Insekten Zum Nachtisch gibt es Heuschrecken

Rechberghausen / CORNELIA VILLANI 17.03.2014
Mehlwürmer in der Suppe und Heuschrecken zum Nachtisch: Im Begegnungscafé Casanova in Rechberghausen trauten sich am Samstagabend 26 Mutige an ein ganz besonderes Fünf-Gänge-Menü.

"Bitte schön, frisch geschlüpft", witzelt Casanova-Chef Matthias Renning und stellt den Teller auf den Tisch. In der Karottensuppe liegen vier gewürfelte Gemüsestücke. In jedem stecken vier zahnstocherdicke, braune Würmer, die aussehen, naja, wie eben gerade geschlüpft. Kein Grund für Julia, Zucchini und Co. nicht zu probieren. "Schmeckt irgendwie nussig", urteilt die junge Frau hinterher. Ihre Freundin Karin nickt und ergänzt: "Die sind sogar ganz knusprig." Begleiter Simon hat gar kein Problem: "Ich habe schon afrikanische Riesenameisen samt Flügeln gegessen", sagt er.

Interessiert und mit viel Elan begutachten die 26 Gäste ihre Teller - und reagieren ganz unterschiedlich. Überhaupt keine Skrupel hat Elisabeth Feil. "Sie hat mich auf die Idee gebracht", erzählt Gastgeber Matthias Renning und deutet auf die lachende Frau mit den kurzen schwarzen Haaren. "Ich bin überzeugt, dass sich Insekten auch bei uns als Mahlzeit durchsetzen werden", sagt die Wäschenbeurenerin. Gegenüber Rind, Schwein und Pute sei der Verzehr von Heuschrecke oder Wurm gesünder, nachhaltiger und ohne Tierquälerei möglich. "In Holland kann man Insekten bereits einfach im Supermarkt kaufen."

In Deutschland sind die Tierchen nur übers Internet zu bekommen. "Unsere Auswahl wurde gefriergetrocknet geliefert", sagt Karen Mess. Die junge Frau hilft Matthias Renning bei größeren Veranstaltungen in der Küche. Jetzt nimmt sie drei Plastikdosen und stapelt sie neben dem Herd. Die obere ist mit den Mehlwürmern aus der Suppe gefüllt. Die nächsten sind eine Nummer kleiner. "Die können wir einfach über die Gerichte streuen", erklärt Frank Lindheimer und tritt dazu. Der Heilpraktiker und gelernte Koch hat das Menü zubereitet. "Wir sehen den heutigen Abend als Einstieg in das Thema", sagt er und rührt in einer Pfanne Gemüse. "Deshalb servieren wir ,nur" Würmer und Heuschrecken."

Nicht nur skeptisch, sondern wirklich gegen das Insektenessen ist Hermann. Statt Würmchensuppe hat ihm Renning eine Wurstplatte serviert. "Das ist einfach nicht mein Fall", sagt der Mann lächelnd. "Wir haben bei der Anmeldung gefragt, ob er normal essen kann", erzählt seine Frau Petra. Vielleicht hätte das der ein oder andere ihrer Tischnachbarn auch tun sollen. Als zum Nachtisch auf dem Maronenmousse endlich die karamelisierte Heuschrecke steckt, gefrieren manche Gesichter ein. Nur wenige beißen wie Petra herzhaft in das Tierchen. Am gleichen Tisch blickt Frank lange zweifelnd auf seinen Zahnstocher, bis er allen Mut zusammen nimmt. "Die Flügel kleben am Gaumen, das ist nicht so toll", sagt er hinterher. Der Gast ihm gegenüber kaut mit ergebener Miene und geschlossenen Augen. Andere drücken lautstark ihren Ekel, aber auch Begeisterung aus.

Hinterher sind die Meinungen gespalten. Vielen habe es aber geschmeckt. "Ich denke, das wird trotzdem eine kulinarische Nische bleiben", schätzt Mario. Nur Elisabeth Feil ist überzeugt: "Wartet mal zehn Jahre, dann ist das auch hier ganz normal."

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel