Treffelhausen Zwei Schnee-Macher am Skilift

An einer sogenannten Schneelanze entsteht am Skilift in Treffelhausen Schnee. „Bei etwa 40 Prozent Luftfeuchtigkeit gibt es bereits bei 0 Grad Außentemperatur tollen Schnee“, sagt Mike Barth.
An einer sogenannten Schneelanze entsteht am Skilift in Treffelhausen Schnee. „Bei etwa 40 Prozent Luftfeuchtigkeit gibt es bereits bei 0 Grad Außentemperatur tollen Schnee“, sagt Mike Barth. © Foto: Claudia Burst
Treffelhausen / Claudia Burst 14.02.2018
Christian Staudenmaier und Mike Barth haben sich das „Schneemachen“ am Skilift in Treffelhausen selber beigebracht.

Damit künstlicher Schnee richtig pulvrig wird, unter den Skiern knirscht und Skifahrer jeden Alters begeistert, müssen viele Faktoren passen. Darüber sind sich Christian Staudenmaier (26) aus Böhmenkirch und Mike Barth (24) aus Treffelhausen im Klaren – sie haben sieben Jahre an den Schneelanzen in Treffelhausen experimentiert. Inzwischen wissen sie, wie sie aufs Wetter reagieren müssen, damit es am Kriegsburren auch dann optimale Schneebedingungen hat, wenn andere Skigebiete auf der Alb noch verzweifelt auf Schnee warten. Seit gestern sind ihre Lanzen wieder in Betrieb und der Skilift als einer der wenigen in der Region geöffnet.

Die Hauptfaktoren bei den Schneelanzen sind Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit. „Bei etwa 40 Prozent Luftfeuchtigkeit gibt es bereits bei 0 Grad Außentemperatur tollen Schnee“, sagt Mike Barth. Allerdings sei im Winter die Lufttemperatur meistens höher, sodass es kälter sein müsse, um optimalen Schnee zu produzieren. Wichtig sei darüberhinaus die Temperatur des Wassers, das auf möglichst drei Grad im Kühlturm heruntergekühlt werde, bevor es in die Schneelanzen gelangt. Der Wind muss ebenfalls beachtet werden, die Schneegrundlage auch. „Das ist alles sehr komplex“, sind sich die jungen Männer einig.

Vermutlich ist es gerade diese Herausforderung, die sie von ihrem „Nebenjob“ schwärmen lässt. Eigentlich ist Staudenmaier Kfz-Mechatroniker, Barth Schreinermeister – aber beide bezeichnen ihr Tätigkeit am Treffelhausener Skilift als „bestes Hobby überhaupt!“ Und das, obwohl sie dann, wenn alle Faktoren passen, jede Stunde kontrollieren müssen, ob sich nichts geändert hat an den Außenbedingungen oder ob sie über die Wassermenge auf Änderungen reagieren müssen. „Das ist dann meistens nachts, der Kunstschnee muss noch auskühlen und an den Wochenenden sind die Pisten ja schon ab neun Uhr geöffnet“, erzählt Christian Staudenmaier.

Dabei ist das Schneemachen nur ein Bruchteil der Aufgaben des Duos. Beide unterstützen Lift-Inhaber Hubert Lang seit vielen Jahren in allem, was getan werden muss, um den Liftbetrieb aufrecht zu erhalten. „Weil es uns beiden wichtig ist, dass es den Lift auch noch in Zukunft gibt“, sagt Mike Barth. Genau wie sein Kumpel erinnert er sich gern an seine Ski-Anfänge auf dieser Piste, „damals noch auf Mini-Skiern mit Plastikbindung“.

Zufall führt zu Dauereinsatz

Als Jugendliche nutzten sie jede Gelegenheit, am Lift Bügel zu geben oder die Skikarten abzuknipsen. „Irgendwann vor neun oder zehn Jahren hat Herr Huber die Gehänge für die Liftbügel hochgemacht, ich war zufällig vor Ort und hab geholfen – seitdem hat er mich immer angerufen“, erzählt Christian, wie es dazu kam, dass er mehr und mehr Verantwortung übernahm. In den folgenden Jahren habe es dann einen Generationenwechsel gegeben, die älteren Helfer hätten nach und nach aufgehört. Deshalb fragte er Mike, der eine Zeitlang im Winter verstärkt seinen Vater Frank Barth beim Loipen der Langlaufstrecken um Treffelhausen unterstützt hatte, ob er wieder am Lift mithelfen könne.

Werkstatt für tägliche Arbeit

Heute ist das Duo dafür verantwortlich, dass die gesamte Technik regelmäßig gewartet und Kaputtes repariert wird, dass die Piste optimal gewalzt und präpariert ist, dass die Parkplätze freigeräumt sind, bis die Besucher kommen und dass genügend Mitarbeiter vor Ort sind. Sie bereiten im Herbst alles für den TÜV vor, bauen Schneezäune und Abschrankungen auf – und im Frühjahr wieder ab. Im vergangenen Sommer haben sie an die Lifthütte eine Werkstatt angebaut und diese außen und innen mit Holz verkleidet, damit die vielen kleinen, täglichen Reparaturen und Wartungsarbeiten im Warmen stattfinden können.

Zu tun gibt es immer und jederzeit genug. „Langweilig wird das nie, das macht immer Spaß“, sagt Mike Barth und sein Freund fügt grinsend hinzu: „… und wer kann sonst schon Schnee machen?“

Bis zu 75 Kubikmeter Schnee in der Stunde

Christian Staudenmaier und Mike Barth sind zuständig für die Technik am Doppelschlepper und an einem einzelnen Schlepplift. Das sind dreimal 48 Bügel. Die drei Lifte transportieren pro Stunde bis zu 3600 Ski- und Snowboardfahrer auf den Berg. Um bei Hochbetrieb sowohl die Kon­trollhütte oben am Hang als auch die Kasse zu besetzen, jedem Lift einen Kartenknipser und Bügelgeber zuzuteilen, jemanden für die Wartung bereit zu halten und die Piste zu walzen, sind zehn Helfer notwendig. Staudenmaier und Barth haben dafür eine Liste von 18 Freiwilligen, die sie – oft kurzfristig – anrufen müssen, ob sie Zeit haben. Über weitere Helfer würden sie sich freuen.

Die vier mobilen Schnee-Lanzen, die es seit 2012 in Treffelhausen gibt, verwandeln bei optimalen Bedingungen bei vollem Einsatz 30 Kubikmeter Wasser in bis zu 75 Kubikmeter Schnee pro Stunde. Mit dem Pistenbulli können die mobilen Lanzen dorthin verfrachtet werden, wo Schnee benötigt wird. An jeder Liftstütze gibt es für sie einen Wasseranschluss. Im Gegensatz zu Schnee-Kanonen brauchen Schnee-Lanzen weniger Strom und können bereits bei höheren Temperaturen Schnee produzieren.