Kirche 370 000 Euro kostet die Sanierung

Bolheim / GÜNTER TRITTNER 13.02.2014
Akute Gefahr bestehe nicht, weiß Pfarrerin Hanna Nicolai zu beruhigen. "Das Dach wird nicht gleich einstürzen." Doch die evangelische Kirche braucht eine Sanierung. Und zwar vor allem im Dachbereich. Ein Gockelteam wirbt am Ort bereits um Spenden.

Der Sanierungsbedarf kommt nicht überraschend. Bereits 2007 gab es die erste Bauberatung mit dem Oberkirchenrat. 2012 erfolgte eine detaillierte Aufnahme der Schäden. Dass an vielen Stellen der Verputz am Kirchengebäude abplatzt, fällt inzwischen selbst einem bautechnischen Laien auf. Die letzte Außenerneuerung datiert auf das Jahr 1986. Ein Blick auf die Turmuhr zeigt schnell, dass das Zifferblatt kaum mehr Farbe trägt.

Um den schwersten Schaden zu erkennen, muss man freilich an der Orgel auf der Empore vorbei auf den Dachboden steigen. Die Sparren des hoch aufragenden Dach sitzen auf dem Mauerwerk auf. Die waagrechten Fußpfetten, die eigentlich die Dachkonstruktion tragen sollten, sind im Laufe der Zeit feucht geworden und verrottet. „Es war alles mit Bauschutt zugedeckt“, gibt Nicolai eine Begründung, warum dieser Verfall so lange nicht bemerkt worden war.

Die evangelische Kirche in ihrer heutigen Gestalt datiert auf das Jahr 1780 zurück. An der höchsten Stelle des altes Dorfes hat man aber im Chorbereich Fundamente eines Kirchenbaus gefunden, die auf die Zeit der elften und zwölften Jahrhunderts verweisen.

370 000 Euro soll die Renovierung kosten

1536 war die Kirche evangelisch geworden und auf die evangelischen Gemeindemitgliedern kommt nun auch die Aufgabe des Bewahrens zu. Auf 370 000 Euro sind die Renovierungskosten veranschlagt. Zuschüsse gibt es von der Kommune Herbrechtingen, vom Kirchenbezirk, vom Oberkirchenrat und womöglich auch vom Landesdenkmalamt, das in die Sanierung eingeschaltet ist. Von der örtlichen Kirchengemeinde müssen aber immer noch nach Nicolais Rechnung 211 000 Euro finanziert werden. Wissend um den Sanierungsbedarf hat die Kirchengemeinde bereits in den vergangenen Jahren 90 000 Euro (Stand 2012) angespart. Fehlen also noch 120 000 Euro.

Unter dem Motto „Damit der Gockel auf dem Kirchendach bleibt“, hat sich bereits ein Gockel-Team gebildet, welches „auf kreative Weise“ Mittel für die Kirchensanierung sammeln wird. Aufgelegt wurde bereits ein Jahreskalender 2014 mit Bildern des Gotteshauses, es werden Sparschweinchen für kleine und auch große Gaben ausgegeben, man hat schon ein Spendenessen abgehalten und man verkauft einen Kirchenwein, der aber nicht aus dem Brenz–, sondern aus dem Remstal stammt. Freuen würde sich Pfarrerin Nicolai über die Zusendung von vielen Rezepten aus der Kirchengemeinde, damit daraus ein Rezeptbuch entstehen kann.

Ob die Sanierung heuer beginnen kann, wird sich erst in zwei Monaten entscheiden. Man will noch auf die Genehmigung des Zuschussantrags an das Landesdenkmalamt warten. Oder einen Ausnahmeantrag bei der Stuttgarter Behörde einreichen, wenn sich das Verfahren zu lange hinzieht.

Repariert werden im Zuge der Sanierung auch Einschusslöcher in der Turmbedachung. Wer auch immer sich diesen zum Ziel genommen hat, „wir wissen es nicht“, sagt Pfarrerin Nicolai.

Nach der Kirchensanierung will sich die Kirchengemeinde auch der Orgel annehmen. Hier steht eine Generalüberholung an. Nicolai rechnet mit einem Aufwand in Höhe von 20 000 Euro. Erstmals erwähnt wird im Orgel in der Kirche auf dem Lindenberg im Jahr 1716. Mehrfach gab es Neubauten, der letzte im Jahr 1890. Seitdem gab es aber immer wieder Umbauten, den letzten durch den 1990 verstorbenen Kirchenmusiker, Komponist und Orgelspezialisten Helmut Bornefeld. Dieser war über Jahrzehnte Organist und Kirchenmusikdirektor an der Heidenheimer Pauluskirche gewesen.

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