Niederstotzingen 437 Niederstotzinger schätzen die Ruhe im Ort

Am Montagabend präsentierten Philip König (am Pult) und Adrian Schwake (erste Reihe Zweiter von rechts) vom Stadtplanungsbüro Reschl vor Bürgermeister Marcus Bremer (erste Reihe rechts) und der Bevölkerung die Ergebnisse der Bürgerbefragung.
Am Montagabend präsentierten Philip König (am Pult) und Adrian Schwake (erste Reihe Zweiter von rechts) vom Stadtplanungsbüro Reschl vor Bürgermeister Marcus Bremer (erste Reihe rechts) und der Bevölkerung die Ergebnisse der Bürgerbefragung. © Foto: Christian Thumm
Niederstotzingen / Patrick Vetter 20.06.2018
Bei der Einwohnerversammlung wurden die Ergebnisse der Bürgerbefragung vorgestellt. Die Auswertung zeigte, was sich die Mehrheit der Niederstotzinger wünscht.

Ich möchte mich bei den Briefträgern bedanken“, das sagte Bürgermeister Marcus Bremer in seinen einleitenden Worten bei der Bürgerversammlung. Danken wollte er ihnen für das Zustellen von zweimal 4198 Briefen an alle Bürger über 16 Jahre, denn Thema der Veranstaltung war die Auswertung der anonym vorgenommenen Bürgerbefragung. In der vollbesetzten Stadthalle warteten etwa 200 Bürger auf die Ergebnisse und Zahlen.

46 Prozent der Befragten haben sich beteiligt

Das Planungsbüro Reschl aus Stuttgart, das mit der Erstellung des Stadtentwicklungskonzepts beauftragt worden war, hatte die Befragung vorbereitet.

1913 von den Bürgern zurück gesandte Fragebögen wurden vom Büro ausgewertet. Rund 46 Prozent der Befragten hatten sich somit beteiligt: „Im Vergleich zu anderen Kommunen ist das eine besonders gute Rücklaufquote“, sagte Philip König von der Firma Reschl, der die Ergebnisse zusammen mit seinem Kollegen Adrian Schwake vorstellte.

In der Präsentation beschrieben die Niederstotzinger ihre Stadt mit Adjektiven wie sympathisch, ruhig und sicher, aber auch langweilig, stagnierend, grau und alt.

Lontal ist unzufriedener

Der Rücklauf an Fragebögen sei laut König in allen Altersgruppen, Teilorten und unter allen Nationalitäten etwa gleich hoch gewesen. Auch die erste Frage wurde fast überall ähnlich beantwortet: 91 Prozent der Befragten sind zufrieden mit der Lebensqualität in der Stadt Niederstotzingen.

Lontal und Reuendorf sind unzufriedener

Nur in Lontal und Reuendorf sind es lediglich 58 Prozent. Aus den Teilorten war am Montag niemand anwesend. Das wichtigste Thema für die Bürger aus den kleinsten Orten war die Planung einer Umgehungsstraße. Im Anschluss an diese Frage, durften die Bürger aufzählen, was ihnen besonders gefällt oder missfällt. Ganz klar auf dem ersten Platz landeten dabei die Natur, die Lage und die Ruhe, die 437 Personen gefallen. Zugehörig dazu sind die 193 Nennungen der ländlichen Umgebung und der Überschaubarkeit.

211 Mal wurden die Einkaufsmöglichkeiten positiv genannt, obwohl zwei Drittel der Leute etwas im Einzelhandel vermissen. Gleich 891 Personen wünschen sich ausdrücklich einen Drogeriemarkt. Der mittelfristige Bedarf sei schlecht abgedeckt (88 Prozent).

Den Niederstotzingern gefallen die Ortsmitte, das Vereinsleben (fast die Hälfte ist engagiert, oder kann es sich für die Zukunft vorstellen), die Nähe zu größeren Städten und die Verkehrsanbindung. Im unteren Bereich, aber zumindest noch mit 27 Nennungen, wurde auch der Archäopark positiv bewertet (über 50 Prozent).

Schlechtes Internet bemängelt

Die Kosten, die durch diesen entstehen, wurden aber auch unter den negativen Punkten vermerkt. Die stärksten Bereiche auf dieser Seite waren ein zu hohes Verkehrsaufkommen, was auch nochmal von einem anwesenden Bürger bestätigt wurde, sowie vor allem im Hauptort Niederstotzingen die schlechte Internetverbindung (77 Prozent wünschen sich hier eine bessere Infrastruktur), das Stadtbild mit wenigen Grünanlagen (in Stetten die Top-Anmerkung) und die Schließung des Schwimmbads Lonido.

Das geringe Angebot für Jugendliche missfiel 92 Einwohnern. Insgesamt vermissen 52 Prozent Angebote für junge Menschen. Sie wünschen sich einen Jugendtreff. „Man sollte auf die Jugendlichen zugehen. Etwas mit ihnen machen und nicht für sie“, sagte König.

Zwei Drittel halten Lebensbedingungen für die Jugend für schlecht

Dass es in dieser Hinsicht Verbesserungsbedarf gibt, wurde in weiteren Antworten im Fragebogen deutlich. So bewerteten 66 Prozent der Befragten die Lebensbedingungen für Jugendliche als schlecht. Bei den Unter-30-Jährigen waren es sogar über 70 Prozent – wobei die Bürger über 85 Jahre eine umgekehrte Ansicht vertraten. Als prägend für die Identität der Stadt wurden in der Befragung der Rathausplatz, das Lindenfest und der Archäopark aufgezählt. Genannt wurden ferner die 650-Jahr-Feier, der Rosenmarkt und in Stetten das Ritterturnier, aber auch das abgerissene Schwimmbad und der ehemalige Bürgerpark.

Bürger wollen mehr Wohnungen

Über die Hälfte der Einwohner, vor allem junge Erwachsene, wünschen sich auch mehr Mietwohnungen und Bauplätze – mit den vorhandenen und den Preisen sind zwei Drittel zufrieden. Neue Wohnungen sollten laut Bevölkerung im Zentrum entstehen, ebenso wie Senioreneinrichtungen. Trotzdem wünschen sich die Meisten, im Alter betreut zu Hause wohnen zu können. Die Mehrheit (84 Prozent) sprach sich für eine ausreichende Menge an Gewerbeflächen auch für neue Unternehmen aus.

Fast alle zufrieden mit dem Vereinsangebot

Große Zufriedenheit gab es laut Adrian Schwake mit dem Sport (88 Prozent) und Vereinsangebot (94 Prozent) in der Stadt. 64 Prozent finden auch das sonstige Freizeit- und Kulturprogramm gut. Einig sind sich über 95 Prozent, dass die Natur um Niederstotzingen wichtig für die Naherholung, Tiere, Pflanzen sowie das Ortsbild sei.

Über das, was im Ort vorgeht, sehen sich 82 Prozent gut informiert. Nur in Lontal und Reuendorf hätten gerne 58 Prozent der Befragten mehr Infos. Auch abgesehen davon sind die Niederstotzinger mit der Verwaltung sehr zufrieden (86 bis 94 Prozent).

Die Oberstotzinger möchten schöne Spielplätze

Im Bereich Bildung und Erziehung schnitten die Spielplätze schlecht ab. Ihr Ausbau war in Oberstotzingen die häufigste Anmerkung. Weiterführende Schulen und eine Bibliothek seien nicht so wichtig. Die Betreuungseinrichtungen bewerten 86 Prozent positiv. Am wichtigsten schätzten die Leute das Thema Hausärzte ein. Ein Drittel sieht hier noch Ausbaubedarf. Außerdem gebe es zu wenige Fachärzte, befanden 85 Prozent. Sehr relevant sei die Verkehrssicherheit und der Schutz vor Kriminalität, wobei sich 43 Prozent bereits sicher fühlen.

„In allen wichtigen Fragestellungen waren sich die Ortsteile und die Altersgruppen weitestgehend einig“, sagte König abschließend.

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