Herbrechtingen 50 Jahre Lebensdauer? Neue Bibrishalle muss Checkliste standhalten

Die neue Bibrishalle wird ein nachhaltiges Gebäude. Sie wird gebaut in Einklang mit den einschlägigen Richtlinien des Landes. Dass diese eingehalten werden, wird geprüft und dokumentiert. Damit man sich innen wohlfühlt, gibt es Sonnenschutzglas und Jalousien.
Die neue Bibrishalle wird ein nachhaltiges Gebäude. Sie wird gebaut in Einklang mit den einschlägigen Richtlinien des Landes. Dass diese eingehalten werden, wird geprüft und dokumentiert. Damit man sich innen wohlfühlt, gibt es Sonnenschutzglas und Jalousien. © Foto: Sabrina Balzer
Herbrechtingen / Günter Trittner 17.04.2018
Als öffentlich geförderter Hochbau muss die Sport- und Mehrzweckhalle Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen. Betrachtet wird sogar ihr ganzer Lebenszyklus.

Das Land besteht auf Nachhaltigkeit im kommunalen Hochbau. Das Bauen müsse sich an den weltweiten Zielen des Klimaschutzes und der Ressourcenschonung orientieren, heißt es in der Einleitung des grundlegenden Kompendiums „Nachhaltigkeit im Bauwesen“.

Nicht nur zur Lektüre, sondern zur sorgfältigen Umsetzung liegt dieses Aufgabenheft derzeit auch in der Herbrechtinger Stadtverwaltung aus. Denn die im vom Land erarbeiteten Vorgaben, muss auch die neue Bibrishalle einhalten. Die Stadtverwaltung hat eigens einen Fachmann engagiert, der anhand einer langen Checkliste sich vergewissert, dass die Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllt werden. Das gilt en gros für die Umweltbilanz des Neubaus wie im Detail für jeden beim Bauen verwendeten Stoff.

„Eine ganz spannende Sache“, sagt Dieter Frank, der Fachbereichsleiter Bau im Rathaus. Und auch eine verpflichtende. Denn das Land knüpft seine Förderzusage für die Sport- und Mehrzweckhalle an den Nachweis der Nachhaltigkeit.

50 Jahre Lebenszyklus

Die zeitliche Betrachtung des Bauprojekts in Sinne der Nachhaltigkeit ist sehr weit gespannt. Sie beginnt bereits mit dessen Planung, umfasst Bau- und Betriebsphase und schließt noch die Entsorgung der Baumaterialien mit ein, wenn die Halle dermaleinst abgerissen wird. Für sich setzt Frank zwar ein kleines Fragezeichen, wenn prognostizierte Angaben über einen fiktiv auf 50 Jahre angesetzten Lebenszyklus der Halle eingefordert werden, die allermeisten im Pflichtenheft gestellten Anforderungen sind aber sehr griffig.

Da geht es etwa um die Herkunft der Hölzer, für welche ein Lieferkettenzertifikat vorliegen muss, da geht es um das Verbot chemischer Holzschutzmittel und um den Einsatz von Recycling-Beton für Bauteile, welche keine hohe Güte erfordern. Beim Recycling-Beton muss die neue Bibrishalle passen. Nicht weil die Stadt als Bauherrin nicht wollte. „Wir haben im Umfeld niemand gefunden, der diesen macht.“

Nicht weniger präzise sind die Auflagen, wenn es um die Anforderungen an Anstriche, Beschichtungen und Beläge geht. Auch hier muss auf der Check-Liste stehen was drin ist und es dürfen keine umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe sein.

Auch behaglich soll es sein

Unter der Rubrik Nachhaltigkeit führt das Land sogar die thermische und akustische Behaglichkeit in Innenräumen an. Für die neue Bibrishalle sind eine Sonnenschutzverglasung und Jalousien vorgesehen. Ab Baukosten von drei Millionen Euro wird eine thermische Raumsimulation verlangt. Die akustischen Berechnungen kann die Stadtverwaltung bereits abhaken. Auch für die Qualität der Innenraumluft will das Land Nachweise sehen. Für jeden Raumtyp, und da gibt es in der Mehrzweckhalle ja sehr unterschiedliche, müssen die Lüftungsraten definiert sein. Dokumentiert sehen möchte das Land auch, wie reinigungs- und instandhaltungsfreundlich das Gebäude ist. Da geht es etwa um Belange wie den Schutz von Sockeln vor Beschädigung oder um Schmutzfangzonen.

Überprüft werden muss abschließend die Qualität der Bauausführung. Obligatorisch sind Messungen der Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle, der Luftqualität in den Räumen und die akustischen Gegebenheiten. Konkret geht es um den Nachhall.

„Man wird sich der möglichen Umweltbelastungen bewusster“, beschreibt Frank einen Effekt all dieser Messungen und Dokumentationen. Gespiegelt werden die für die Halle ermittelten Werte an Daten, welche das Land zwischen 2009 und 2011 im Zusammenspiel mit den kommunalen Landesverbänden und weiteren Experten als Nachhaltigkeitskriterien entwickelt hat. Eingeschlossen ist auch ein Zeitfaktor. So müssen nachhaltige Gebäude heute einen um 30Prozent niedrigeren Energieverbrauch haben als im Jahr 2009.

Alte Hallen und die neue Bibrishalle im Vergleich

Vergleichen lassen muss sich die neue Bibrishalle aus Sicht der Stadt aber auch mit den Hallen, welche sie ersetzen soll. Auf den ersten Blick scheint beim Stromverbrauch der Fortschritt nicht greifbar. Oskar-Mozer-Halle und Bibrishalle benötigten 215 000 Kilowattstunden im Jahr. Die neue Bibrishalle ist auf 278 000 Kilowattstunden berechnet. Zu berücksichtigen ist aber, dass sie beide Hallen nicht nur räumlich ersetzt, sondern mit der Mensa und Gymnastikräumen eine zusätzliche Nutzung vorsieht. Und: Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach sorgt allein für 130 000 Kilowattstunden, sodass nur noch für 150 000 Kilowattstunden Stromverbrauch eine Rechnung ausgestellt wird.

Auch im Wärmeverbrauch ist die neue Bibrishalle trotz ihre größeren Dimension den alten Hallen voraus. Statt 620 000 Kilowattstunden sind nur noch 600 000 Kilowattstunden erforderlich.