Heimat Zur Erinnerung an die toten Söhne

Ganz nahe an der Albkante steht die kleine Michaelskapelle auf dem Messelberg bei Donzdorf. Die Kirche wäre  froh über Paten, die die Gedenkstätte pflegen.
Ganz nahe an der Albkante steht die kleine Michaelskapelle auf dem Messelberg bei Donzdorf. Die Kirche wäre froh über Paten, die die Gedenkstätte pflegen. © Foto: Beate Schnabl
Donzdorf / Beate Schnabl 12.04.2018

Einsam auf weiter Flur steht die kleine Kapelle, nah der Albkante, wo sich der grandiose Ausblick weit über Donzdorf hinaus bietet. Vor allem werktags herrscht hier besinnliche Ruhe. Kaum ein Wanderer oder Spaziergänger kommt vorbei und kein Geräusch vom angrenzenden Fluggelände stört die Stille. Die Michaelskapelle wurde 1947/48 errichtet. Sie entstand zur Erinnerung an zwei im Krieg gefallene junge Soldaten, wie als Inschrift zu lesen ist.

Es handelt sich um die Söhne des Dr. Georg Baur, einem Lehrer auf dem Gebiet der Pflanzenzüchtung an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim. Er hatte 1939 aus politischen Gründen den Staatsdienst verlassen müssen. Seine Arbeitssuche brachte ihn mit Frau, zwei Söhnen und einer Tochter nach Donzdorf, wo er die Stelle des Leiters der gräflich Rechbergschen Domänen­direktion antrat. Die Söhne wurden gleich nach dem Abitur zur Wehrmacht eingezogen und an der Ostfront eingesetzt. Im Januar 1944 fiel Sohn Wolfgang, mit gerade mal 21 Jahren. Sein um ein Jahr jüngerer Bruder Winfried wurde wenige Wochen später bei Rückzugskämpfen im Raum von Orscha schwer verwundet und galt als vermisst. Nie wieder gab es ein Lebenszeichen von ihm.

Der Schmerz über den Verlust der beiden Söhne veranlasste die Eltern, die kleine Gedenkkapelle zu errichten. Die Kapelle zu Ehren des heiligen Michaels zu bauen, regte der damalige Ortspfarrer Altmann an. Er hatte immer wieder davon erzählt, dass sich früher auf dem Messelberg zwischen Messelhof und Oberweckerstell eine Michaelskapelle befunden habe. Der Heilige Michael fungiert im Alten Testament als der Beschützer des Gottesvolkes und in der Liturgie der Kirche als der Seelenführer der Toten. Die Mutter, die künstlerische Gestaltung und Kunstgeschichte studiert hatte, entwarf den Plan für die Kapelle und die Konzeption für die Figur des Michaels. Ein früherer Studienkollege, der in Stuttgart als Steinmetz arbeitete, setzte die Idee für den Michael als Schutzpatron um und gestaltete die Figur. Per Handschlag genehmigte Josef Graf Rechberg den Bau auf seinem Grundstück auf dem Messelberg.

Die Kapelle wurde mit Unterstützung des Rechberg‘schen Bauhofs erbaut. Pfarrer Altmann nahm die kirchliche Weihe vor. Der Vater war nach dem Ende der Nazi-Herrschaft von der Hochschule rehabilitiert worden und erhielt einen Lehrstuhl für Landwirtschaftliche Betriebslehre in Hohenheim. Politisch war er im Filstal Mitbegründer der CDU, wurde in den Bundestag und später in den Landtag gewählt. Georg Baur starb 1975, seine Frau bereits 1968. Tochter Annemarie fühlte sich zusammen mit ihrem Ehemann weiter für die Gedenkstätte ihrer gefallenen Brüder verantwortlich. Im Juni 2016 ging die kleine Michaelskapelle formlos an die Katholische Kirchengemeinde Donzdorf über, die sich nun um Pflege und Instandhaltung kümmert.

Elisabeth Grupp-Saur, die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, hat sich der Kapelle angenommen. Zweimal im Jahr schauen sie und Gudrun Weber nach dem Rechten, entfernen welkes Laub, schneiden die Büsche zurück und beseitigen Müll. „Mehr ist leider nicht möglich. Wir haben so viele Kapellen in unserer Gemeinde“, erklärt Grupp-Saur. „Schön wäre es deshalb, wenn sich ein Pate für die Michaelskapelle finden würde.“