Kreis Heidenheim „Bis Ende 2020 werden wir Radon-Risikogebiete ausweisen“

Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium.
Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium. © Foto: Ministerium
Kreis Heidenheim / Thomas Zeller 06.06.2018
Umweltstaatssekretär Andre Baumann erwartet durch die Regelung weitreichende Folgen für Arbeitgeber.

Das neue Strahlenschutzgesetz beschäftigt das Umweltministerium. Um den neuen Anforderungen des Bundes zu entsprechen und die Menschen im Land besser zu informieren, soll eine Anlaufstelle bei der Landesanstalt für Umwelt in Karlsruhe eingerichtet werden, sagt Umweltstaatssekretär Andre Baumann im HZ-Interview. Für Arbeitgeber können die neuen Regelungen Folgen haben.

Das Land ist gesetzlich verpflichtet Radon-Risikogebiete auszuweisen. Ab wann werden sie mit diesem Verfahren beginnen?

Andre Baumann: Die Gebietsausweisungen müssen innerhalb von zwei Jahren nach dem Inkrafttreten einer Verordnung, die die Kriterien für die Ausweisung enthält, erfolgen. Diese Verordnung soll nach den gegenwärtigen Planungen des Bundesumweltministeriums zeitgleich mit dem neuen Strahlenschutzgesetz am 31.12.2018 in Kraft treten, so dass dann die Gebiete bis spätestens 31.12.2020 feststehen und bekannt gegeben sein müssen.

In einer aktuellen Karte des Karlsruher Instituts für Technologie gibt es im Landkreis mindestens eine Gemeinde, in der die Referenzwerte für Radon-Belastung überschritten werden. Wie genau sind diese Angaben?

Baumann: Die ihnen vorliegende Karte gibt die Radon-Situation für Baden-Württemberg nur sehr grob wieder. Die nach dem neuen Strahlenschutzgesetz von den Ländern auszuweisenden Gebiete werden auf der Grundlage einer anderen Prognose erfolgen, für die weitere Messungen vorgenommen werden müssen. Daher kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt über die Einstufung des Landkreises Heidenheim als Radon-Risikogebiet keine valide Aussage getroffen werden.

Was würde es bedeuten, wenn der Kreis zu einem Risikogebiet würde?

Alle Arbeitgeber in diesen Gebieten sind dann verpflichtet innerhalb von 18 Monaten Radon-Messungen an den Arbeitsplätzen ihrer Mitarbeiter im Keller- und Erdgeschoss vorzunehmen. Genau gesagt, muss die Messung nach diesem Zeitraum abgeschlossen sein. Die Messdauer beträgt (voraussichtlich) zwölf Monate. Genaueres wird noch in der bereits erwähnten Verordnung geregelt. Da in Obergeschossen mit wesentlich weniger Radon in der Luft zu rechnen ist, hat der Gesetzgeber die Messverpflichtung auf Arbeitsplätze im Keller und Erdgeschoss beschränkt.

Was geschieht dann mit den Messergebnissen?

Die Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter und den Betriebs- oder Personalrat über das Ergebnis der Messungen „unverzüglich“ informieren. Die Messergebnisse sind aufzuzeichnen und müssen fünf Jahre ab dem Zeitpunkt der Erstellung aufbewahrt werden. Wurde an einem Arbeitsplatz messtechnisch nachgewiesen, dass der Referenzwert überschritten ist, muss der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen, um die Radon-Belastung für seine Mitarbeiter unterhalb des Referenzwertes zu senken.

Der Erfolg muss wiederum durch eine Messung überprüft werden. Erst wenn jetzt erneut erhöhte Radon-Werte angezeigt werden, muss der Arbeitsplatz behördlicherseits angemeldet werden. Von da an unterliegt der betreffende Betrieb der strahlenschutzrechtlichen Aufsicht. Die Strahlenschutzbehörde bewertet dann die bislang getroffenen Schutzmaßnahmen und ordnet ggf. weitere Maßnahmen zum Schutz der Arbeitskräfte vor Radon an.

Sind nur gewerbliche Arbeitsplätze von den neuen Vorgaben betroffen, oder gelten sie auch für öffentliche Gebäude wie Bibliotheken, Behörden oder Kindergärten?

Das Strahlenschutzgesetz nimmt in den einmal ausgewiesenen Gebieten keine Arbeitsplätze von den Regelungen aus. Es gilt also auch für öffentliche Gebäude.

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