Herbrechtingen „Ein gutes Bild entsteht im Kopf“

Die Herbrechtinger Fotofreunde machen gelegentlich auch Bilder mit einer Handykamera. Wenn es um Qualität und Kunst geht, ist für sie eine gute Spiegelreflexkamera allerdings unerlässlich. Trotzdem sind sie der Meinung, dass ein guter Fotograf auch mit einer schlechten Kamera gute Bilder machen kann.
Die Herbrechtinger Fotofreunde machen gelegentlich auch Bilder mit einer Handykamera. Wenn es um Qualität und Kunst geht, ist für sie eine gute Spiegelreflexkamera allerdings unerlässlich. Trotzdem sind sie der Meinung, dass ein guter Fotograf auch mit einer schlechten Kamera gute Bilder machen kann. © Foto: Michael Ruoff
Herbrechtingen / Manuela Wolf 05.07.2018
Die Herbrechtinger Fotofreunde gibt es seit 1972. Zwischenzeitlich hat sich technisch einiges getan. Im Interview haben sie über Veränderungen durch die digitale Fotografie gesprochen.

Die Fotofreunde Herbrechtingen: Gegründet 1972, 55 Mitglieder, 31 Termine im Jahresprogramm, alle 14 Tage ist Clubabend im Café der Begegnungsstätte an der Mühlstraße. Hinter den Zahlen verbirgt sich eine quirlige Truppe, die den Wandel der Zeit und auch den der Technik sportlich nimmt. „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man mit einer besseren Kamera automatisch bessere Bilder macht“, sagt der zweite Vorsitzende Michael Ruoff. Und: „Ein gutes Foto entsteht im Kopf.“ Im Interview sprechen Michael Ruoff, der Vorsitzende Ralf Walter, dessen Frau Susanne Walter, Jürgen Drabner und Richard Hummel darüber, wie die digitale Fotografie ihr Hobby verändert hat.

Stirbt die Analog-Fotografie aus?

Ralf Walter: Ich denke nicht. Das Analoge erlebt gerade ein großes Revival, es ist wie mit den Schallplatten. Es gibt Leute, die sich zu Hause eine Lochkamera basteln und Hersteller, die wieder Sofortbild-Kameras anbieten. Michael Ruoff: Polaroid-Kameras bergen eine gewisse Faszination. Dieses Bild, das da gerade entstanden ist, gibt es nur einmal von Afrika bis hoch zum Nordkap. Es kann nicht verändert werden. Das macht es zum Unikat.

Richard Hummel: Aber die Spiegelreflex-Kameras sterben aus. Aus technischer Sicht braucht es den Spiegel heute nicht mehr.

Mit einer guten Kamera kann jeder gute Bilder machen. Stimmen Sie zu?

Michael Ruoff: Ein gutes Bild entsteht im Kopf. Handwerk ist wichtig, auch Erfahrung. Was passiert, wenn ich die Einstellung der Blende verändere?

Jürgen Drabner: Nicht die Kamera macht das Bild, sondern der, der den Auslöser drückt. Ein guter Fotograf kann auch mit einer schlechten Kamera gute Bilder machen.

Wie haben Digitalkameras ihr Hobby verändert?

Jürgen Drabner: Weil die Anzahl der Bilder nicht mehr durch die Filmgröße begrenzt war, haben wir anfangs alle wie wild drauf los fotografiert. Irgendwann stellt man sich dann aber doch wieder die Frage: Macht das Sinn? Was will ich mit dem Bild eigentlich sagen?

Michael Ruoff: Filme daheim von Hand entwickeln, das war aufwendig und eine Sauerei mit den Chemikalien. Das fehlt mir nicht. Unterm Strich braucht man heute trotzdem fast mehr Zeit. Man macht ja viel mehr Bilder, die man alle anschauen muss.

Susanne Walter: Um das Jahr 2000 herum haben wir mit sogenannten Überblendschauen begonnen und uns dafür vom Verein aus für viel Geld zwei moderne Dia-Projektoren zugelegt. Drei Jahre später kam der Umstieg auf digital und man brauchte einen Beamer. Heute gibt es für diese Art der Präsentation viel mehr Möglichkeiten, zum Beispiel kann man auch Geräusche einspielen, wesentlich aufwendigere Bildüberblendungen machen und Videos mit einbauen.

Ralf Walter: Früher wusste man nie, ob die Bilder was geworden sind oder nicht. Das hat sich immer erst nach dem Entwickeln gezeigt. Heute gibt es eine Kontrolle vorab. Da hat man die Chance, nachzubessern.

Geben Sie inzwischen mehr Geld für Kamera und Zubehör aus als noch vor ein paar Jahren?

Susanne Walter: Man hat sich früher viele Dia-Kästchen und Rähmchen gekauft. Heute geht vor allem die Anschaffung von Speichermedien ins Geld. Und eine gute Ausrüstung hat schon immer etwas gekostet.

Ralf Walter: Man braucht für digitale Fotografie ja nicht nur eine Kamera und eine Speicherkarte, sondern auch einen Laptop, Bearbeitungsprogramme, Hardware zur Datensicherung und einen Beamer. Wenn man das hochwertige Equipment zusammenrechnet, kommt bestimmt ein ganzer Kleinwagen dabei raus.

Die Hersteller ringen um Kundschaft, bringen in immer kürzeren Abständen noch bessere, schnellere, leichtere Modelle auf den Markt. Fühlen Sie sich da im Zugzwang?

Ralf Walter: Man sagt, die Halbwertszeit einer Kamera liegt bei zwei bis drei Jahren. Technik-Freaks gibt es bei uns nicht. Die meisten benutzen immer noch ihre allererste Digitalkamera.

Jürgen Drabner: Ich habe meine Kamera seit vielen Jahren und beherrsche nur einen Teil der Funktionen. Das, was sie kann, genügt mir.

Ein Blech Pizza, eine süße Katze, ein neues Paar Schuhe: Geknipst wird heute dank Handykamera alles und überall. Gut oder schlecht?

Jürgen Drabner: Fotografie wird beliebig, wenn man sich keine Gedanken mehr über den Faktor Kunst macht. Die Folge ist eine riesige Bilderflut. Früher passte ein Leben in ein einziges Album, heute hat man die Menge an Fotos an einem Tag.

Michael Ruoff: Wer nicht nur knipst, sondern auf der Suche nach einem Motiv ist, der sieht die Welt mit anderen Augen. Man achtet auf Kleinigkeiten, auf außergewöhnliche Blickwinkel. Die goldene Regel heißt: durchschauen, Augen schließen, nochmal durchschauen.

Susanne Walter: Man musste sich früher mit der Technik auseinandersetzen, damit überhaupt ein Bild entstehen konnte. Da war die Wertschätzung für das Ergebnis viel größer.

Knipsen Sie eigentlich auch mit dem Handy?

Susanne Walter: Wenn es schnell gehen muss und ich fotografisch keine hohen Ansprüche auf die Qualität des Bildes lege, mach ich schon mal einen Schnappschuss. Es ist aber eher Mittel zum Zweck. Die eigentliche Kunst mache ich schon mit meiner Spiegelreflexkamera.

Michael Ruoff: Ich mag die Haptik der Kamera, für mich ist sie ein Werkzeug, mit dem ich arbeite. Ich brauche einfach etwas in der Hand.

Welche Schwachstellen hat die digitale Fotografie?

Ralf Walter: Man kann nicht mit Sicherheit sagen, wie lange moderne Speichermedien tatsächlich die Daten halten.

Michael Ruoff: Zu Dia-Zeiten war klar, dass das Bild mir gehört. Stelle ich heute eines ins Internet, ist der fotorechtliche Aspekt ein kompliziertes Thema, weil der Zugriff auf das Bild praktisch weltweit möglich ist.

Jürgen Drabner: Ein falscher Klick am Laptop und alles ist verloren. Das ist jedem von uns schon mal passiert.

Seit 1992 findet regelmäßig im Herbst die Herbrechtinger Fotowoche statt. Gezeigt werden Fotografien zu einem gemeinsam festgelegten Thema. 2011 haben die Fotofreunde bei der Bezirksfotoschau Alb/Donau den ersten Platz belegt, und auch nachfolgende Teilnahmen waren erfolgreich. Macht ein freundschaftliches Miteinander die Ergebnisse besser?

Jürgen Drabner: Wenn ich meine Idee jemand anderem erzähle und er mir seine, dann habe ich zwei Ideen.

Susanne Walter: Über die Jahre sind durch das gemeinsame Hobby auch echte Freundschaften entstanden. Das finde ich sehr schön. Und dadurch wird die gemeinsame Erarbeitung eines fotografischen Themas zu etwas Besonderem und trägt sicherlich dazu bei, wie die Ergebnisse auf die Bildbetrachter wirken.

Michael Ruoff: Wir nennen uns ganz bewusst Fotofreunde. In unserem Jahresprogramm finden sich unter anderem verschiedene Ausflüge, bei denen vorab besprochene Themen in der Praxis umgesetzt werden. In diesem Jahr waren wir bereits am Federsee und planen weitere fotografische Exkursionen. Dass wir uns alle gut verstehen, daran hat die Digitalisierung nichts geändert.

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