einem kleinen Loch, in das sie zuvor gefallen war: „Ich war gezwungen, meinen Job aufzugeben und wusste dann nicht so genau, was ich machen sollte.“ Durch Zufall fiel ihr dann der Großeltern-Paten-Flyer in die Hand und sie rief Feldmeyer an, legte ihr polizeiliches Führungszeugnis vor und wurde vermittelt. „Endlich werde ich wieder gebraucht. Ich lebe richtig auf“, sagt Schwarz freudig. Hartmann ergänzt: „Weil Luca wegen der Chemo sehr infektanfällig ist, sind wir viel daheim eingekapselt. Da ist es einfach schön zu wissen, dass Ursula kommt.“

Kein Unterschied zwischen den eigenen und dem Leih-Enkel

Die Besuche sind ganz individuell und flexibel. „Ich komme, wenn ich gebraucht werde. Das lässt sich pauschal nicht sagen“, so Schwarz. „Ursula war jetzt auch schon mit in der Tagesklinik. Weil wenn Luca Chemo hat, hat er viele Bedürfnisse. Dann springt Mama, und Ursula ist da“, ergänzt Hartmann lächelnd. Geht es Luca nicht gut, bleibt Schwarz eben Zuhause. Bei all ihrer Unterstützung ist ihr eines sehr wichtig: „Ich mache keinen großen Unterschied zwischen Luca und meinen eigenen Enkeln. Er bekommt genauso viele Streicheleinheiten.“ Im Umgang sei sie zwar noch etwas ängstlicher als früher bei ihren eigenen Kindern, aber auch das spiele sich immer mehr ein.

„Das ist wirklich eine ganz wertvolle Sache“, so Hartmanns Fazit zum Projekt. „Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Zwar ist laut Schwarz die Resonanz nicht von allen Seiten die beste – es gebe durchaus Vorbehalte, Verantwortung für ein fremdes Kind zu übernehmen – aber zumindest in ihrer Familie findet sie Rückhalt: „Meine Kinder finden es toll, dass ich das mache, und mein Mann genauso.“

*Alle Namen wurden von der Redaktion geändert

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel