Oberkochen / Thomas Zeller  Uhr
Dr. Christian Müller, Finanzvorstand der Zeiss-Gruppe, spricht über Planungen für das Interkommunale Gewerbegebiet und die Standorte in Ostwürttemberg, Millioneninvestitionen und Erwartungen an die Politik in der Region.

Noch gibt es nur erste Ideen für das Interkommunale Gewerbegebiet zwischen Oberkochen und Königsbronn. Doch schon im Vorfeld der Entscheidungen in den Gemeinderäten wurde eine Firma als möglicher Interessent für die Flächen gehandelt – die Carl Zeiss AG. Im Interview mit der Heidenheimer Zeitung bekundet Zeiss-Finanzvorstand Dr. Christian Müller zwar grundsätzliches Interesse, stellt aber auch Bedingungen vor konkreteren Zusagen.

Welche Pläne haben Sie für das geplante neue Gewerbegebiet?

Müller: Das Gewerbegebiet ist als Erweiterungsfläche für Zeiss grundsätzlich vorstellbar. Bevor hier aber über konkrete Planungen gesprochen wird, ist es notwendig, dass über ein Gesamtkonzept für die Region gesprochen wird.

Was meinen Sie konkret?

Das bedeutet, dass nicht nur Bebauungspläne wichtig sind, sondern dass auch über Verkehr, Wohnungen und Energieversorgung nachgedacht wird. Aktuell beschäftigen wir in Ostwürttemberg, also in Aalen und Oberkochen, rund 8000 Mitarbeiter. Davon haben wir etwa 1000 Mitarbeiter innerhalb der letzten 18 Monate in der Region neu angestellt. Wir erwarten deshalb von den verantwortlichen Akteuren innovative Ansätze mit einem langfristigen Fokus für die nächste Dekade. Generell ist Zeiss bereit, an der Entwicklung eines solchen Konzeptes mitzuwirken.

Könnten Sie sich vorstellen, die 16 Hektar des Gewerbegebietes allein zu nutzen?

Zeiss ist ein großes Unternehmen in der Region. Bei der Entwicklung des angesprochenen Gesamtkonzeptes ist es uns wichtig, dass auch andere Partner aus dem industriellen, aber auch dem nicht-industriellen Bereich beteiligt sind.

Das heißt, Sie haben gar kein Interesse an einer exklusiven Nutzung des Areals?

Wie bereits gesagt: Das Gewerbegebiet ist als Erweiterungsfläche für Zeiss grundsätzlich vorstellbar.

Das hört sich nach einer Absichtserklärung an, eine konkrete Investitionszusage höre ich aus Ihren Antworten noch nicht heraus.

Bevor wir hier über konkrete Planungen von unserer Seite aus sprechen, ist es notwendig, dass über ein Gesamtkonzept für die Region gesprochen wird.

Dennoch ist es für die beteiligten Kommunen und Kreise wichtig, etwas über Ihre Zeitplanung zu erfahren?

Unsere Planungen sind eng verbunden mit den Entwicklungsmöglichkeiten insgesamt in der Region. Und das hängt von verschiedenen Standortfaktoren ab, etwa auch den Entwicklungen in der Stadt Oberkochen und anderen Orten im Umfeld und Einzugsgebiet von Zeiss. Mit zunehmender Mitarbeiterzahl werden Themen immer dringlicher, die gelöst werden müssen – wie etwa der Wohnungsmarkt oder Infrastruktur-Probleme, wie beim öffentlichen Nahverkehr.

Sie haben in den vergangenen Jahren massiv in den Standort Oberkochen investiert. Wie hoch war das Gesamtvolumen?

Wir haben seit 2009 für die Weiterentwicklung der Halbleitertechnik hier rund 700 Millionen Euro ausgegeben. Und werden in den nächsten vier Jahren weitere 200 Millionen Euro in den Standort Oberkochen investieren. Aber auch wenn sich das nach viel anhört, wir haben noch etliche andere Bauvorhaben an unseren zahlreichen Standorten im In- und Ausland.

Welche Projekte planen Sie im Augenblick in Oberkochen?

Zum einen entstehen bis nächstes Jahr im Südwerk weitere Fertigungsstätten für die Halbleitersparte sowie weitere Büroriegel. Sie werden Platz für weitere 4000 Quadratmeter Büroraum bieten. Zum anderen sollen die Parkflächen in Oberkochen um weitere rund 1500 Stellplätze ergänzt werden. Dafür sind neue Parkdecks auf der jetzigen unbefestigten Fläche entlang der Bahnlinie gegenüber dem Oberkochener Bahnhof sowie ein Erweiterungsbau neben dem vorhandenen Parkhaus am Südwerk vorgesehen. Der Erweiterungsbau wird noch einmal dieselbe Größe und dasselbe Aussehen haben. Beide Parkgebäude sollen bis Ende 2019 fertiggestellt sein und die derzeitige Situation entspannen.

Haben Sie nach all den Investitionen in Oberkochen überhaupt noch Platz zum Wachsen?

Natürlich müssen wir uns dem Thema Expansionsmöglichkeiten stellen, aber wir haben bisher noch nicht alle uns zur Verfügung stehenden Flächen belegt.

Sie haben in den vergangenen Monaten in Ostwürttemberg fast 1000 neue Stellen geschaffen. Kommen Sie bei dieser Geschwindigkeit nicht irgendwann an Grenzen?

Wir bemerken bereits jetzt die Auswirkungen auf dem Wohnungsmarkt oder beim Thema Verkehr. Wir sind dabei auf die Partnerschaft mit den angrenzenden Kommunen angewiesen. Das Unternehmen kann verschiedene Möglichkeiten schaffen, etwa über Arbeitsplätze und Steuerzahlungen. Auf der anderen Seite muss die öffentliche Hand dann beispielsweise beim Verkehr stärker über Kreisgrenzen hinweg denken.

Welche Anforderungen für die Umsetzung des Interkommunalen Gewerbegebietes haben Sie darüber hinaus an die politischen Entscheider in der Region?

Bei diesem größer angelegten Projekt müssen verschiedene Parteien zusammenarbeiten. Es ist entscheidend, dass alle an einem Strang ziehen und das Gewerbegebiet als einen Punkt sehen, die Wettbewerbsfähigkeit in der Region zu verbessern. Daneben gilt es die Verwaltungsaufwände so gering wie möglich zu halten.

Zur Person

Dr. Christian Müller ist Mitglied im Vorstand sowie Finanzvorstand der Zeiss-Gruppe. Er wurde 1967 in Hanau/Main geboren. Der Manager studierte Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt/Main und begann seine Karriere bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft C&L Deutsche Revision. tz