Tierschutz Zweifelhafte Ehre fürs Veterinäramt

Dirk Hülser 11.01.2018
Peta zählt die Göppinger Behörde zu den „tierfeindlichsten“ im Land, verschweigt aber entscheidende Fakten.

Die „Tierrechtsorganisation“ Peta hat ihre jährliche Liste der besten und schlechtesten deutschen Veterinärbehörden 2017 veröffentlicht. Darin landet das Kreisverterinäramt des Göppinger Landratsamts auf Platz drei der „tierfeindlichsten“ Ämter. „Berücksichtigt wurden Ämter, die bei ihrer Arbeit besonders positiv oder negativ aufgefallen waren, nachdem sie von der Tierrechtsorganisation über einen Missstand informiert wurden“, schreibt Peta über das Zustandekommen der Liste. 

Als Grund für das schlechte Abschneiden der Göppinger Behörde führt Peta den Fall eines Landwirts aus dem Kreis an, der vom Amtsgericht Göppingen freigesprochen worden war. „Kranke und verletzte Schweine in verdreckten Buchten waren auf einem Video zu sehen, das Tierschützer in einem Mastbetrieb eines Landwirts ... gemacht hatten“, schreibt Peta in einer Pressemitteilung. „Peta zeigte den Bauern, der zuvor eine Geldstrafe wegen ähnlicher Vorwürfe erhalten hatte, wegen Tierquälerei an“, schreiben die Tierschützer. „Das Verfahren wurde jedoch zunächst eingestellt, nachdem der leitende Veterinärdirektor Dr. Michael Pettrich in seiner Stellungnahme von falschen Behauptungen gesprochen hatte“, heißt es weiter. Schließlich kam es doch zu einem Strafbefehl, gegen den der Bauer Einspruch einlegte. Das anschließende Gerichtsverfahren im Mai vergangenen Jahres endete mit Freispruch. „Der Landwirt hatte seine Schweinehaltung zwischenzeitlich aufgegeben“, schreiben die Aktivisten. 

Was Peta nicht schreibt: Der Landwirt war nach einem Unfall lange arbeitsunfähig und verbrachte viel Zeit in Kliniken. Eine Hilfskraft hatte sich womöglich nicht immer ausreichend um die Tiere gekümmert. Überprüfen konnte die angeblich schlimmen Zustände in dem Betrieb niemand, weil die Tierschützer erst zehn Wochen nach ihrem Eindringen in den Stall Anzeige erstattet hatten. Auf die Frage der Richterin, wie es zu den Videoaufnahmen gekommen sei, verweigerte ein als Zeuge geladener Peta-Aktivist die Antwort. So forderte auch die Staatsanwaltschaft einen Freispruch.

Peta sieht in dem Fall noch heute ein Fehlurteil: „Der Landwirt hätte wegen massiver Tierquälerei bestraft werden müssen.“ Behördenchef Pettrich äußerte sich zum Auftauchen seines Amts in der Peta-Liste am Donnerstag nur kurz: „Diese Peta-Aktivitäten wollen wir nicht näher kommentieren.“