Uhingen Zündende Ideen fürs Finale

Gut und sicher gelagert: Charly Bartosch öffnet für die NWZ seine Schatzkammer. Am 2. August wird er wieder das Abschluss-Feuerwerk für das Somnmerfestival auf Schloss Filseck zünden. Immer mit neuen Effekten im Gepäck.
Gut und sicher gelagert: Charly Bartosch öffnet für die NWZ seine Schatzkammer. Am 2. August wird er wieder das Abschluss-Feuerwerk für das Somnmerfestival auf Schloss Filseck zünden. Immer mit neuen Effekten im Gepäck. © Foto: Ulrike Albrecht
ULRIKE ALBRECHT 08.06.2015
Sie zaubern Lichter in den Himmel und ein Leuchten in die Augen des Publikums. Die zündenden Ideen von Feuerwerkern sind gefragt, wenn es darum geht, einer Veranstaltung besonderen Glanz zu verleihen.

Eine Lehre im herkömmlichen Sinn gibt für diesen Beruf nicht, man muss jedoch einen sogenannten Befähigungsschein zum Abbrennen von Feuerwerken im Rahmen des deutschen Sprengstoffrechts erwerben, für den ein Mindestalter von 21 Jahren ebenso erforderlich ist wie der Nachweis von Zuverlässigkeit und der persönlichen und körperlichen Eignung, die Mitarbeit an 26 Großfeuerwerken sowie die bestandene Fachkundeprüfung am Ende eines staatlich anerkannten Lehrgangs.

Zuverlässigkeit und persönliche Eignung? Charly Bartosch, Inhaber der Firma Magic Vision in Wangen, erläutert, was gemeint ist: Vorstrafen beispielsweise sind ein No-Go für jeden, der Pyrotechniker werden will, erzählt er. Und wer es bleiben will, darf sich ebenfalls nichts zuschulden kommen lassen: Autofahren mit Alkohol zum Beispiel? Lieber nicht!, warnt Charly Bartosch, es wäre allzu leichtsinnig, ein Berufsverbot zu riskieren. Immerhin handle man mit Schwarzpulver ... und das sei ja nicht ganz ungefährlich. Deshalb sind die Ordnungsämter auch so streng mit den Pyrotechnikern. Schließlich tragen sie eine große Verantwortung für die Sicherheit vieler Menschen. Denn die Feuerwerkskörper, mit denen sie arbeiten, sind nun mal andere Kaliber als das, was man zu Silvester im Supermarkt kaufen kann.

Der Profi Charly Bartosch ist seit mehr als 20 Jahren im Geschäft und über jeden Zweifel erhaben. Seit dem ersten Sommerfestival vor 21 Jahren sorgt er alljährlich für ein funkelndes Festival-Finale am Nachthimmel über Schloss Filseck. Zum Beruf des Pyrotechnikers kam er mehr oder weniger per Zufall. Nachdem er zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert hatte, wollte er doch noch etwas anderes ausprobieren - und landete bei einem Stuttgarter Großhandel für Sprengstoff und Feuerwerk, in dem er nach und nach den Bereich Pyrotechnik aufgebaut hat. Das Material war ja da ... Es brauchte nur jemanden, der die Feuerwerkskörper nicht nur einzeln an die Kunden verkauft, sondern im Gesamtpaket. Charly Bartosch war der richtige Mann dafür. Denn schnell stellte sich heraus, dass er nicht nur das Talent hat, sich die Bilder eines Feuerwerks im Kopf vorzustellen, sondern auch die Fähigkeiten, diese Bilder entsprechend zu realisieren. Eine ganze Weile hat er das als Angestellter seines Stuttgarter Ausbildungsbetriebs getan, danach hat sich Charly Bartosch selbständig gemacht. Zu seinen Kunden zählen neben dem Sommerfestival auf Schloss Filseck auch immer wieder die Landesgartenschauen in der Region - und natürlich viele Privatleute, die sich zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Firmenjubiläen und sonstigen Feiern den Luxus eines professionell gestalteten Feuerwerks gönnen.

Wenn der letzte Ton der letzten Zugabe des Schlusskonzerts beim Sommerfestival verklungen und der Applaus abgeebbt ist, dann ist Charly Bartoschs Stunde gekommen. Dann zündet er den rund 800 Zuschauern und allen Mitwirkenden ein brillantes Höhenfeuerwerk mit atemberaubenden Blinkerfronten, Chrysanthemenbildern, Schlangenmotiven sowie üppigen Gold- und Silberweiden.

Die Effekte, die Dramaturgie und der Ablauf werden lange im Voraus erarbeitet. Vor Ort brauchen Bartosch und ein Mitarbeiter dann noch rund vier Stunden, bis sie die Abschussrampen gemäß Abbrennplan aufgebaut und alles verkabelt haben. 90 Meter Sicherheitsabstand zu Gebäuden, Fahrzeugen und Personen müssen streng eingehalten werden - und das ist auch der Grund dafür, dass beim Schlusskonzert des Sommerfestivals niemand direkt beim Schloss parken darf. Die Feuerwehr hat ein scharfes Auge darauf, sperrt das Gelände großzügig ab und parkt sicherheitshalber einen Spritzwagen in der Nähe. Immerhin findet das Feuerwerk inmitten von teils schon abgeernteten Feldern statt.

Gezündet wird per Funk. Ein Knopfdruck - und schon fliegen Myriaden funkelnder, glitzernder Lichter durch die Luft. Schöner kann man sein Publikum kaum verabschieden. Charly Bartosch freut sich. In den vielen Jahren sind über die rein geschäftliche Beziehung hinaus auch Freundschaften gewachsen - und deshalb kommt er jedes Jahr gerne wieder, mit bewährten, aber auch neuen Effekten im Gepäck.