Uhingen Zuhause im zweiten Wohnzimmer

KARIN TUTAS 05.07.2012
Das Uditorium hat den Uhinger Alt-Bürgermeister Klaus Walter in seinen letzten Berufsjahren stark beschäftigt. Heute ist das "U" einer der Orte, an denen sich der frühere Rathauschef richtig zuhause fühlt.

Ob Konzert, Kabarett oder eines der vielen anderen Events - Klaus und Ute Walter gehören häufig zu den Gästen im Uditorium. Der frühere Bürgermeister und seine Frau genießen die Kulturveranstaltungen und die Atmosphäre in dem gläsernen Kubus. "Es ist viel mehr daraus geworden, als wir uns alle damals versprochen hatten", meint Walter im Rückblick auf die schwierigen und langwierigen Diskussionen um den Bau des Veranstaltungsgebäudes, das vor fast acht Jahren eröffnet wurde.

"Das Vorhaben war zunächst heftig umstritten", erinnert sich Walter. Das Uditorium war das letzte große Bauprojekt in der Ära Klaus Walter, die 2005 nach 24 Jahren zu Ende ging. Mancher Kritiker hatte gar vermutet, der scheidende Schultes wolle sich ein Denkmal setzen. Aber der Wunsch nach einem geeigneten Rahmen für kulturelle Veranstaltungen bestand schon lange und in der Stadt hatte sich ein Förderverein gegründet mit dem Ziel, ein Kulturzentrum zu bauen. Der Verkauf der Neckarwerksaktien spülte schließlich das notwendige Geld für das Acht-Millionen-Projekt in die Kasse.

Heute seien auch die Kritiker von damals verstummt. Der Alt-Schultes verhehlt nicht, dass er durchaus ein wenig Genugtuung empfinde, wie gut sich das Kultur- und Tagungszentrum entwickelt hat. Walter spricht von einem Markenzeichen, nicht zuletzt aufgrund des ungewöhnlichen Namens. "Die Namensgebung hat fast mehr Zeit in Anspruch genommen als die Planung", erzählt Walter schmunzelnd und erinnert sich noch gut an den "Aufschrei" im Gemeinderat, als er die von einer PR-Agentur kreierte Wortschöpfung "Uditorium" zur Abstimmung stellte: "Als ich mit dem Vorschlag kam, brach ein Tohuwabohu los." Aber das sei Schnee von gestern, "den Namen gibt es in Deutschland nur einmal", für Walter mit ein Grund für die erfolgreiche Vermarktung des Gebäudes.

Dass er das Uditorium als eine Art zweites Wohnzimmer empfindet, liege aber vor allem an dessen Funktion als Begegnungsstätte. "Man trifft immer viele Leute, die man kennt", sagt Klaus Walter. Das genießt der Bürgermeister im Ruhestand aber auch, wenn er in der Stadt unterwegs ist. "Meine Frau kalkuliert schon immer etwas mehr Zeit ein", sagt er lachend. "I schwätz gern mit de Leut", erzählt der 68-Jährige, "das ist für mich ein Stück Heimat", fügt er hinzu.

Seinen Hohenloher Dialekt hört man zwar immer noch gut heraus, aber für Klaus Walter und seine Familie bedeutet Zuhause heute Uhingen. Auch Sohn und Tochter haben sich mit ihren Familien in der Stadt niedergelassen und dank seines Ruhestands findet der Alt-Bürgermeister Zeit, sich ausgiebig seinen fünf Enkeln zu widmen. Die dürfen in "Nonos" Werkstatt nach Herzenslust schrauben, bohren und basteln. "Ich bin auch bei meinem Großvater in der Schreinerwerkstatt aufgewachsen und finde es wichtig, dass Kinder auch ein bisschen mit Werkzeug umgehen können", sagt der leidenschaftliche Opa, der für seine Kindeskinder der "Nono" ist. Der Kosename rührt von einer weiteren Passion der Familie Walter: Italien. Seit 38 Jahren zieht es Klaus und Ute Walter an denselben Ort an der Adria.

"Das ist auch jedes mal ein bisschen, wie nach Hause kommen", meint Ute Walter. Ein wenig der italienischen Lebensart pflegt das Paar auch im heimischen Uhingen. Der Tag beginnt für den Ruheständler mit einem Espresso, selbstredend klassisch aus der Siebträgermaschine. "Ich brauche meine Rituale, das verhilft mit zu Ruhe und Gelassenheit", plaudert Klaus Walter entspannt und verschweigt nicht, dass es bei einer Tasse des starken Kaffees pro Tag bei weitem nicht bleibt. Der Fitness und seinem Rücken zuliebe absolviert er alle zwei Tage ein strammes Sportprogramm mit Nordic-Walking-Stöcken im Hauwald. Langeweile im Ruhestand kennt Klaus Walter nicht. "Das einzige Ehrenamt, das ich übernommen habe, ist, die Treffen der Alt-Schultes zu organisieren."